Live Reviews


The Grim Scary Death Fest 2011

Steinbruchtheater, Mühltal

Macabre
Birdflesh
Rompeprop
Facebreaker
Mucupurulent
Sardaukar

Der Steinbruch in Mühltal bei Darmstadt ist eine Bastion für Death Metal und Grindcore. Da verwundert es kaum, dass die Europa Tour von Macabre und Rompeprop auch hier halt macht. Typisch für den Steinbruch sind auch wieder einige Vorbands dabei, die aufgrund mangelender Individualität keiner großen Erwähnung bedürfen. Sardaukar hat nicht nur einen bekloppten Bandnamen (ist ja fast so schlimm wie Surm Armastus!), sondern klingen auch noch unglaublich kacke. Mucupurulent, die im Anschluss spielen gehören ja quasi zum Inventar der Location und sind kleine Lokalhelden, die aber abseits von Reihe eins und zwei keinen Schwanz interessieren.
Facebreaker
Da ist der erste richtige Höhepunkt des Abends die Elchtodkapelle Facebreaker. Diese zocken im Stile von Dismember und Grave heftigen Old School Death Metal und animieren auch Zuschauer, die den skandinavischen Fünfer bisher nicht gekannt haben. So hat auch Sänger Roberth sichtlich Spaß und interagiert munter mit dem Publikum. Sie machten sogar schnell vergessen, dass die nordischen Grinder General Surgery dem Tour-Tross leider absagen mussten. In jedem Fall sind Facebreaker eine gute Abwechslung zum restlichen Grindcore-Programm.  Beide Dauem hoch!
Über die nun folgende Band gibt leider etwas Konfusion. Es bleiben noch Birdflesh, Rompeprop und Macabre. Aber wer kommt nun? Okay, Macabre geben der Tour den Namen, die spielen am Ende. Birdflesh sind kein echter Co-Headliner (zumindest in meinen Augen sind sie nur Grindcore-Regionalliga) und Rompeprop eine echte Hausnummer in der europäischen Extremisten Szene.
Demnach erwartet man nun Birdflesh auf der Bühne.  Aber falsch gedacht!
Macabre
So wird das erneute Betreten der Halle zu einem bösen Erwachen. Rompeprop spielen schon und zwar eine klasse Show mit vielen Hits. Wenigstens bekomme ich noch ein paar Songs mit. Dennoch ist der holländische Spuk leider zu schnell vorbei. Das ärgert auch andere, die wie ich den Gig verpasst haben. Zu allem Überfluss sind die Schnapsdrosseln von Birdflesh (als ihr Gig dann wirklich beginnt) auch noch so besoffen, dass ihr Besuch in Südhessen nur drei Songs währt. Danke schön! Von gleich zwei Bands nur Bruchteile mitbekommen. Da kann man ja gleich heimgehen! Nein, nicht ganz! Denn nun kommen die kanadischen Murder Metaller Macabre! Die sind zwar nicht jedermanns Sache und so reichen die Meinungen von „Scheiße“ bis „Großartig!“ Aber kann in jedem Fall nicht abstreiten, dass die Nordamerikaner ihren ganzen eigenen Stil haben. Gefrickel, Kinderliedgedudel und Blasts – alles vereint in einer wahnsinnigen Melange zusammengemixt, aber es funktioniert. Die Fans der Band kommen auf ihre Kosten (zumindest wenn man beim Sound Abstriche macht)! Verstärkt werden die drei Mounties durch Komparsen wie beispielweise  einen „Zodiac-Killer“ oder einem „Albert Fish“, die bei ihren jeweiligen Songs das Publikum unterhalten.  Aber am besten kommen natürlich die Tracks über die deutschen Mörder an. Vielleicht ist es dabei etwas anstößig einen Schwerverbrecher wie Fritz Haarmann abzufeiern, aber der Refrain („Mit dem Hackebeilchen, mit dem Hackebeilchen, macht er Leberwurst aus dir!“) ist wirklich catchy. Den Schlusspunkt des Sets bildet dann logischerweise auch wieder ein Deutscher. Peter Kürten wird als „Vampire Of Düsseldorf“ erneut ein musikalisches Denkmal gesetzt und versöhnt so ziemlich alle Zuschauer des Abends. Denn auch wenn es einige Höhepunkte gab, blieb das Grind Fest hinter den Erwartungen.

