Sonntag, 25. Dezember 2011

...A Death Before Christmas [Part XII & Epilog]


CONTROL DENIED


The Fragile Art Of Existence


VÖ: 13.05.1999


PROGRESSIVE HEAVY METAL




Der allerletzte Studio-Out-Put von Chuck Schuldiner, der noch während seines Lebens erschien, war CONTROL DENIEDs "The Fragile Art Of Existence". Als dieses Album erschien wußte Chuck bereits, dass er an Krebs erkrankt war und unterzog sich einigen Therapien um seinen Gehirntumor zu besiegen.
Die Kosten, die entstanden, waren enorm und da das amerikanische Sozial- und Gesundheitssystem nur auf der Seite von reichen Unternehmern steht, zeigte sich wenigstens die gesamte Metal-Community solidarisch, spendete, organisierte Benefiz-Konzerte und sogar Mainstream-Künstler wie KID ROCK, KORN und die RED HOT CHILI PEPPERS halfen mit.
Dass diese Unterstützung nicht zufällig war, bewies eins ums andere Mal diese Platte. Denn Chuck haprogressiver und freier arbeiten zu können. Zu diesem Zweck stellte er eine Mannschaft zusammen, bei der auch sein alter Wegbegleiter Steve DiGiorgio an Board war. Des Weiterenn behielt Chuck Drummer Richard Christy und Klampfer Shannon Hamm, die schon bei der letzten DEATH-Scheibe im Studio mit dabei waren. 
Da wundert es nicht, dass CONTROL DENIED auch sehr nah an dem dran sind, was auf "The Sound Of Perseverance" zu hören ist. Wichtigster Unterschied ist aber, dass Evil Chuck sich hier völlig auf seine Gitarre konzentrieren kann. Denn die Vocals übernimmt Tim Aymar (der heute bei PHARAOH singt).
Dadurch wird zwar die Grundstimmung stark verändert, trotzdem bleibt aber das Ganze als Schuldiner-Werk erkennbar.
Teils doomig ('Breaking The Broken'), teils melancholisch ('When The Link Becomes Missing') und manchmal einfach nur brachial ('Believe'). Dieser Opus enthält soviel Engagement und Herzblut, dass man hört wie akribisch hier gearbeitet wurde. Aymar hat hat vor einigen Jahren in einem Interview Chuck Schuldiner mit Henry Ford verglichen, da er sich für jedes Album die Musiker gesucht hat, die perfekt zu Sound passen. Dass ihm dies auch auf "The Fragile Art Of Existence" gelungen ist, steht außer Frage. Allerdings vermisst man als alter DEATH-Fan schon ein wenig den markanten Gesang von Schuldiner, auch wenn das wohl notwendig war, um einen sauberen Schnitt zwischen diesen beiden Bands zu machen.
CONTROL DENIED sind zwar die logische Weiterentwicklung der späten DEATH, aber trotzdem etwas ganz eigenes und auch kaum mit anderen Bands zu vergleichen. Denn es gibt bei diesem Projekt keine Grenzen. Power, Heavy, Speed, Doom und vor allem Prog sind hier die Zutaten, die zwar nicht direkt ins Ohr gehen und etwas mehr Aufmerksamkeit vom Hörer verlangen, als es normal notwendig ist. Aber wenn man sich erst einmal auf diese Platte eingelassen hat, befindet man sich auf einer Entdeckungsreise, die auch nach Durchlauf Nummer 12 noch nicht beendet ist. Wahrscheinlich ist "The Fragile Art Of Existence" der beste Output, der im progressiven Schwermetall seit der Jahrtausendwende erschienen ist.


EPILOG


Leider half das Chuck auch nicht mehr fiel, denn der Krebs kehrte 2001 zurück und wieder fehlte das liebe Geld, um die Therapien zeitgerecht durchzuführen. Aber auch diesmal halfen wieder viele Künstler und Fans, um die nötigen Mittel aufzutreiben (während die Krankenversicherung, die Chuck zwischenzeitlich abgeschlossen hatte, sich weigerte zu zahlen, da die Krankheit aus einer Zeit gestammt habe, die vor dem Vertragsabschluss lag). Letztendlich erlag Schuldiner aber am 13.12.2001 dem Krebs und seinen Begleiterkrankungen. Viele Künstler wie  Mike Patton, Dimebag Darrell, Glen Benton, King Diamond, Ville Valo, Trey Azagthoth und Max Cavalera wohnten der Trauerfeier bei und erwiesen einem großen Künstler die letzte Ehre, der bis heute unvergessen ist. Es bleibt zu hoffen, dass das allerletzte Schaffen von Chuck (das zweite CONTROL DENIED Album) bald erscheinen wird, nachdem der Rechtsstreit zwischen Erben, Label und Musikern nun endlich beigelegt sein soll. Es wäre auf jeden Fall ein überfälliger Tribut und ein Gewinn für die gesamte Szene, wie alle Platten, die Schuldiner über die Jahre veröffentlicht hat.


Ruhe in Frieden, Evil Chuck!


[Adrian]

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