Interviews

"Gutes Bier und nette Leute"
 

Zugegeben, im Rest von Europa gilt Italien nicht gerade als Hochburg des Old-School Death Metal. Aber auch auf der stiefelförmigen Halbinsel existieren Underground Bands, die den alten Zeiten huldigen. Eine dieser Gruppen ist Profanal aus Livorno. Mit bisher zwei Demos und einer Split haben sie eindeutig unter Beweis gestellt, dass sie Europas Todesblei Szene aufrütteln können. Mit einer weiteren Split, die auf den Namen „United In Death“ hört, bereichern sie die Szene um eine weitere Vinyl-Perle. Frontfrau Rosy und Basser Daniele haben sich anlässlich des Releases ein wenig Zeit für unsere Fragen genommen.



 
Wie hat alles angefangen? Wer hat Profanal gegründet?

Rosy: Die Band wurde von Kristian, Burchi (Anmerkung: beide Gitarre) und mir gegründet. Wir waren bereits befreundet und haben Nächte damit verbracht zu trinken und in der Kneipe über Musik zu reden. Irgendwie wurde dann Profanal aus dem Alkohol heraus geboren.

Wundern sich die Leute, dass du als Frau Sängerin der Band bist, Rosy? Was für Reaktionen bekommt ihr? 

Rosy: Vielleicht gibt es hin und wieder mal ein paar Leute die sich darüber wundern, aber eigentlich gab es immer nur positive Reaktionen. Die meisten Leute allerdings interessiert es nicht, ob da eine Frau oder ein Mann singt, ihnen geht es nur darum wie gut unsere Musik ist. Und ich finde auch dass das die wichtigste ist.   

Was sind eure musikalischen Einflüsse und was sind euere Lieblingsbands?

Rosy: Wir werden natürlich stark vom schwedischen Death Metal beeinflusst, aber generell zählt auch Death Metal aus anderen Teilen Europas und Amerikas zu unseren Inspirationsquellen. Jeder von uns hat darüber hinaus auch noch eigene Einflüsse. Zu Bands, die wir alle hören, zählen zum Beispiel Entombed, Dismember, Nihilist, Grave, Autopsy, God Macabre und viele andere.

Daniele: Ja, wir lieben „Old Skull Death Metal“ in allen Facetten, besonders den Schwedischen und Finnischen. Persönlich mag ich alles Mögliche an Old-School Metal, von Heavy über Thrash bis hin zu Black Metal. Aber nur aus der Zeit vor 1990, Ha-Ha.

Ich denke es nicht alltäglich, dass man als kleine Todesblei-Band im regelmäßigen Kontakt mit ausländischen Bands (wie Obscure Infinity oder Funeral Whore) steht. Außerdem bin ich beeindruckt, dass ihr es auf euch nehmt hunderte Kilometer quer durch Europa zu fahren, nur um einen Auftritt wie letztes Jahr in Koblenz mit Obscure Infinity zu spielen, und das obwohl ihr keine große Band mit einem finanzstarken Label im Rücken seid. Wie kam diese Freundschaft zwischen euch und Obscure Infinity und Funeral Whore zu Stande? Und was macht es für euch wert so weite Wege auf sich zu nehmen um kleine Gigs zu spielen?  

Rosy: Unsere Bruderschaften zwischen Obscure Infinity und Funeral Whore begannen durch den Austausch von Demos. Wir haben sie auf Myspace gefunden und wir blieben via Email in Kontakt mit diesen verrückten Typen bis wir 2009 Obscure Infinity einluden in Italien mit uns aufzutreten. Danach fragten uns Funeral Whore nach einem gemeinsamen Gig in Holland gegen Ende desselben Jahres.  Es ist großartig mit diesen Bands sowohl die Bühne als auch eine Freundschaft zu teilen!! Vielleicht war es vor zehn oder mehr Jahren noch ungewöhnlich, aber inzwischen ist es über das Internet einfach mit ausländischen Bands Kontakt aufzunehmen und es ist toll andere Bands zu finden bzw. zu entdecken, die dieselben Interessen und Ansichten über Musik und das Leben haben wie man selbst.



Wenn ihr die Zuschauer vergleicht in den Ländern, wo ihr bisher aufgetreten seid, welches Publikum ist das enthusiastischste? 

