Festival Reviews

SUMMER BREEZE 2010


Flugplatz Aeroclub, Dinkelsbühl


Endlich ist es wieder soweit! Das wohl größte Metal Festival Bayerns öffnet zum 13. Mal seine Pforten und über 20.000 Metaller belagern für vier Tage das beschauliche Grenzland zwischen Bayern und Baden-Württemberg.

Aber zuerst muss man erst einmal ankommen, denn wie auch schon in anderen Jahren bildet sich ein riesiger Anreisestau der erst etwa neun Kilometer vor Dinkelsbühl endet. Allerdings ging es diesmal zügiger voran als im Chaos-Jahr 2008, wo man mit etwa sechs Stunden Wartezeit rechnen musste. Da waren die drei Stunden, die man diesmal ertragen musste, geradezu human.


Auch die Securities und das Open Air Personal fielen sehr positiv auf, da sie sehr hilfsbereit und nett waren, auch wenn es für manche Besucher etwas schade war, dass sie mit ihren Autos nicht zu von Freunden und Bekannten freigehaltenen Plätzen fahren konnten. Da blieb nur die Möglichkeit irgendwo zu parken und dann sein Zeug zu den entsprechenden Kumpels tragen.



MITTWOCH:

Da der Mittwoch nicht als offizieller Festivaltag gilt, bleibt die Main und Pain Stage geschlossen und das feierwillige Publikum kann sich stattdessen im Party Zelt und auf der neuen Camel Stage austoben. Während sich allerdings auf der Camel Stage mit den Smack Ballz „nur“ eine Metal Cover Band austobt (über den peinlichen Versuch Wacken zu imitieren, indem man eine lokale Blaskapelle als erstes spielen lässt, legen wir mal dezent den Mantel des Schweigens), bekommt man im Partyzelt neben den Gruppen des Newcomer Contests bereits heute einige Hochkaräter um die Ohren gehauen.

Stellvertretend für die „Jungen Wilden“ habe ich mir Kadavrik angeschaut und muss sagen, dass trotz aller Spielfreude und Talent, dieser müde Mix aus Graveworm und Children of Bodom nicht wirklich mein Ding ist.

Da gefallen mir Suffocation schon besser, auch wenn es leider viel zu voll im Zelt ist und ich gerade so am hinteren Rand einen Platz finde. Trotzdem oder gerade deswegen befinden sich Sänger Frank Mullen und seine Spießgesellen in bester Laune und kommunizieren viel mit den ersten Reihen. Ihr Mix aus Slam Death Metal und Deathgrind scheint bei den meisten Leuten sehr gut anzukommen, da sollte man als Veranstalter versuchen beim nächsten Besuch der New Yorker ein Platz auf der Pain oder Main Stage freizuhalten.

Der nächste Todesblei Appetithappen des Abends heißt Unleashed und Sänger Johnny zeigt mit direkt dem ersten Song des Abends („Ice... cold... winterland“ ) wohin die Reise geht.

Old-schooliger schwedischer Viking Death Metal regiert und walzt alles platt was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Weitere Songs wie „Hammer Battalion: Unleashed“ oder „Wir kapitulieren niemals“ werden zur ersten ernsthaften Herausforderung für die Nackenmuskulatur und „Into Glory Ride“ erhält besondere Bedeutung diesen Abend, da Fronter Hedlund diesen Track den verstorbenen Legenden Dio und Steele widmet.

Zum Schluss wird das Publikum dann auch noch mal mit einem Augenzwinkern gefragt, ob man heute vielleicht auf „Death Metal Victory“ verzichten könne, aber selbstverständlich wird dies einstimmig abgelehnt und die Menge geht steil als sie zum mitsingen aufgefordert werden.

Die Energiereserven sind zwar bereits sehr beansprucht worden, dennoch hat man keine andere Wahl als bei Equilibrium einfach nur auszurasten, denn fast jeder Song der Setlist ist ein Hit und der gesangliche Neuzugang Robse passt perfekt zu den Partypaganisten.

Witzig und charmant führt er mit seinen Ansagen durch das Programm und keift Gassenhauer wie „Met“, „Unter der Eiche“, „Blut im Auge“ oder „Die Affeninsel“ zwar noch unverständlicher aber dafür auch noch druckvoller als sein Vorgänger ins Mikrofon.

Die Zeit vergeht während des Gigs wie im Flug und man ist fast etwas wehmütig als mit „Unbesiegt“ bereits das Ende erreicht ist.

Zum Glück ist der Tag im Partyzelt aber noch nicht ganz vorbei und trotz der unchristlichen Uhrzeit (inzwischen ist es bereits nach 3 Uhr) finden sich noch viele Death Metal und Grind Fans ein, um den Ziegen von Miliking the Goatmachine die Ehre zu erweisen.

Und dafür gibt es dann während des Gigs auch neben Geschenken (Ziegenmasken und aufblasbaren Keulen) auch haufenweise Hits zu hören. „Milk me up before you go go“, „Goatthrower“ oder auch das obligatorische Sacred Reich Cover „Surf Goataragua“ lassen Mosh und Circle Pits entstehen, die allerdings zeitweise drohen im matschigen, lehmigen Boden zu versinken.

Mit einem neuen Song namens „Beware of the Wolf“ findet dieser Gig und dieser erste Tag seinen krönenden Abschluss und die Hammelherde aus Fans bricht auf um sich in ihren Ställen… äh Zelten schlafen zu legen.



DONNERSTAG:

Angenehme Temperaturen und kein Niederschlag. Perfektes Wetter für ein Open Air. Oder um einfach am Zelt zu sitzen und ein Bierchen zu trinken. Dementsprechend spät zieht es mich auf das Festivalgelände.

Die erste Band, die ich mir an diesem Tag anschaue, ist Dew-Scented. Sänger Leif Jensen macht sich direkt bei den meisten ernsthaften Metal Fans beliebt, indem er lauthals fordert: „ Schluss mit Lustig!“

Und damit trifft er einen wunden Punkt, denn direkt vor den deutschen Death Thrashern belagerten die Möchtegern-Witzbolde von den Grailknights das Partyzelt und wenn man mal ehrlich ist, hat diese Spaß Metal Fraktion etwas überhandgenommen. Allein auf dem diesjährigen Summerbreeze treiben sich mit Van Canto, Feuerschwanz, Das Pack und eben diesen Grailknights recht viele Happy Metaller herum.

Da kann man doch froh sein dass wenigstens noch ein paar Musiker ihre Arbeit ernst nehmen und ihren Fans eine unterhaltsame Show ohne Ulk bieten.