[Adrian]






















Only Death Is Real


Jam Club, Koblenz


Burning Hatred
Obscure Infinity
Decision To Hate
Eraserhead


Obscure Infinity? Jam Club? Wenn ihr nun ein Déjà-vu habt ist das nur wenig verwunderlich. Der Koblenzer Jam Club kann schon fast als Wohnzimmer der Westerwälder betrachtet werden. Ist das schlimm? Ganz im Gegenteil! So wie auch der 1 FC Köln vor heimischer Kulisse die beste Leistung abrufen kann, sind die Gigs von Obscure Infinity im Jam Club stets ein Highlight.
Decision To Hate
Den Anfang an diesem Tag machen aber die Limburger Gäste Eraserhead, die heute geschlossen als blutiges Chirurgenteam auf die Bühne steigen. Optisch erinnert das Ganze an General Surgery oder  Hemorrhage. Musikalisch,  hingegen,  kommt einem aber eher die alte Schule Floridas in den Sinn. Besondere Erwähnung verdient auch das Duett zwischen Sänger Steven und Membaris Vokalist Alex und die Tatsache, dass die Mittelhessen gnadenlos überzogen haben. Nicht falsch verstehen, Eraserhead sind eine super Band, aber man sollte aus Respekt gegenüber den noch folgenden Bands nicht einfach 20 bis 30 Minuten an den eigenen Gig dranhängen. Denn das sollte (wie später zu sehen sein wird) noch zu Problemen führen.
Im direkten Anschluss folgen die Siegener Todesbleigießer von Decision To Hate. Sie klingen im Gegensatz zu den Limburgern eher nach Elchtod und ziehen eine saubere und astreine Show durch. Auch der Stacheldraht-umwickelte Mikrophonständer ist ein echter Blickfang. Jedoch muss ehrlicherweise gesagt werden, dass auch dieser Gig  mit einer knappen Stunde etwas überambitioniert war (denkt auch mal hier irgendjemand an den Headliner?). Vielen Zuschauern vergeht daher schon vor dem offiziellen Ende die Lust auf die NRWler, da der Sound nicht wirklich durch Variabilität glänzen kann. Zeit für eine Frischluftpause.
Obscure Infinity
Danach kommt aber mit Obscure Infinity (muss man diese Band an dieser Stelle eigentlich noch weiter vorstellen?) der erwartete Höhepunkt des Abends. Persönlich sehe ich die Westerwälder inzwischen schon zum sechsten oder siebten Mal und habe noch immer tierisch Bock auf die Jungs. Die Setlist wartet heute sogar mit ein paar neuen Songs auf. So macht zum Beispiel „Absurd Existence“  den Anfang und weckt gleichzeitig Vorfreude auf die kommende Split mit Funeral Whore. Noch aktueller wird es mit einem bisher namenlosen Song, den der alkoholisierte Fronter Jules als „Illusion-Delusion“ ankündigt (zumindest kommt das bei mir an). Daneben funktionieren auch bekannte Stücke wie „Sacrificial Ritual“ oder „Transmitting Life To Death“. Selbstverständlich hauen auch die Coverversionen von Death („Evil Dead“) und Unleashed („To Asgard We Ride“) wie immer gut rein und werden fleißig mitgesungen. Gekrönt wird der Auftritt mit dem quasi Klassiker „Maniac Destroyer“. Fazit: Super Stimmung, volle Bude, klasse Soli und eine Stimmungskanone am Mikro. Wie immer alles richtig gemacht und sogar im zeitlichen Rahmen geblieben!
So voll und stimmungsgeladen bleibt der Jam Club aber leider nicht den ganzen Abend. Schon kurz nachdem „eine der besten deutschen Old School Death Metal Combos“ (O-Ton Götz Kühnemund) eingepackt hat, werden die Reihen lichter. Schade für die Holländer von Burning Hatred, die sich ganz schön abrackern müssen, um die kleine Menge vor der Bühne noch mal anzufeuern. Dabei ist ihr an Deicide  angelehnter Brutal Death Metal eigentlich ganz angenehm anzuhören und weist einiges an Potential auf. Dummerweise ist zu allem Überfluss auch noch die Spielzeit mehr als begrenzt (grob geschätzt vielleicht eine halbe Stunde), da der verspätete Beginn und die Wetten-Dass-würdigen Überziehungen ihren Tribut fordern. Wirklich bedauernswert, aber das umgekehrte Bild habe ich auch schon bei so manchem Obscure Infinity Gig im Ausland beobachten können (vgl. Live Review Nemesis VI).
Heimspiele sind wohl tatsächlich leichter zu gewinnen als Auswärtsduelle (was auch übrigens die 1-3 Auswärtspleite und der damit verbundene Abstieg der Frankfurter Eintracht am Konzerttag deutlich gezeigt hat).

