Mittwoch, 21. Dezember 2011

...A Death Before Christmas [Part VIII]


DEATH


Human


VÖ: 22.10.1991


DEATH METAL




Gerade einmal 18 Monate waren vergangen und trotzdem hatte sich im Hause DEATH einiges verändert und wie immer war die einzige Konstante der Bandchef Chuck Schuldiner. Nachdem die Meuterer um Andrews und Butler gehen durften, holte Chuck den äußerst begabten Saitenhexer Steve DiGiorgio in die Band, der ihm bereits bei den Bass-Aufnahmen für "Scream Bloody Gore" unter die Arme gegriffen hatte. Bei "Human" durfte DiGiorgio den Posten am Bass hauptberuflich übernehmen (zumindest für die Zeit im Studio). Für den Job am Schlagzeug wurde Sean Reinert engagiert, während Paul Masvidal an der zweiten Gitarren eingesetzt wurde. Masvidal und Reinert sollten übrigens mit ihrer eigenen Band CYNIC einen ähnlichen stilistischen Werdegang durchlaufen wie seiner Zeit DEATH (beide Bands starteten in den 80ern mit Death-Thrash und wurden in den Neunzigern immer progressiver).
Die gefundene Aufstellung war in jedem Fall perfekt, um ein Album wie "Human" einzuspielen, denn hier waren vier junge, talentierte Musiker am Werk. Dass das Ergebnis logischerweise genial werden würde, überrascht da im Nachhinein wohl niemanden.
Selten zuvor und selten danach gelang es einer Band so progressiv und technisch zu sein, ohne dabei die Songdienlichkeit und die todesmetallische Grundstimmung zu vergessen. Allein der Anfang des Albums lässt schon Großes erahnen. Fies wummert der Bass vor sich hin, während sich klare und singende Gitarren eine Riffschlacht nach der anderen liefern. Das Schlagzeugspiel ist exakt und gewaltig, sowie es für eine Death-Metal-Band gehört. Thematisch bleibt man nur noch gelegentlich der Szene treu. Immerhin hält 'Suicide Machine' die Fahne der morbiden Spielkunst hoch. Bei den meisten anderen Songs wird Schuldiner geradezu zum Philosoph und setzt sich mit Gott und der Welt auseinander. Allerdings findet sich auch dort jede Menge  martialische Sozialkritik ('Lack Of Comprehension' oder 'Together As One') und persönliche Erfahrungen ('See Through Dreams') wieder. 
Das mit Abstand verrückteste Stück ist aber 'Cosmic Sea' (es erinnert nicht nur vom Namen her an NOCTURNUS), das ohne Vocals auskommt und dafür den freien Raum für ultra-technsiches Riffing nutzt, Ein logisches und in sich völlig stimmiges Lied, dass durch seine (mit Keyboards aufgepeppten) Atmosphäre den Hörer einfängt. Ähnliches macht im Übrigen das gesamte Album. Keine Note ist hier falsch platziert und auszusetzen gibt es auch nichts. Es sei denn man ist von vornherein ein Feind von Progressivität und Technik, aber das ist Geschmackssache und keine Kritik. "Human" ist ein Album für offene Metal-Fans und Freunde intelligenter Unterhaltung und spaltet so (wie alle folgenden DEATH-Platten) die Szene, ebenso wie ihr Schöpfer. Dieser verarbeitete aber das, was er von so manchem Individuum aus seinem Umfeld hielt, erst mit der nächsten Scheibe. 


[Adrian]

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