So prügeln Dew-Scented dem Publikum einen Hammer nach der anderen um die Ohren und hinterlassen am Ende ihres Gigs nur noch verbrannte Erde, womit sie sich den Titel „Überraschung des Tages“ redlich verdienen.

Den Titel „Enttäuschung des Tages“ hätten sich beinahe Obituary verdient, wenn sie später nicht von den okkulten Oraniern (auch The Devil’s Blood genannt) noch überboten worden wären. Vorher allerdings erst zu den alten Herren aus Florida. Das Set beginnt stark! Man spielt das instrumentale Intro von „Frozen in Time“, um dann im Folgenden etwas monoton und langweilig zu werden. Anstatt Vollgas zu geben spielen die Amerikaner heute irgendwie mit angezogener Handbremse. Die Show ist zwar professionell aber leider auch blutleer. Selbst bei tollen Songs wie „Evil Ways“ oder „Slowly We Rot“ will nicht wirklich Begeisterung aufkommen. Schade, aber nachdem mich schon Morbid Angel und die Cannibal Corpse in der Vergangenheit live enttäuschten, scheint es wohl in Florida einfach eine Epidemie zu geben, die Old-School Death Metal Kapellen eine gute Show zu spielen.

Bleibt nur zu hoffen, dass diese Krankheit noch nicht nach Schweden übergegriffen hat, denn als nächstes sind Dark Tranquillity dran und stellen zum Glück unter Beweis, dass man in Skandinavien noch weiß wie man Live Auftritte abzuhalten hat.

Eine spielfreudige Band, ein agiler Mikael Stanne und eine opulente Videoshow lassen nie Langeweile aufkommen und halten die Stimmung stets auf einem hohen Level. Hits wie „Focus Shift“, „Lost To Apathy“ oder „Final Resistance“ tun da ihr Übriges und bringen viele Metaller dazu sich als Crowdsurfer zu betätigen.

Es ist schon erstaunlich, dass vom ersten bis zum letzten Song durchgehend abgegangen werden kann und die meisten Zuschauen dies auch wahrnehmen ohne sich während des einstündigen Gigs mal eine Verschnaufpause zu gönnen.

Da muss man selbst als Nicht-Göteborg Fan in die Hände klatschen und den Melo-Deathern zugestehen, dass sie ihre Sache mehr als anständig durchgezogen haben.

Weniger massenkompatibel geht es im Partyzelt mit Macabre weiter. Denn die kranken Amerikaner reichern ihr Soundgebräu aus Grindcore, Death Metal und Crust (sie selbst nennen es Murder Metal) mit derben Lyrics über Massen- und Serienmördern an und kommen damit sehr gut beim Publikum an. Auch wenn man die Band vorher noch nicht kannte, schließt man sie sofort ins Herz. Refrains wie zum Beispiel „I'm going to kill you just because I want to“ (aus dem Song „Vampire of Düsseldorf) oder „You're dying to be with me“ (aus dem gleichnamigen Track) fräsen sich ihren Weg in den Gehörgang und gehen dort auch so schnell nicht wieder weg.

Auch die Ansagen haben sowohl Unterhaltungs- als auch Lernwert, denn vor jedem Song lernt man etwas über einen anderen perversen Mörder, der im Folgenden besungen wird. Das ist doch mal guter Service.

So sehr Macabre positiv überraschten, so sehr überraschen The Devil’s Blood negativ (wie bereits oben erwähnt). Den holländischen Hippiesatanisten eilt ja inzwischen ein gewisser Ruf voraus. Für eine so neue Band haben sie ja in der Metal Presse bereits eine Menge positives Feedback bekommen und zugegeben: die Songs, die sie im Internet zur Verfügung stellen, sind gar nicht mal so übel. Also was spricht dagegen sich diese Kapelle anzutun? Hinterher kennt man die Antwort.

Aber von vorne. Denn nachdem die Band um Gitarrist SL uns bereits 10 Minuten länger als gedacht hat warten lassen (das Schweineblut will ja mit Sorgfalt auf die Haut getragen werden), drangsaliert ein endloses Intro, das eigentlich mehr aus Rückkopplungen als aus Musik besteht, die Nerven. Passend dazu betritt Frontfrau (bzw. Frontsau) Farida die Bühne und zeigt woraus ihr beschränkte Stageacting besteht: 90° Drehungen, Arme heben und senken. Anschließend entpuppt sich der erste Song auch gleich als der beste, denn hier ist der Gesang zum Glück noch viel zu leise gedreht und so gut wie nicht zu hören.

Als dieser dann doch im Verlauf einsetzt macht das die Gesamtsituation nicht besser, im Gegenteil die wuchtige Walküre klingt nur entfernt wie auf Platte und erinnert eher an eine x-beliebige Gothic Metal Grazie vom Lande.

Dem monotonen Gesang passen sich auch die anderen Musiker an und beschränken sich darauf nur wenig Abwechslung einzubauen. Da werden beispielsweise Zwei-Akkord-Riffs gerne mal als Grundlage für zehn-minütige Gitarrenexzesse missbraucht, die kein Ende nehmen wollen.

Allerdings ist noch nicht jeder Zuschauer in die „Trance“ gefallen, die The Devil’s Blood laut ihrer Fans auslösen, und so ziehen es viele Metaller vor das Trauerspiel vorzeitig und kopfschüttelend zu verlassen.

Schließlich bin ich allerdings froh dazubleiben, denn so kann ich beobachten, wie man auf einmal der Band während des wohl letzten Liedes langsam den Strom abstellt. Netterweise beginnt der Soundtechniker mit Farida, auf deren Stimme man sowieso den gesamten Gig über hätte verzichten können, und signalisiert so den Möchtegern-Okkultisten, dass man Spielzeiten besser einhalten sollte, denn inzwischen haben TDB bereits 10 Minuten überzogen.

Ohne ein Wort oder einen Gruß trollen sich die einzelnen Mitglieder von der Bühne (angefangen bei der singenden Presswurst) und bereiten dem Schrecken endlich ein Ende.

Auf dem Rückweg zum Zeltplatz höre ich im Hintergrund die ersten Klänge von Ahab und finde deren Funeral Doom auf einmal gar nicht so langweilig wie sonst. Das muss wohl an The Devil’s Blood liegen.