[Adrian]



Und hier eine kleine Live Impression vom "Only Death Is Real" (Obscure Infinity - "To Asgard We Fly")

















Entombed - On Tour

Turock, Essen

Entombed
Laid In Ashes
Harasai

Es ist doch wirklich traurig, oder? Wieso finden die geilsten Konzerte an  Werktagen statt? Nun gut, dem einen oder anderen Studenten mögen Wochentage herzlich egal sein, aber versucht sonst mal jemanden zu finden, der bereit ist an einem Donnerstag 180 Kilometer (allein der Hinweg)zurückzulegen und auch noch selbst zu fahren. Das ist selbst (oder insbesondere) in der „verrückten“ und „spontanen“ Metal Szene ein Problem.  Konzerte und Saufen – Ja! Aber nur am Wochenende und dann auch bitte nur in einem Aktionsradius von höchstens 20 Kilometern.  Und wenn es mal über diese Distanz hinausgeht, nehmen die meisten dies nur für außergewöhnliche Garagenbands aus irgendwelchen ehemaligen Sowjetrepubliken auf sich, die poppigen Selbstmord Black Metal vorjammern.  Wahre Helden des Extreme Metals scheint kein Schwein mehr sehen zu wollen. Wirklich keiner? Nein, ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Denn zum Glück gibt es im ‚Inner Circle‘ des Todtgeburt Magazins noch echte Kerle, die eine Band wie Entombed zu würdigen wissen und tatsächlich in das verschlafene Essen juckeln.  Dabei lässt sich der besagte Kreis auch nicht von apokalyptischen Hagelstürmen oder monsunartigen Regenfällen auf der A3 beeindrucken und erreicht das Ruhrpottstädtchen sogar pünktlich.
Vor Ort machen sich die beiden Hessen von Todtgeburt aber erst einmal mit den einheimischen Bräuchen vertraut. Aha, man darf im Club rauchen, muss aber einem „Raucherclub“ beitreten und kurzzeitiges Verlassen der Halle ist auch erst ab 21 Uhr gestattet. Na ja, andere (Bundes)Länder, andere Sitten.