Rosy: Wir lieben die deutschen Zuschauer! Sie sind absolut die Besten!! In anderen Ländern sind die Leute meist etwas unterkühlt und nicht so verrückt wie das deutsche Publikum. Gutes Bier und Nette Menschen!

Daniele: Die deutsche Metal Kultur unterscheidet sich sehr stark von der Italienischen. Wahrscheinlich ist es das Land mit der besten Metal Szene in Europa!

Wie würdet ihr euren neuen Song (“Torment Of Saturn”) von der bald erscheinen 7‘‘-Split mit Obscure Infinity beschreiben? Und um was geht es in dem Song?  

Rosy:”Torment of Saturn”  ist einer unserer Lieblingssongs. Er klingt einerseits sehr düster und gleichzeitig auch sehr kraftvoll. Eine Kraft, die aus dem tiefsten Inneren kommt. Die Lyrics sind sehr hermetisch (Anmerkung: Ich glaube gemeint ist „häretisch“), esoterisch und handeln von Leiden. Wir sind froh, dass wir diesen Track auf einer gemeinsamen Split mit Obscure Infinity unterbringen können.   

Was sind eure Pläne für die nahe Zukunft?

Rosy: Wir schreiben gerade neues Material und unsere nächste Veröffentlichung  wird ein vollständiges Album sein.  

Seid ihr interessiert an Politik? Und wenn ja, habt ihr eine Meinung zu den Skandalen von Berlusconi?

Rosy: Wir ziehen es vor nicht über solchen Scheiß zu diskutieren.

Gibt es eine große Death Metal Szene in Italien?

Rosy: Sie ist nicht so groß, aber eine Untergrund-Bewegung existiert. Old School Death Metal im Norden und Brutal-Death Metal eher in der Mitte und im Süden Italiens. Die „große Szene“ beschäftigt sich vielmehr mit der der Musik, die gerade in der Mode ist und weniger mit dem wahrem Death Metal.

Gibt es italienische Extreme Metal Bands, die Ihr uns empfehlen könnt?

Rosy: Ja klar! Da hätten wir Voids of Vomit, Sickening, Necro, Imposer, Sepulchral, Blasphemophagher und viele weitere sehr, sehr gute extreme Bands aus Italien!

[Adrian]










 "Authentische Musik ohne Effekthascherei"



Obscure Infinity aus dem Westerwald sind bei Todtgeburt ein gern gesehener Gast und hinterließen bisher mit starken Liveauftritten und zwei sehr guten Platten einen äußerst positiven Eindruck. Da versteht es sich eigentlich von selbst, dass das erste Interview, was hiermit in unserem kleinem, familiären Online-Magazin erscheint, dieser ausgesprochen sympathischen und ambitionierten Death Metal Band gehört.
Deswegen habe ich mit Chef-Gitarrist Stefan umgehend Kontakt aufgenommen und ihn um eine Audienz ersucht.



Hallo Adrian! Cool, dass du dir die Zeit für ein kleines Interview mit uns nimmst!

Hi Stefan! Die Freude ist ganz auf meiner Seite. Zu meiner ersten Frage. Euer Albumdebüt "Dawn of Winter" ist ja nun endlich erschienen. Dabei 
sollte es ja schon Seit längerer Zeit draußen sein. Wie kam es zu 
dieser Verzögerung?

Ja, die Aufnahmen zu diesem Album glichen einer Odyssee. Eigentlich wollten wir das Album ja wie das Demo in den Klangkerker Studios mit Nils von Weird Fate aufnehmen. Aber leider hatte er zu diesem Zeitpunkt einen vollen Terminkalender und wir mussten nach Ersatz suchen. Wir dachten dann auch, einen Ersatz gefunden zu haben. Aber naja, ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, weil ich keine dreckige Wäsche waschen möchte. Nur soviel:  Das Album war bereits ein erstes Mal komplett aufgenommen. Leider mussten wir feststellen, dass wir mit dem Ergebnis der Aufnahmen überhaupt nicht zufrieden waren. Uns war schnell klar, dass wir es in dieser Form nicht veröffentlichen wollen. Zu unserem Glück konnten wir es dann doch noch arrangieren, das Album in den Klangkerker Studios aufzunehmen. Darüber sind wir auch sehr froh, denn Nils hat einfach Ahnung davon, wie man extremen Metal aufnimmt. Und so wussten wir, dass das Ergebnis wirklich gut wird. Aber natürlich hat dieses ganze hin und her zu massiven Verzögerungen geführt. 