FREITAG:

Der Freitag ist sogar noch heißer als der erste offizielle Festivaltag und die Lust sich zu bewegen sinkt damit weiter. Bis auf einen kleinen Bummel auf dem ansässigen Metalmarkt, der sich aufgrund riesiger Auswahl und günstiger Angebote zu einem meiner absoluten Lieblingsfestivalmärkte entwickelt hat, bleibe ich den Nachmittag über ziemlich untätig.

Erst gegen halb acht Uhr abends bewege ich mich Richtung Bühne. Mein erster Halt ist das Partyzelt, wo gerade Disbelief mit ihrer Show beginnen. Die Hessen wurden mir vor einigen Jahren mal mit den Worten beschrieben: „Die würden gerne Death Metal machen.“

Völlig zu Unrecht wie ich finde! Die Jungs ziehen ein anständiges Programm durch und grooven sich von einer Death Metal Walze zur Nächsten. Dabei sind sie sehr gutgelaunt und spielfreudig.

Schade, dass sich ihr Gig und der von Hyprocrisy überschneiden, sonst hätte ich mir die Odenwaldkapelle auch noch bis zum Schluss geschaut.

Dennoch ist das Interesse an dem Auftritt von Herrn Peter Tägtgren größer und ich begebe ich zum ersten Mal an diesem Tag vor die Main Stage.

Die Schweden legen heute den Schwerpunkt auf ihre härtere Seite, dabei kommen sowohl alte wie neue Stücke zum Einsatz. Songs wie „Let The Knife Do The Talking“ oder „Adjusting The Sun“ werden zwar begeistert abgefeiert, jedoch erst „Roswell 47“ lässt alle Anwesenden komplett ausrasten. Doch dann bricht die Stimmung abrupt ab. Die Band verlässt die Bühne und ein wildes „We want more!“ und „Zugabe“ Gebrüll setzt ein.

„Hypocrisy spielen doch keine Zugabe! Nein, die doch nicht!“, sage ich noch ironisch zu meinem Hintermann, der schon seit etwa 30 Minuten lauthals den Track „Destroyed“ fordert. Immerhin sind noch zehn Minuten übrig und es wurde pünktlich begonnen. Aber statt einer Zugabe, erscheinen bloß die Roadies auf der Bühne um sich hastig an den Umbau zu machen. Peter und seine Jungs kommen zwar auch noch mal heraus, aber bloß um sich von den Fans zu verabschieden.

Wirklich ein Jammer! Aber an Gorgoroth wird es nicht gelegen haben, denn die haben alle Zeit der Welt und beginnen erst zehn Minuten nach dem eigentlichen Spielbeginn. Für das Warten wird man dann dafür mit einer ordentlichen Show entschädigt. Hits wie „Pentagram“ sowie generell abwechslungsreiche Songs, eine opulente Lichtershow und ein nackenbrechender Groove, wofür maßgeblich der Bassneuzugang Frank Watkins verantwortlich ist (kein Wunder! Immerhin ist er sonst für den Groove bei Obituary zuständig) machen den Gig zu einer runden Sache.

Gorgoroth sind fertig und Watain warten im Partyzelt. Die schwedischen Schwarzmetaller sind wohl zurzeit das Heißeste, was man im Black Metal finden kann (dies bezieht sich sowohl auf die letzten Alben als auch die feurige Bühnenshow). Gutgefüllt ist die dritte Stage bereits vor den ersten Takten der Band und es kommen sogar noch einige mehr, während Sänger Erik Danielsson und seine Kollegen das Eröffnungsdoppelpack „Malfeitor“ und „Sworn to the Dark“ zum Besten geben. Optisch unterstützen Brennende Kreuze und (das obligatorische) Schweineblut die Darbietung und machen aus Musik, Band und Requisiten ein Gesamtkunstwerk. Hier spürt man (ganz anders als bei The Devil’s Blood am Vortag)tatsächlich eine dunkle und okkulte Stimmung und bekommt dennoch zugleich eine klasse Metalshow geboten.

Im Anschluss an diese mystische Erfahrung stehe ich vor einer schweren Entscheidung. Was schaue ich mir jetzt an? Entweder Dying Fetus im Partyzelt oder die Monster-Party-Rocker GWAR auf der Pain Stage. Nach kurzem Schwanken beschließe ich dann doch im Partyzelt zu bleiben und mich doch lieber einer Portion Grindcore hinzugeben. Jedoch will bei mir der Funken zu Anfang nicht direkt überspringen. Denn das Set der Amerikaner erscheint mir etwas gleichförmig und unspektakulär. Ob das daran liegt, dass ich bereits seit 4 Stunden vor den Bühnen stehe oder daran dass die älteren Herren leichte Anfahrschwierigkeiten haben, kann ich nicht so genau bestimmen. Nichtsdestotrotz kommen die Songs des Trios immer besser in Fahrt und die Headbang-Rate steigt immer weiter an. Den Stimmungshöhepunkt erreicht der Gig dann mit dem letzten Song „Kill Your Mother, Rape Your Dog“ und auch ich nutze meinen Lieblings Dying Fetus Song um nochmals ordentlich die Birne kreisen zu lassen.

Allerdings versuche ich mir genug Energie zu bewahren, um die im Anschluss spielenden Holländern Hail of Bullets noch standesgemäß abfeiern zu können. Bereits 2008 hatte die Band um Ed Warby und Martin Van Drunnen eine Kesselschlacht im Partyzelt veranstaltet, aber dieses Mal sollte es sogar noch brutaler zu gehen. Denn inzwischen steht auch das zweite Album „On Divine Winds“ vor seinem Release und die live dargebotenen neuen Stücke ergänzen perfekt das bisherige Set.

Aber selbstverständlich bleiben die Songs von „Of Frost And War“ die Hits der Band. „Red Wolves Of Stalin“ oder auch „Berlin“ treiben jedem Old-School Death Metaller Tränen in die Augen. Besonders erwähnenswert ist die (wie immer) humorvolle und witzige Moderation von Martin Van Drunnen, der ziemlich überrascht scheint, dass keine Polen im Publikum sind, denen man „Warsaw Rising“ widmen kann. Ob mit oder Polen im Publikum steigt die Stimmung im Zelt und mal wieder vergeht die Zeit wie im Flug. Und während die letzten Töne der Niederländer verhallen, mache ich mich auf den Rückweg Richtung Nachtlager und freue mich bereits jetzt darauf am folgenden Tag erneut eine Show mit Herrn Van Drunnen bestaunen zu dürfen. Und nur eines vorweg: Es sollte sogar noch besser werden!