Harasai
Etwas verspätet beginnen kurzdrauf Harasai und zeigen was der lokale Nachwuchs 25 Jahre nach der Ruhrpott Thrash Metal Explosion so zu bieten hat. Würde man nur mit einem Ohr hinhören könnte man die Mucke für das böse Genre halten, das mit „M“ anfängt und mit „etalcore“ aufhört. Aber schon nach kurzem entpuppt sich der Lärm dieser U23 als waschechte Göteborghuldigung. Viel Dark Tranquility, viel In Flames und einige heftige Growls (besonders bei neueren Songs) machen die Langhaartruppe gar nicht mal so uninteressant. Natürlich wird hier der Metal nicht neuerfunden (damit wandern Fünf Euro in das Phrasen-Schwein), allerdings sind die Jungspunde engagiert und verausgaben sich, obwohl um kurz vor acht nur wenige Zuschauer vor der Bühne stehen.
Danach wird erst einmal umgebaut und die Todtgeburten genehmigen sich ein Bier und eine Zigarette im oberen Bereichs des Clubs (nach draußen darf man ja um 20:30 noch nicht).
Zurück in die Halle gelockt werden sie dann etwas später von Lokalhelden Laid In Ashes. Die gibt es schon etwa zehn Jahre und man bestreitet den ersten Auftritt seit Oktober. Um auszurechnen wie viele Monate das sind, benötigt die Band zwar die Hilfe von einem Haufen Mathelegasthenikern aus Reihe eins (man kommt bei der Berechnung auf grob neun Monate), aber schon Momente später lässt man statt analytischer Defizite lieber die musikalische Qualität für sich sprechen. Die Schoße scheint vielen Zuschauern zu gefallen. Denn bereits jetzt ist das Turock schon fast so voll wie kurze Zeit später bei der Schwedenbande. Warum dies so ist, hängt wohl mit der lokalen Verbundenheit der auftretenden Musiker zusammen. Ständig teilt der Sänger irgendwelche Seitenhiebe gegen seine „hässlichen“ Mitmusiker aus und informiert sich bei den anwesenden Fußballfans über den aktuellen Spielstand im Bundesliga-Relegationsspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem Vfl Bochum. Da unbekannt ist welcher Mannschaft Laid in Ashes die Daumen halten, ist leider auch nicht zu erörtern, ob die Combo der späte Treffer der Gladbacher gefreut oder geärgert hat.
Musikalisch war der Auftritt solide und ambitioniert (allerdings muss dazu gesagt werden, dass „Solide“ und „Ambitioniert“ die kleinen Brüder von „Langweilig“ und „Uninspiriert“ sind).
Eine nette Mischung aus melodischem Death Metal im Stile von At The Gates und handelsüblichen Thrash Metal. Nicht mehr aber auch nicht weniger.
Dann heißt es mal wieder warten, aber diesmal geht es nur kurz eine rauchen. Denn der Todtgeburt-Manitu möchte seine skandinavischen Helden aus Reihe uno begutachten. Andern geht es ähnlich und schnell wird das Turock noch etwas voller als zuvor und erreicht fast das Prädikat „ausverkauft“.
Entombed
Aber wie die meisten Headliner lassen sich auch Entombed Zeit und brauchen eine gefühlte Ewigkeit um die Bühne zu entern. Aber als die Death’n’Roller endlich anfangen gibt es kein Halten mehr! LG hampelt wie ein Kind mit ADHS über die Bühne und verhindert so unbewusst dass man mittels einer Handykamera Bilder von ihm machen kann. Vielleicht auch ganz gut so, denn Herrn Petrov ist der Metal-Lifestyle anzusehen und auch seine Kondition ist leicht angegriffen. Es wird viel gejapst und der nordische Naseninhalt (zum Leidwesen der nahestehenden Todtgeburtmannschaft) auf der Bühne verteilt. Pfui! Anders ist da Alex Hellid, der ruhig und cool seine krassen Riffs runter zockt. Dabei wird er unterstützt von einem Bausatz aus Effektgeräten, der an eine Zeitmaschine aus den 80ern Jahren erinnert. Das sieht nicht nur gut aus, Hellid weiß auch wie man wie damit großartige Songs à la „Eye for an I“ oder „Crawl“ gebührend abfeiert. Insgesamt ist die Setlist eine perfekte Mischung aus alten Klassikern wie „Living Dead“ oder „Left Hand Path“  und recht neuen Tracks wie „Serpent Saints“. Na ja, fast perfekt. Leider vermisst man Meilensteine wie „But Life Goes On“ oder „To Ride, Shoot Straight and Speak the Truth“, aber diese Lieder sind ja (unverständlicherweise) ohnehin  kein fester Bestandteil eines normalen Entombed Gigs. Aber wie dem auch sei, Entombed haben einen so starken Backkatalog, dass man auch nach einer knappen Stunde Spielzeit noch genug Hits im petto hat um die Fans zu entzücken. Unter anderem bekommt man im Zugabeblock den Leckerbissen „Wolverine Blues“  serviert. So will auch nach Ende des Gigs kaum ein Fan die fünf Schweden gehen lassen, die sich aber als sehr umgänglich erweisen. Fanfreundlich wird jeder, der den Kontakt sucht, persönlich verabschiedet. Einige Glückliche in der ersten Reihe bekommen von LG sogar noch ein Bier. Unter anderem auch ein überglücklicher Todtgeburt-Reporter, der allerdings eine Woche später nicht weiß, ob seine plötzlich aufgetretene Bronchitis am Ende von dem Bier des krankaussehenden Sängers herrührt. Klar ist allerdings, dass der Ausflug nach Essen einer der Höhepunkte des Jahres 2011 war!


[Adrian]





