Das Album ist ja passenderweise (wenn man von der Namensähnlichkeit ausgeht) bei dem Undergroundlabel "Obscure Domain" erschienen. Wie entstand diese Kooperation? 

Sie orderten damals unsere Demo und sie waren wirklich davon begeistert. Also fragte ich sie, ob sie nicht Interesse hätten, ein Album mit uns herauszubringen. Sie sagten zu und wir machten uns an die Arbeit. Wir sind wirklich froh, bei Obscure Domain unter Vertrag zu sein, denn Sönke und Hacker sind zwei echt coole Kerle, die Death Metal mit voller Hingabe leben. Es geht ihnen nicht um Verkaufszahlen sondern um Qualität. Da könnte sich manches Label mal ‘ne Scheibe von abschneiden. Mir wurde mal von einem Labeltypen, dessen Name ich nicht erwähnen möchte, gesagt, wir sollen doch lieber Black oder Pagan Metal spielen. Das würde sich besser verkaufen. Mit solch einem Trottel wechsle ich jedenfalls kein Wort mehr.

Obscure Infinity spielt ja verhältnismäßig oft live und kann bereits auch 
Auftritte im Ausland verbuchen, was für eine Band eurer Größenordnung nun nicht selbstverständlich ist. Wie kommt es zu dieser internationalen 
Zusammenarbeit?

Naja, das mit den Liveauftritten ist relativ. Wir würden gerne viel öfter live spielen. Ich denke, das mit den Auftritten ist ein positiver Nebeneffekt der Undergroundattitüde der Old School Death Metal Bands untereinander. Wir haben mit vielen Bands aus unterschiedlichen Ländern Kontakt und so kommt es halt auch mal dazu, dass man sich gegenseitig zu Konzerten einlädt. So werden wir am 16. Oktober zusammen mit Funeral Whore (Holland), Bodyfarm (ebenfalls Holland) und Diabolical Imperium (Deutschland) den Jam Club in Koblenz unsicher machen. 

Bleiben wir bei euren Live-Auftritten. Gibt es Auftritte, die euch bzw. dir 
besonders positiv oder negativ in Erinnerung geblieben sind? Und was war der zuschauerreichste Gig, den ihr bisher gespielt habt?

Ich denke, unser coolster Auftritt war in Italien zusammen mit unseren engen Freunden von Profanal. Wir hatten zwar einen nicht so guten Tag erwischt und haben ehrlich gesagt ziemlich schlecht gespielt, aber die Leute dort waren so unglaublich euphorisch und freundlich, dass mir dieser Auftritt in sehr guter Erinnerung geblieben ist. Ich bin immer noch von der warmherzigen Art der Italiener begeistert. Ich denke, der Gig in Italien war auch der mit den meisten Zuschauern. Beschwören will ich das aber nicht.

Ich möchte nun auf euren musikalischen Stil zu sprechen kommen. Denn es fällt auf dass ihr einen sehr individuellen Stil habt und man euch nur schwer einer 
Hauptinspirationsquelle zu ordnen kann. Deswegen würde ich gerne 
wissen, welche Bands euch am meisten beeinflusst haben.

Mich beeinflussen am meisten die Death Metal Bands aus den späten Achtzigern und frühen Neunzigern. Bands wie Unleashed, Death, Entombed, Dismember, Grave, Nirvana 2002, Grotesque, Dissection, Master, Morbid Angel, Autopsy, Morgoth, Pungent Stench, Disharmonic Orchestra, frühe Amorphis, Benediction und Bolt Thrower sind sehr wichtige Einflüsse für mich. Hinzu kommen Bands wie Sodom, Bathory, Celtic Frost, etc. Und ganz wichtig: Scorpions, Iron Maiden, Rainbow, uralte Genesis und viele mehr. Ich könnte an dieser Stelle Tausende von Bands aufzählen, aber das würde den Rahmen sprengen. 