SAMSTAG:

Der letzte Festivaltag. Es ist immer noch ziemlich warm und langsam schleicht sich so etwas wie ein Lagerkoller bei unserer kleinen Delegation ein. Deswegen entschließen wir uns bereits heute zu packen und nach dem letzten Act, den wir sehen wollen, zu fahren.

Auch die Lust zu den Bühnen zu gehen, ist heute noch geringer als die letzten Tage. Deswegen beschränke ich mich heute darauf mir nur drei Bands, die ich unbedingt sehen will, anzuschauen.

Die erste Kapelle aus diesem Bunde heißt Sepultura. Und es ist mehr als ein Gerücht, dass die Band ihre erfolgreichsten Jahre schon länger hinter sich hat. Nach dem Ausstieg von Max Cavalera in den 90ern Jahren gelang es Kisser, Green und Co nicht mehr an die alten Glanzzeiten anzuknüpfen.

Trotzdem ist es vor der Mainstage ziemlich voll, auch wenn man dem einen oder anderen Metaller unterstellen möchte, dass er nur da ist, um nachher behaupten zu können die südamerikanische Legende mal gesehen zu haben.

Wie dem auch sei, Sepultura starten eine energiegeladene, groovende Show und feuern einige gute Nummern neueren Datums heraus, die zwar wunderbar ins Ohr gehen und zum Mitnicken animieren, allerdings entfachen erst die Old-School Klassiker „Troops of Doom“ und besonders „Roots Bloody Roots“ ein Jubel Inferno.

Da liegt der Vorschlag nahe, dass Sepultura (vielleicht passend zum 25 jährigen Band Jubiläum, das man 2009 gefeiert hat) eine Tour spielen, auf der man nur Songs der Pre-Green-Ära spielt. Dies wäre aber quasi eine Kapitulation vor dem Schaffen der Cavalera Brüder, weswegen sowas erst nach einer richtigen Sepultura Reunion möglich wäre.

Im Folgenden verzichte ich auf einige Bands wie Manegarm oder Warbringer, um den Zeltabbau und das Einräumen des Autos noch bei Tageslicht zu erledigen. Das ist auch der Grund warum ich erst bei Einsetzen der Dämmerung vor der Pain Stage stehe, um mir den letzten Gig von Emperor Magus Caligula als Fronter von Dark Funeral anzuschauen.

Aber anstatt eine melancholische Abschiedsshow zu spielen, gehen die Schweden richtig ab und feiern mit fetten Pyroeffekten und großartigen Songs wie „666 Voices Inside“ oder „The Arrival Of Satan’s Empire“ einen würdige letzte Show mit ihrem Sänger.

Auch die Fans scheinen zufrieden zu sein, es ist sehr voll vor der zweitgrößten Bühne und die Stimmung auf einem hohen Niveau. Leider verlassen aber auch Dark Funeral vorzeitig das Schlachtfeld und der Song „My Funeral“ wird so zum Requiem für den scheidenden Sänger. Es bleibt abzuwarten wer in die Fußstapfen Caligulas treten wird. Bisher ist noch kein Neuzugang gefunden, aber bewerben darf sich theoretisch jeder.

Ob Martin Van Drunnen von Asphyx diesem Ruf folgen wird, ist dann doch eher zu bezweifeln, denn der Holländer hat mit seinen beiden Bands schon genug um die Ohren. Immerhin muss er nach dem gestrigen Auftritt mit Hail of Bullets heute erneut in den Ring. Aber von Müdigkeit und Kraftlosigkeit ist nichts zu merken, wie ein 20-Jähriger brüllt, growlt und schreit der Ü40er auf der Bühne herum und heizt stets das Publikum an mehr abzugehen. Da ist es nicht verwunderlich, dass man durchgängig das Haupt schütteln kann. Von dem ersten Track „Scorbutics“ an über Perlen wie „Death,… The Brutal Way“ und „Wasteland Of Terror“ bis hin zum finalen „The Rack“ ist man in den Bann gezogen von dieser Ausnahmeband, die wohl zur Zeit zum Besten gehört, was man in Europa an Death Metal findet. Als besonderes Highlight stimmt Van Drunnen mitten im Set ein kleines „Happy Birthday“ mit den Fans an um Bandgründer Bob Bagchus zum Geburtstag zu gratulieren. Sympathischer geht es kaum noch und besser an diesem Tag sowieso nicht, weswegen sich auch unsere kleine Gruppe nach Asphyx auf den Weg in Richtung Heimat macht und froh ist in den nächsten Tagen wieder auf einem richtigen Bett pennen zu können.
Logbucheintrag Ende!


[Adrian]











METALLER GRILLEN  2010



Mit unter anderem:

REDGRIN
IVORY NIGHT
ANGUR
PALACE
MINCING MACHINE
ANTICHRIST
SILHOUETTES OF MURDER
PROJECT-BRAIN-STORM
PLECTOR
ZEROGOD




Katzenbach bei Rockenhausen



Alle Festivals sind überteuert! Alle Festivals sind voller unfreundlicher Securities! Und alle Veranstalter und Bands schotten sich in VIP-Bereichen von den Fans ab!

Alle Festivals? Nein, in dem kleinen Dorf Katzenbach im tiefsten Rheinland-Pfalz leisten einige Metalheads erbitterten Widerstand gegen Kommerzialisierung und Ausbeutung. Das Ganze nennen sie selbst Metaller Grillen und dieses Event zeigt, dass man auch ohne ein prominentes Billing ein tolles Open Air aufziehen kann.


FREITAG:

Das kleine Festival wird von der Band It Must Be Said eröffnet, die leider verpasse weil ich gerade erst auf dem Gelände des Open Air eintreffe, als die Pfälzer auf der Bühne stehen.

Dennoch war es eine gute Entscheidung zuerst das Zelt aufzustellen, denn kaum ist mein Nachtlager errichtet setzt ein heftiger Platzregen rein. Dieser endete zwar bereits schon wieder wenige Minuten nach dem Einsetzen, allerdings sollte es nicht der einzige Schauer bleiben. Immer wieder öffnet an diesem Wochenende der Himmel seine Pforten und versucht den Besuchern die Stimmung zu vermiesen. Allerdings lassen die überwiegend spielfreudigen und sympathischen Interpreten nur selten schlechte Launen aufkommen. Bereits Band Nummer Zwei entpuppt sich als echter Geheimtipp. Zerogod aus Pirmasens prügelt mit einer heißen Mischung aus Schweden Death Metal und Deathgrind alles in Grund und Boden und gibt die Marschrichtung des Festivals vor.