Bullsblood Benefiz Rock

Mehrzweckhalle, Wiebelsbach

Disbelief
Concept Insomnia
Dead Eyed Sleeper
Shit For Brains
Ichor
Pentarium

Disbelief
Ohne jetzt Wiebelsbach im Odenwald zu nahe treten zu wollen: Es ist schon interessant, dass der Metal selbst bis in die tiefste Provinz vordringen kann. Besonders angenehm ist daran nämlich, dass wenn man mit dem Auto anreist, immer noch einen akzeptablen Parkplatz bekommt und die Veranstaltung relativ günstig zu besuchen ist. Denn mit neun Euro bekommt man heute eine größere Band der Szene (wenn man Disbelief so beschreiben möchte) und ein stattliches Vorprogramm geboten (immerhin fünf Vorbands). Allerdings dient der Abend, wie der Name schon sagt, auch einem guten Zweck, da ein Teil der Einnahmen (keine Ahnung wie viel genau) dem Dunkelziffer e. V. zu Gute kommt und man mit diesem Konzert das Andenken an den kürzlich verstorbenen Patrick M. ehrt (leider weiß ich auch nicht genau wer das ist, aber ich gehe davon aus, dass es sich um einen engen Freund der Veranstalter handelt – Zugegeben meine Recherchearbeit war auch schon mal besser).
Dass dieser Abend von Disbelief gänzlich überschattet wird merkt man übrigens gewaltig, denn ich bin nicht der einzige der sich vornämlich außerhalb der Halle aufhält während sich drinnen die Vorgruppen abrackern.
Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass eine Band wie ICHOR mit ihrem modernen Tech-Death Metal und Deathcore Mix nicht wirklich dazu animiert vor die Bühne zu stürmen. Ähnlich verhält es sich auch mit der folgenden Band SHIT FOR BRAINS. Diese können auch eher weniger begeistern. Zuviel Slipknot, Stone Sour und Machine Head Akzente und zu wenig harte Passagen. Die Growls sind hier lediglich als Randnotiz zu vermerken. Zusätzlich überzeugt der Text zum Song „Broken Now“ nicht gerade mit Kreativität, wenn man bedenkt, dass sich der Frontmann mehrmals, über gefühlte zwei Minuten, mit ein und demselben Satz ( „In Every Second, In Every Hour“) heiser schreit, nach dem er diesen schon etliche Male zuvor mit klarem Gesang in diesem Song verwendet wurde . Über PENTARIUM lässt sich sogar noch weniger sagen, da ich sie entweder gänzlich verpasst habe oder ihren Auftritt nur beiläufig wahrgenommen habe. Ich meine mich zwar zu erinnern, dass ich eine saftlose Power Metal Band vernommen habe, allerdings ist dann nur wenig Positives bei mir hängen geblieben. (Anmerkung von Lukas: bei der Band geht es mir genau wie dir, ich kann mich an nichts erinnern, dass ich mit dieser in Verbindung bringen würde, laut Bandliste sollen die wohl einen Mix aus Metal und Death Metal spielen)
Erst DEAD EYED SLEEPER feuern mit einer wilden Brutal Death Metal Raserei die erste gute Show des Abends ab. Ihr Artwork und Schriftzug, den man sich vornehmlich am Merch-Stand auf Shirts und CDs bewundern kann, sind lediglich etwas unpassend und würden bestenfalls auf eine Melo-Death Band schließen lassen. Die Musik für sich allein genommen jedoch weiß zu überzeugen und stimmt das Publikum auf den Headliner des Abends ein.
Dummerweise muss man sich mit CONCEPT INSOMNIA noch eine weitere grausige Vorgruppe antun, deren Metalcore Gejaule den geneigten Death Metal Fan wieder postwendend vor die Halle treibt. Die Enttäuschung trifft einen hier gleich zweimal, denn die Band selbst klassifiziert ihre Musik auf Myspace eigentlich als eine Mischung aus Progressiv- und Thrash Metal, so dass man mit einer ganz falschen Erwartungshaltung an diesen Auftritt heran geht.
Disbelief
Anschließend bekommen die Zuschauer dann aber endlich das, wofür sie bezahlt haben. Hessischen Groove Death Metal! DISBELIEF entern endlich die Bühne und starten mit „A Place To Hide“, „Room 309“ und „Sick“ einen unterhaltsamen Abend. Die Riffs der Lokalhelden sind schwer aber dennoch eingängig und veranlassen jeden, der über einen Nacken verfügt, zum bangen. Zu diesem Zeitpunkt ist auch die Halle zum ersten Mal mit einer den Platzverhältnissen entsprechenden Menschenmenge gefüllt und es kommt langsam das herbeigesehnte Konzertfeeling auf.  Im weiteren Verlauf steigert man mit einem neueren Hit wie „When Silence is Broken“ die Wahrscheinlichkeit auf Muskelkater und gönnt den anwesenden Metalheads erst nach „Navigator“ eine kurze Pause. Denn die Südhessen verlassen kurzzeitig die Bühne um sich unter den altbekannten „Zugabe!“ Rufen erneut die Instrumente umzuschnallen. Die Stimmung ist übrigens auch bei den drei Abschlusssongs immer noch super und mit den letzten (passenden) Klängen von „The Last Force: Attack“ verabschiedet man sich in den verdienten Feierabend.
Zum Glück ließ einen der letzte Auftritt, die weitestgehend mittelmäßigen Vorbands vergessen und schickt die zahlende Kundschaft mit einem guten Gefühl Richtung Heimat beziehungsweise Richtung Bierstand um diesen guten Abend gebührend ausklingen zu lassen. Prost!