Eine andere Sache, die auffällt wenn man sich das Booklet von "Dawn of 
Winter" anschaut, ist die Tatsache, dass du quasi 
fast alles selbst (Musik wie auch Lyrics) für dieses Album beigesteuert hast. 
War dies von Anfang so geplant oder hat sich diese "Arbeitsteilung" 
erst im Verlauf der Albumentstehung so entwickelt? 

So läuft es bei uns schon seit dem Beginn. Anfänglich war das sicher nicht so geplant, aber es hat sich einfach so ergeben. Die Band wurde ja von Jules und mir gegründet, dann kam Kalle und Oli dazu und seitdem die Konstellation so ist, mache ich halt die Musik für die Band. Flo, unser anderer Gitarrist, kam ja erst nach den Aufnahmen des Demos dazu. Bisher lief das ganz gut so. In der Zukunft wird sich Jules mehr für die Texte verantwortlich zeigen, was ich sehr gut finde, denn er ist ein viel besserer Textverfasser als ich. 

Nun, da jetzt das erste Album erschienen ist, stellt sich natürlich jetzt 
die Frage: Was plant ihr als Nächstes? Was habt ihr denn  2010 und 2011 noch so vor? Und welches großes Ziel würdet ihr gerne mit der Band auf lange Sicht 
erreichen? 

Wir haben da keine konkreten Vorstellungen. Wir hoffen, dass wir in Zukunft noch ein paar gute Lieder schreiben werden. Das ist das wichtigste für uns. Und natürlich gute und viele Liveauftritte absolvieren. Aber ansonsten malen wir uns nix Konkretes aus. Wir machen Musik nicht, weil wir denken, wir würden berühmt oder so was in der Art. Dann sollte man besser keinen Old School Death Metal spielen, haha.  
Wir haben vor, Ende des Jahres neue Stücke für eine Splitveröffentlichung mit Profanal aufzunehmen. Gegen Ende des nächsten Jahres planen wir, selbst ein kleines Hallenfestival mit Undergroundbands zu veranstalten. Da ist aber noch nichts spruchreif. 

 
Abschließend würde ich gerne noch wissen, wie ihr die Death Metal Szene in Deutschland und speziell die Szene in eurer Heimat (dem Westerwald) bewertet? Gibt es eurer 
Meinung nach mehr oder eher weniger ernstzunehmende Bands als noch vor ein paar Jahren? Denn viele junge Fans scheinen sich ja lieber dem "angesagten" Deathcore als dem ursprünglichen  Death Metal zu zuwenden.


Das stimmt. Traditioneller Death Metal ist nicht mehr so sehr angesagt. Gerade die jüngeren Metalhörer stehen eher auf modernen Death Metal oder auf Sachen wie Metal- oder Deathcore. Aber es war nie unser Ziel, Musik zu machen, welche auf maximale Akzeptanz stößt. Wir stehen für authentische Musik ohne Effekthascherei und ohne Trendanbiederungen. Diese Attitüde kann man mögen oder es auch sein lassen. Letztendlich machen wir aber die Musik, die uns am meisten berührt. 
Die Death Metal Szene in Deutschland. Nun, ich denke, es gibt überall gute Bands, die sich im Underground verstecken. Die Bekanntheit einer Band ist ja nicht unbedingt ein Indikator für Qualität. Natürlich spielen die meisten Bands eher moderneren Death Metal, aber es gibt immer noch genügend Bands, die sich eher auf die Wurzeln dieser Stilrichtung besinnen. 
Gerade im Westerwald sieht es im Death Metal Bereich eher mager aus. Im Black Metal Bereich dagegen gibt es wirklich gute Bands wie Weird Fate, Chaos Invocation und natürlich die aus dem nahen Limburg stammenden Membaris. Gerade in dieser Hinsicht hat sich also einiges getan in den letzten Jahren.

Vielen Dank für das Interview!

Wir danken dir für das Interview und das Interesse an Obscure Infinity! Es war mir ein Vergnügen, deine Fragen zu beantworten! 

Das hört man doch gerne! Ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft und empfehle jedem Metalhead diese Band unbedingt einmal anzutesten!

[Adrian]