Etwas weniger hart aber umso old-schooliger präsentiert sich anschließend Palace. Nicht nur rein optisch erinnern die Schwermetaller stark an teutonische Acts wie Accept oder Grave Digger, auch musikalisch versprüht ihr Sound den Charme von achtziger Jahre Heavy Metal. Die Aufforderung eines Zuschauers Coverversionen zu spielen lehnt man freundlich aber bestimmt ab. Immerhin haben die älteren Herren mit Songs wie „Rocksoilders“, „Women in Leather“ oder „Machine Revolution“ eigen Kompositionen im Gepäck, die bereits beim ersten Hören funktionieren und mitgesungen werden können.

Zwei bandmäßige Volltreffer in Folge. Der Hattrick ist in greifbarer Nähe, wird dann aber trotzdem knapp verpasst. Denn Ashes of Decay können den Stimmungspegel leider nicht halten. Dafür ist einerseits das Stageacting etwas zu halbherzig (ich habe manche Bands in ihren Proberäumen mehr abgehen sehen) und zum anderen der Anspruch an das Publikum sich zu beteiligen zu hoch (man versucht vergebens auch nur eine Person zum Mitklatschen zu motivieren). Aber auch ihre Lieder beinhalten nicht das größte Hitpotenzial und erinnern etwas an kraftlose Metallica Songs zu Load Zeiten.

Wie man melodisch-technischen Thrash Metal interessant gestaltet, zeigen dann im Anschluss Project-Brain-Storm. Gesanglich erinnert man zwar auch stellenweise an eine Metallica Coverband, aber dafür sind Arrangements und Kompositionen sehr progressiv und kreativ. Ein wahres Fest für Leute, die die etwas thrashigeren Songs von Dream Theater mögen.

Um die musikalische Bandbreite des ersten Tages zu vervollständigen beginnen Nocturnal Silence ihre Show und jagen im Gegensatz zu den Kollegen von Palace direkt zu Beginn einige Fremdkompostionen heraus. Zu den interpretierten Stücken zählen Tracks von Iced Earth und Paradise Lost, welche sich als guter Zugang zu der Musik der Dark Metaller erweisen. Denn im Verlauf gewinnt der Gig ganz schön an Fahrt und immer mehr Metaller positionieren sich vor der Bühne. Zum Dank hierfür wird von der Band eine 5-Liter-Flasche Bier an das Publikum in den ersten Reihen verschenkt wird. Allerdings erweisen sich diese Zuschauer (zu denen auch der Verfasser dieser Zeilen zählt) als wenig kollegial und lassen trotz vorausgeschickter Bitte, doch noch etwas Alkohol in der Flasche zu lassen, nicht mal einen Schluck von dem Gerstensaft übrig.

Dafür belohnt die gierige Menge die Kapelle mit einer lautstarken Forderung eine weitere Eigenkompostion darzubieten anstatt (wie von Frontmann Basti angeboten) ein abschließendes Cover zu spielen. Völlig Zu Recht! Denn ihr Mix aus Doom, Black und kitschfreien Gothic Metal Elementen ist genau die richtige Abwechslung die man nach den bisherigen Abgeh

-Bands gebrauchen kann.

Zum Abschluss darf dann dennoch nochmal richtig abgegangen werden wenn, denn mit Blutgericht schließt eine Truppe den ersten Tag ab, die von vielen Anwesenden heiß erwartet wird. Sänger Konrad beschreibt den Stil seiner Band in der ersten Bandansage als „Krautcore“ (also eine Hardcore-Deathcore Melange mit deutschen Texten). Wieso jedoch grob geschätzte 85 Prozent der Anwesenden vorher und nachher diesen Auftritt so sehr bejubeln bleibt mir allerdings verborgen. Denn mehr als handelsüblichen Metalcore mit deutschen Texten bekommt man auch hier nicht geboten. Aber was weiß ich schon? Schließlich ist mir auch nicht klar warum We Butter The Bread With Butter oder Callejon so dermaßen über den grünen Klee gelobt werden.

Und da die meisten Zuschauer ihren Spaß mit der Kapelle aus Kaiserslautern haben, übe ich mich in Zurückhaltung und verziehe mit stattdessen zu meinem Zelt, um dort die einzige negative Erfahrung des Metaller Grillens zu machen. Am Nachtlager angekommen, muss ich nämlich feststellen, dass nicht nur mein Zelt offensteht, sondern auch in akribischer Weise durchsucht wurde. Genau wie bei einigen anderen Zelten fehlen auch bei mir private Gegenstände. Dabei werden den jeweiligen Besuchern ganz unterschiedliche Sachen geklaut. Dem einen werden seine Kippen geklaut, bei manchen Frauen verschieden BHs und Slips und wieder anderen kommt (wie in meinem Fall) der Fotoapparat abhanden.

Dies ist zwar sehr ärgerlich aber gleichzeitig auch überraschend. Denn auf so einem familiären Open Air (es waren insgesamt vielleicht 300 bis 400 Leute vor Ort) rechnet man mit allem, aber nicht mit einer Diebstahlserie. Bleibt nur zu hoffen, dass diese diebischen Elstern kein allzu negatives Licht auf die gesamte Veranstaltung werfen.