[Lukas, Adrian]



















Nemesis VI

Frostland Underground, CH-Grenchen

Profanal
Obscure Infinity
Nihilo

Der nächste Eintrag im Tourtagebuch von Obscure Infinity führt uns diesmal in die Schweiz. Damit kann man inzwischen schon fast von einer Europa Tournee reden. Nach Gigs in Italien, den Niederlanden und Deutschland ist die Alpenrepublik bereits das vierte Land, das einen Besuch abgestattet bekommt. Ein ähnlich strammes Programm haben auch die italienischen Deather von Profanal hinter sich, die zuletzt noch in Frankreich unterwegs gewesen sind.  Auch zugegen sind Funeral Whore aus Holland, die allerdings nur als Unterstützer der obengenannten Bands angereist sind. Allein weil sie dafür eine Strecke von 700 Kilometern auf sich genommen haben, muss man sie lobend erwähnen. Dies ist aber keine Seltenheit bei diesen drei befreundeten Truppen. Sowohl Profanal als auch Obscure Infinity haben ähnliche Ausflüge quer durch Mitteleuropa unternommen, um gegenseitigen Gigs beizuwohnen. So einen Zusammenhalt findet man auch nicht alle Tage. Viele Kapellen sprechen zwar oft von „Treue“ und „Verbrüderung“ und lassen den Worten dann nicht viel folgen. Im europäischen Old-School Death Metal Underground jedoch lebt man diese Prinzipien auch und redet nicht nur.
Bei so engagierten Bands stehen die Vorzeichen für einen denkwürdigen Abend gut. Zwar muss man den Club erst finden (von außen weist kein Schild auf eine Location hin) und  sich daran gewöhnen, dass sowohl  “Konzertsaal“ als auch Backstage Bereich etwas kleiner sind als in anderen Venues. Aufgrund der eher mäßigen Promotion (die Flyer wurden erst wenige Tage vor dem Auftritt fertig) ist aber ohnehin anzuzweifeln, dass man vor einer riesigen Menge spielen wird.
Nun aber zum eigentlichen Geschehen. Den Startschuss des Abends geben die Lokalmatadore Nihilo. 24 Gäste (acht davon gehören zu den anderen Bands und deren Anhang) füllen das Räumchen schon ganz gut aus, wovon sich einige Individuen sogar zum bangen hinreißen lassen. Anderen Zuschauern fehlt es bei den Helvetiern allerdings nach eigenen Aussagen etwas an Power. Dabei haben besonders Todesbleinummern wie „A World Apart“ oder „Once Upon A Time On A Frozen Lake“ richtig viel Hitpotenzial und erinnern an eine Mischung aus etwas älteren Kataklysm und Florida Death Metal. Als besonders lustig erweist sich das gespielte Tetris-These-Cover, was an dieser Stelle nicht verheimlicht werden soll.
Als zweites entern Obscure Infinity die Bühne und spielen, na ja, eigentlich nur noch vor Funeral Whore, Profanal, den mitgebrachten Supportern und ein paar neugierigen Schweizern, die sich aber fast geschlossen an der Theke festhalten (Banausen!). Wer jetzt aber  denkt, dass die Stimmung im Keller ist, irrt sich gewaltig. Der Gig wird zu einer Abrissparty und das zweite Gesangs-Mikro wird zum öffentlichen Eigentum erklärt, was vor allem Roy (der Frontmann von Funeral Whore), die Jungs von Profanal und der Verfasser dieser Zeilen ausgiebig zum mitsingen nutzen. Gründe zum allgemeinen mitträllern gibt es ja auch einige. Neben den Gassenhauern vom aktuellen Album „Dawn Of Winter“ regen auch die Coverversionen „Evil Dead“ (Death) und „To Asgard We Fly“ (Unleashed) zur Publikumsbeteiligung an. Des Weiteren muss man sich der man sich der Frage widmen, ob Death Metal auch romantisch sein kann. Die Antwort kann man mit einem deutlichen „Ja“ beantworten. Denn zu „Sign Of The Nightsky“ hat Sänger Jules Profanal-Grunzerin Rosy auf die Bühne geholt und growlt mit ihr zusammen sehr gefühlvoll das Lied von der gemeinsamen Split-Single.  Für den richtigen Schuss Erotik sorgt übrigens Drummer Oli, der nur mit einer Unterhose bekleidet, die Schießbude bedient.  Sexy!
Mit „Maniac Destroyer“, das noch mal gnadenlos abgefeiert wird, endet dann auch ein wie immer bärenstarker Auftritt der Westerwälder.
Die Akkus sind zwar fast leer, aber Profanal zu verpassen wäre unverzeihlich. Allein schon, dass  Obscure Infinity und ihre Supporter den Anfang nicht mitbekommen ist irgendwie peinlich, da Profanal bei „Torment Of Saturn“ ihre deutschen Freunde grüßen, von denen zu diesem Zeitpunkt aber noch keiner vor der Bühne steht. Im weiteren Verlauf steht aber einer zünftigen Death Metal Gaudi nichts mehr im Weg, die ähnlich verläuft wie kurz zuvor bei den Rheinland-Pfälzern. Denn mit „You’ll Never See“ (Grave) und „Mourning“ (Nirvana2002) haben auch die Italiener sehr geile Neuinterpretationen im Gepäck. Allerdings sind auch die eigenen Songs (zum Beispiel „Conquering Cemeteries“ oder „Condemned To Vomiting“) ein hartes Brett, das Sängerin Rosy mit einer gutturalen Inbrunst vorträgt, das andere Extrem-Metal-Vokalistinnen dagegen wie kleine Schulmädchen wirken lässt. Alle Anwesenden legen sich ebenso ins Zeug und verwandeln den Bereich vor der Bühne in ein Schlachtfeld beziehungsweise stürmen diese. Bis zum allerletzten Ausklang der Zugabe ist die Atmosphäre grandios und jeder schweizerische Metaller sollte sich in den Arsch beißen das beste Death Metal Konzert, das Grenchen wohl seit langem gesehen hat, verpasst zu haben. Immerhin ist zumindest auf den harten Kern des europäischen Death Metal Verlass.