SAMSTAG:
Das Wetter ist besser und es ist wärmer als am Vortag. Es gibt zwar ein paar kurze Schauer, die können allerdings, die gute Stimmung kaum trüben. Durch kleinere Änderungen an der Running Order eröffnen die Pagan Metaller Angur den zweiten Festivaltag. Hier wird zwar das Genre nicht neu erfunden, aber die Jungspunde haben viel Spielfreude und müssen sich auch vor Szenegrößen wie Varg oder Manegarm nicht verstecken. Auch der dezente Einsatz einer Drehleier nimmt nicht zu viel Raum im Auftritt ein und die Texte, die zum Teil vom Nibelungenlied handeln, sind auch sehr ansprechend. Weiter geht es mit einer Band, die auch Maiden-Riffs setzt, aber ansonsten wenig reizvoll ist. So lasse ich auch Sceptor aus und komme erst zu Into Darkness wieder vor die Bühne. Der Beginn des Gigs ist zwar anfangs von einem kleineren Schauer überschattet, aber dieser stört nur minimal. Anstrengender sind dann schon die Kuttenträger, die sich mit jeweils einem Beutel Mehl eingepudert haben. Denn als einer dieser Thrasher die Bühne erklimmt und beginnt zu bangen, steigen die Feinstaubwerte vor Ort sprunghaft an. So sehr, dass dem Frontmann der
Deathgrinder ein Growl im Halse stecken bleibt, weil er nur noch Mehl einatmet. Aber auch diese Unwegsamkeit löst der sympathische Sänger souverän und beweist wie schon den ganzen Gig über Entertainer-Qualitäten. Die Forderung nach einer Wall of Death beispielsweise kommentiert er mit den Worten:" Wall of Death? Wohl eher Wall of Death Breath! Wer von euch hat sich heute die Zähne geputzt?" Einfach klasse! Genauso wie der gesamte Auftritt.
Danach kann man wieder eine Pause einlegen, denn Lamera sind mit ihrem Alternative Metal nicht wirklich spannend, ähnliches gilt auch für den Thrashtanica-Ersatz Chaos Leaving Storm, nur dass diese Jungs Emocore spielen und das auch noch offen zugeben. Ungewöhnlich in der Core Szene!
Danach gibt es zwar auch Core aber Core der härteren Gangart! Raw machen ihrem Namen alle Ehre und zelebrieren ihren rohen, hammerharten Grindcore. Jeder Track wirkt wie ein Schlag in die Fresse und erinnert stark an Bands wie Misery Index.
Im Anschluss kommen Entrox, nicht Entroy wie andere Blätter im Vorfeld behauptet haben. Der Frontmann, der bereits am Vortag mi Project Brain-Storm auf der Bühne stand, weist auch noch mal gesondert auf die korrekte Schreibweise hin und lässt danach die Musik für sich sprechen.
Progressiver Death Metal, der allerdings ohne Cleangesang angenehmer gewesen wäre, schallt für eine gute dreiviertel Stunde aus den Verstärkern.
Dann sind Entroxfertig, aber wir verweilen im Bereich Todesblei, aber bleiben dabei der alten Schule treu. Antichrist aus Alzey prügeln ein sauberes Set durch und krönen es mit dem göttlich Death-Cover "The Philosopher". Einzig das Stageacting wirkt etwas zu entspannt. Man könnte geradezu meinen, dass sich die Jungs von Valium ernähren.
Dagegen wirken Redgrin geradezu energiegeladen, auch wenn die Rheinländer sich auch mehr aufs Musik machen beschränken. Diese jedoch ist grundsolide und ein routinierter Mix aus Death und Thrash Metal. Fügt sich gut ins Gesamtbild ein!

Während des Gigs von Mincing Machine bin ich etwas abgelenkt, weil mir gerade aufgefallen ist, dass mir meine Digital Kamera bei dem gestrigen
Einbruch abhanden gekommen ist. Ärgerlich, auch wenn der Veranstalter Boris mit seiner Thrash Metal Armada auf der Bühne einen heißen Gig abfeiert, kann ich mich aus gegebenem Anlass nicht wirklich daran erfreuen. Vor der Bühne ist es dennoch rappelvoll und die sympathische Frontkutte verteilt eine Flasche Bier nach der anderen an die durstigen Männer und Frauen im Publikum. Die Songs grooven nebenbei auch noch wie Hölle und lassen keine Wünsche offen. Wer nach zwei Tagen nun immer noch nicht bedient ist darf sich bei den Schweden Plector, die Vollbedienung abholen. Ihre Darbietung steht unter dem Motto "Get Drunk or Die Trying!" und die meisten Zuschauer folgen dieser Ansage gerne. Schnell wird dabei die Bühne geentert und zum Spielplatz für Metalheads umfunktioniert. Die Skandinavier scheinen das auch lustig zu finden, zumindest einen Song lang. Dann versucht man nämlich die 'German Fuckers' (wie Plector liebevoll seine anwesenden Fans nennt) wieder in die ersten Reihen zurück zu schicken. Die gehen nur äußerst widerwillig und lallen lieber ungefragt unverständliche Wortfetzen ins Mikro, während man dem Plector-Fronter ansieht, dass er der Saufnase am liebsten in den Allerwertesten treten würde. Aber er bleibt höflich und zieht, als sich die Lage normalisiert, das Set engagiert durch, das man dezent mit Coverversionen garniert hat (besonderes Highlight hierbei ein Song von Entombed!). Nach zwei Zugaben ist dann jedoch wirklich Schluss und die Besucher feiern trotzdem den Held des Festivals weiter. Boris, ein Veranstalter mit viel Herzblut und Leidenschaft, dem man gar nicht oft genug für diese beiden Tage danken kann! Vor allem da jetzt bereits klar ist, dass 2011 auch wieder grillende Metaller die Pfalz unsicher machen werden! Bleibt nur zu hoffen dass das Wetter wenigstens im nächsten Jahr mitspielt.



[Adrian] 
WAY OF DARKNESS V


Stadthalle, Lichtenfels


Mit unter anderem:

POSSESSED
UNLEASHED
NAPALM DEATH
ASPHYX
MASTER
KATAKLYSM
EX DEO
PESTILENCE
ULTRAWURSCHT
DESASTER
FINAL BREATH






Deutschland, Anfang Oktober 2010. Die Open Air Saison ist vorbei und die Hallenfestivals übernehmen wieder die Herrschaft. Als Bindeglied zwischen diesen beiden Abschnitten kann das Way Of Darkness in Lichtenfels betrachtet werden. Denn auch wenn es in einer Halle

stattfindet, verfügt es dennoch über einen Zeltplatz für die Besucher und dauert zwei Tage. Nebenbei bietet es auch noch mit Knallern wie Asphyx, Napalm Death, Master, Kataklysm oder den legendären Possessed ein bärenstarkes Line-up.
Gründe genug um sich das Spektakel persönlich anzuschauen.




FREITAG:

Die Nacht war kurz und eher unbequem. Aufgrund der Dunkelheit und des Nieselregens entschied sich unsere kleine Delegation nämlich dazu, die Nacht im Auto zu verbringen. Eine suboptimale Entscheidung, denn der Parkplatz für die Zweitages-Besucher ist ein Ascheplatz des ansässigen Fußballvereins und das Flutlicht blieb die meiste Zeit über eingeschaltet. Einschlafprobleme waren damit vorprogrammiert.

Nach einer kurzen Morgentoilette und einem kurzen Snack (den obligatorischen Ravioli) machen wir uns auf den Weg in die Halle, in der bereits seit 11:30 Extreme Metal Bands am zocken sind.

Die erste Band, die unsere Aufmerksamkeit erregt sind die Spaß-Grinder Ultrawurscht.

Etwas kauzig und irgendwie liebenswert kommen die Bayern (bzw. Österreicher) rüber, wenn sie in ihren harten Kompositionen immer wieder die liebe Wurst besingen. Andere Attribute fallen mir bei Songs wie „Cheese-Ass Built My Hot Dog“ oder „Here Comes The Wurscht“ zumindest nicht ein.

Die Bühnenshow tendiert mit halloweenartigen Kostümen und Stripteaseeinlagen des Frontmannes irgendwo zwischen Rompeprop und den Kassierern.

Rein musikalisch allerdings wird gemüsefreier Grindcore serviert, der nicht schwer im Magen liegt und Lust auf einen Nachschlag macht.

Dieser wird dann von den Punkurgesteinen Rawside aufgetischt und bekommt mit Sicherheit nicht jedem, da hier die stilistische Toleranz vieler Besucher etwas zu sehr beansprucht wird. Wer allerdings einen Blick riskiert, bekommt einen coolen Mix aus Punk, Metal, Hardcore, Crust und Deutsch Rock geboten. Ein besonders schöner Moment ist übrigens als Sänger Henne seinen zehnjährigen Sohn auf die Bühne holt und dieser zusammen mit der Band den Song „Steh auf!“ abfeuert. Das Metalpublikum gewinnt man aber in erster Linie durch ein wunderbares Terrorizer Cover für sich. Obligatorisch endet der sehr gute Gig mit dem Rawside Evergreen „Faschopack“, womit dann auch jeder Fan sein Spass gehabt haben dürfte.

Das nächste Highlight Milking The Goat Machine entfällt leider wegen eines Staus, der die Goatgrinder an der pünktlichen Ankunft hindert.

Schade, aber viel ärgerlicher ist da das „Krisenmanagement“ der Way of Darkness Crew, die die Zuschauer etwa eine Stunde im Unklaren lässt was nun abgeht. Erst auf Nachfrage am Metal Hammer Stand erfährt man, was los ist und wieso nach einer ungenutzten Stunde, auf einmal Final Breath austreten. Die mangelende Kommunikation über die Absage von MTGM

Ist auch für die Deaththrasher eine ungünstige Situation, denn die enttäuschten Fans der Ziegen verziehen sich prompt aus der Halle als klar ist, was los ist und hinterlassen große Lücken im Publikum.

Dies ist allerdings nur ein Negativbeispiel für den unzureichenden Informationsfluss auf diesem Festival. So ist auch der Print Palace Stand nirgendwo zu finden, an dem man als Frühbucher eigentlich ein T-Shirt seiner Wahl für 10 Euro bekommen sollte. Weiterhelfen kann einem auch niemand und erst auf Nachfrage bei verschiedenen Händlern findet man heraus, dass die Jungs von Print Palace nicht anwesend zu sein scheinen. Ein anderer Besucher wiederum erzählt mir, dass ihm die Crew nicht habe weiterhelfen können, als er einen Sanitäter für seinen Kumpel gesucht habe.

Sowas muss und darf auf einem Festival dieser Größe nicht passieren!

Nach all diesen Ärgernissen zieht es mich erst wieder zu Desaster vor die Bühne. Die Koblenzer lassen jeden Groll aber schnell vergessen und ziehen eine Black Thrash Show vom Feinsten ab.

Die Stimmung ist super und Evildead brauchen nur noch die entsprechende Ernte einzufahren.

Allerdings können die Thrasher trotz Legendenstatus den Pegel nicht ganz halten. Bei keinem unserer kleinen Delegation hinterlassen die Amerikaner bleibenden Eindruck und bereits am nächsten Tag ist man sich nicht mehr sicher ob man überhaupt bei dem Konzert anwesend war.

Das könnte man auch fast vom nächsten Act Pestilence behaupten, aber dazu brennt sich zu sehr das Gefühl der Enttäuschung ins Gedächtnis ein. Die niederländischen Death Metaller langweilen auf ganzer Linie. Zugegeben, ich bin nicht wirklich gut mit dem technischen und sperrigen Material der Combo vertraut, aber dennoch wollen sowohl neuere wie auch ältere Stücke einfach nicht bei mir zünden. Man wartet eigentlich die ganze Zeit, darauf dass etwas passiert, aber im Grunde plätschert der Auftritt nur vor sich hin und man ist froh als es vorbei ist.

Denn nun wird es Zeit für den Headliner des Abends und Kataklysm nehmen das Festival im Sturm!

Die hitverdächtigen Tracks vom Death Metal Meilenstein „In Arms of Devastation“ (unter anderem „Crippled and Broken“, “Let Them Burn“ oder „It Turns To Rust“) werden gnadenlos abgefeiert und lassen jedes Genick knacken. Aber auch ältere Songs wie „Manipulator Of Souls“ und das unzerstörbare „In Shadows and Dust“ lassen die Menge nicht zur Ruhe kommen.

Nach dem Gig gibt es ausnahmsweise auch keine negativen Meinungen und selbst Kritiker des „Northern Hyperblast“ attestieren mir überrascht von der starken Leistung der Kanadier gewesen zu sein. Alles in allem ein perfekter Abschluss für einen allerdings nicht ganz perfekten ersten Tag.


SAMSTAG:
Nach einer langen Nacht, die erst um vier Uhr morgens ein Ende gefunden hat, schaffen wir es nicht uns vor elf Uhr aus dem Zelt zu quälen. Draußen allerdings herrscht schon reges Treiben. Auf dem angrenzenden Fußballplatz haben die ersten Spiele der ortansässigen Mannschaften bereits begonnen und die erste Band Goregonzola spielt auch schon in der Halle. Ein undankbarer Slot, aber irgendjemand muss ihn ja besetzten.

Vor die Bühne zieht es uns allerdings erst als Master (in meinen Augen unpassenderweise um Viertel nach Zwei) loslegen. Eine solch legendäre Band mit dieser frühen und kurzen Spielzeit (man gibt ihnen gerade einmal 30 Minuten Zeit) abzuspeisen findet auch der Wahl-Tscheche Paul Speckmann lachhaft und kommentiert dies, als er gegen Ende erfährt, dass er noch sechs Minuten spielen darf, mit den Worten „Total respect, man!“ und einem bösen Blick Richtung Crew.

Dass diese Bands auch gegen Abend hätte spielen können sieht man an der ungewöhnlich vollen Halle und dem enormen Interesse der Besucher an den Todesblei Urgesteinen.

Auf Empfehlung anderer Besucher schaue ich mir dann auch Inhumate an, die mir bis dato völlig unbekannt sind.