[Adrian]










Majesty Metal

Iduna, NL-Drachten

Funeral Whore
Obscure Infinity
Burning Hatred
Lifeless

"Oh nein, nicht schon wieder ein Live Review mit Obscure Infinity!", mag sich der eine oder andere jetzt denken. Aber diesmal sind die Rahmenbedingungen etwas anders. Denn wie bereits vor einigen Monaten im Interview mit der Band erwähnt, spielen die Westerwälder auch gerne mal ins Ausland. Der heutige Auftritt verschlägt den Todesblei Fünfer in das nordholländische Städtchen Drachten. Ein Ort mit uniformierten Wohnhaussiedlungen und orkanartigen Winden (Beispiel gefällig? Geht man zum Rauchen vor die Tür fliegen einem die Haare um die Ohren als sei man Darsteller in einem Hammerfall Clip). Über den Club selbst kann man aber nicht meckern. Ein angenehm großer Konzertsaal (na ja, für Jugendzentrumverhältnisse) und landestypisches Catering (sind süße Salatgurken eigentlich typisch holländisch?), wenn auch sehr steril (Dekoration Fehlanzeige).
Funeral Whore
Da muss man eben die Musik für sich sprechen lassen! Und das tut die erste Kapelle des Abends Funeral Whore dann auch. Die Niederländer sind ja auch keine Todtgeburt-Debütanten mehr. Bereits letztes Jahr in Koblenz überzeugten sie mit einer guten Show die deutschen Zuschauer und kommen auch bei den wie immer etwas unterkühlten niederländischen Zuschauern ganz gut an (zumindest nicken einige mit der Birne, manche Individuen sieht man gar headbangen). Songs wie "Camp Blood" oder "Seal The Crow" (seltsamer Titel, fast so schlimm wie Martin Van Drunnens Lieblingssongtitel in Sachen Bizarrerie "Deny The Goat") bewegen sich zwischen Grave und Dismember und trumpfen dabei mit einer Extraportion Düsterheit auf. Auch wenn die Songstrukturen relativ simpel sind. Während den "Soli" und auch sonst werden die Riffs der Gitarristin mit grade mal einem Finger gespielt. Jedoch würden sich höchstens Prog- und Jazz-Fans daran stören. Im Old-School Death Metal gilt hingegen das Motto weniger ist mehr.