Aber die Franzosen überraschen und ziehen eine Grindcore Show ab, die ihres Gleichen sucht. Ihr Frontmann scheint an ADS oder ähnlichem zu leiden, denn er hüpft und springt über die Bühne als würde er seinem Kaffee löffelweise Speed beifügen. Sein Einsatz geht sogar so weit dass er sich sein Mikrofon mehrmals gegen die Stirn donnert, ungeachtet der Tatsache, dass er sich selbst eine kleine Platzwunde zufügt. Aber was soll man schon sagen? Ist eben Grindcore und dazu gehört halt eine verrückte Show und abgedrehte Songs, die nicht mal versuchen die Zwei- bzw. Ein-Minuten-Marke zu erreichen.

Der Gig wird dann mit einer Massenparty auf der Bühne beendet, die sich kaum durch die Sicherheitskräfte begrenzen lässt. Totale Anarchie!

Etwas gediegener geht es dann wiederum beim Gig von Exumer zur Sache. Die Frankfurter Thrasher hauen ganz schön auf den Putz und lassen Old-School-Metal Herzen mit Klassikern wie „Rising From The Sea“ oder „Possessed By Fire“ höher schlagen. Mit extremem Headbanging und Mosh Pits bedanken sich die Fans bei den Hessen und man sieht auch der Band an dass sie auch nach 25 Jahren noch Feuer im Arsch haben.

Noch weiter in die Vergangenheit zurück (zumindest thematisch) gehen dann Ex Deo und erteilen den WOD-Besuchern eine Lehrstunde in römischer Mythologie. Maurizio, der bereits am Vortag mit Kataklysm begeistern konnte, streift sich seinen Dark-Funeral-Gedächtnis-Panzer über und erfreut seine Fans mit Nummern wie „Romulus“ oder „13th Legion“. Leider kommt hierbei ziemlich viel Hintergrundmusik vom Band und trotz des guten Einsatzes des Kanadiers und seiner Mitstreiter erreicht man nie den selben Stimmungslevel, den Kataklysm geschafft haben. Dennoch eine unterhaltsame Darbietung.

Weniger unterhaltsam ist erfahrungsgemäß die Show von Darkened Nocturn Slaughtercult, weswegen sich erst wieder der Auftritt von At War als reizvoll erweist.

Mit dem Schaffen der Amerikaner war ich zwar bisher auch noch nicht vertraut, aber ihr Thrash Metal mit dem namensgebenen Kriegsthema macht mächtig Spaß. Auch wenn er im direkten Vergleich nicht einer Liga mit Bands wie Exumer oder Desaster spielen kann.

Mit der nächsten Band erreichen wir allerdings in die Metal Champions Leauge und freuen uns über den Auftritt, der wohl besten Death Metal Combo Hollands. Asphyx müssen nicht vorgestellt werden und man weiß bereits vorher, dass nun der inoffizielle Headliner des Tages kommt.

„Death… The Brutal Way“, „MS Bismark“ oder das doomige „The Rack“ sind Hymnen, die gnadenlos abgefeiert werden. Und auch Martin van Drunnen erweist sich einmal mehr als eloquenter und witziger Moderator. Was kann man also mehr zu einem Auftritt der Niederländer sagen außer: Muss man gesehen haben?

Dieser Satz trifft im Folgenden übrigens auch auf die Schweden von Unleashed zu. Die Mitbegründer der Viking Metal Bewegung gewinnen wohl jeden Preis, wenn es darum geht das Publikum zum mitmachen zu animieren. „Hammer Bataillon Unleashed“, „This Our World Now“ und natürlich „Death Metal Victory“ sind allerdings auch Ohrwürmer, die man noch selbst mit 3 Promille mitsingen kann und nutzen sich auch beim mehrmaligen Anschauen der Wikinger nicht ab. Johnny Hedlund lässt sich zwar etwas zu exzessiv feiern und kann wohl nicht genug davon bekommen, dass man seine Lieder mitgrölt, aber eine Legende wie er hat sich das auch irgendwo verdient.

Bleiben wir beim Thema „Legenden“. Als nächstes besteigen Napalm Death die Bühne und erstaunen mit der Tatsache, dass sie selbst bei unfreundlichen Temperaturen um die 12°C immernoch in kurzen Hosen rumlaufen.

Das jedoch jemand wie Barney Greenway frieren würde, ist bei einer so agilen Performance allerdings zu anzuzweifeln. Wie gewohnt dreht die Frontsau total durch und man fragt sich wieso er bei so viel Bewegung nicht viel dünner ist. Den Fans sind solche Überlegungen allerdings egal und vor der Bühne geht bei Songs wie „When it’s all said and done“ oder „Scum“ so richtig die Post ab.

Genauso wenig wie der kürzeste Track der Welt „You Suffer“, dürfen bei einem Napalm Death Konzert auch politische Ansagen nicht fehlen. Wie auch schon auf dem Winterfire in Gießen philosophiert Barney über den Sinn von Religion und wie sehr er Folter hasst. Das ist zwar ganz nett, aber er rennt ohnehin offene Türen ein, denn ein Napalm Death Fan, hat meist sowieso eine ähnliche Auffassung von Gesellschaft und Politik wie der beleibte Brite. Dennoch ein guter, wenn auch nicht überragender Gig. Eben Napalm Death wie man sie gewohnt ist.

Gewohnt sind die Band, die nun auftritt und den Headliner stellt, allerdings die Wenigsten. Denn Possessed sind eine Band, die nicht an jeder Steckdose spielen. Da sind die Erwartungen natürlich hoch und man bekommt schon ein wenig Ehrfurcht vor Jeff Becerra, der sich trotz seiner Querschnittslähmung auf eine Bühne begibt. Allerdings kommt leider die meiste Zeit über keine brodelnde Stimmung auf. Der Auftritt ist zwar nicht wirklich schlecht und der Sound ist auch sehr gut, aber erst gegen Ende wird es mit legendären Tracks wie „The Heretic“ und vor allem „Death Metal“ erst richtig aufregend. Leider sind dies aber auch schon die letzten Lieder und ohne Zugabe geht so nicht nur der Gig der Florida Metaller zu Ende, auch das Way of Darkness V schließt damit seine Pforten.

Da bleibt abschließend nur noch zu hoffen, dass die Veranstalter sich für die sechste Auflage im nächsten Jahr mehr ins Zeug legen, um die beschriebenen Kritikpunkte zu beseitigen, damit der Festivalspass endlich ungetrübt genossen werden kann.



[Adrian]