Wer es dann aber doch etwas virtuoser haben möchte, dem sei die nächste Band wärmsten empfohlen. Obscure Infinity versemmeln zwar nach eigenen Angaben jedes Solo (was mir nicht wirklich auffällt), aber erzeugen trotzdem eine tolle Stimmung. Es entsteht sogar ein Moshpit, was in einem Land wie Holland lobend erwähnt werden muss. Das ist aber bei genialen Songs wie „Sacrificial Ritual“ und „Morbid Ways of God“ auch kein Wunder. Es gibt daneben mit „Sign Of The Nightsky“ und „Absurd Existence“ auch zwei neue Tracks, die sich wunderbar in bisherige Setlist einfügen. Ein weiteres Highlight des Auftritts sind die Cover-Versionen "Evil Dead" und der Unleashed-Tribut "To Asgaard We Fly", die mit freundlicher Unterstützung von Funeral Whore Sänger Roy dargeboten wird.

Obscure Infinity
Wie immer ein launiger Auftritt der Fünf Rheinland-Pfälzer.

Im Anschluss daran folgen noch zwei weitere Bands, wovon ich (aber leider auch nur noch teilweise) Burning Hatred mitbekomme. Denn aufgrund der langen Rückfahrt von über vier Stunden ist es nicht mehr drin länger zu bleiben. Die von mir aufgeschnappten Soundfetzen erweisen sich jedoch als sehr solider, grooviger Death Metal, dem man eigentlich mehr Aufmerksamkeit widmen sollte.
Auch zu Lifeless, der letzten Band des Abends hätte ich noch gerne etwas geschrieben, aber vielleicht kann ich das ja noch nachholen, wenn die Niederländer mal der Bundesrepublik einen Besuch abstatten.

[Adrian]













Neckbreaker’s Ball 2011

Batschkapp, Frankfurt

Milking The Goatmachine
Manegarm
Equilibrium
Legion Of The Damned
Kataklysm

Das Jahr ist erst einen Monat alt und nach einer Konzertauszeit für unser kleines Magazin im Januar, beginnt die Rückrunde der Hallensaison mit einem Line-up, das sich sehen lassen kann. Die momentan wohl beliebteste Death Metal Band überhaupt Kataklysm zieht mit den niederländischen Krawallbrüdern Legion Of The Damned  und einem amtlichen Vorprogramm durch die Lande.
Teil dieses Vorprogramms sind auch die hessischen Ziegen von Milking The Goatmachine, die sich zurzeit als besonders tourfreudig zeigen. Immerhin ist das hier bereits das dritte Livereview innerhalb von einem halben Jahr indem die vier Geißlein auftauchen. Eine Überdosis Ziegenmilch kann man aber nur schwer bekommen, denn ihre Shows sind immer ziemlich abwechslungsreich. 
Milking The Goatmachine
So wirft heute eine geheimnisvolle fünfte Ziege mit Konfetti um sich und heizt das Publikum. Leider geht das Publikum allerdings nicht so steil wie die Mittelhessen das gerne hätte. Denn die Forderungen nach Circle Pits verhallen ungehört. Obwohl die Stimmung keinesfalls schlecht ist. Die Halle ist relativ gut gefüllt, dafür dass die erste Band auf der Bühne steht. Und auch das Headbangen der ersten Reihen geht weit über Anstandsapplaus hinaus. Bei Songs wie „Into The Shed“, „Ding Dong Motherfucker“, dem obligatorischen Sacred Reich Cover „Surf Goataragua“  oder auch dem finalen „Bingo Bongo“ fällt das Stillrumstehen auch wirklich schwer.

Månegarm
Als nächstes kommt (zumindest vom Namen her) der Erzfeind der Ziege. Die wölfischen Månegarm aus Schweden legen aber keinen Wert auf Anfeindungen und spielen schwarzen Folk Metal sauber und ohne übertriebenes Pathos. Klischees wie bei anderen Bands des Genres sucht man hier vergebens. Keine Methörner, keine Kettenhemden oder Wikingerschiffe finden sich auf der Bühne, bloß fünf Musiker (von denen einer aussieht wie ein Klon des Dschungelcampers Rainer Langhans) in schwarzen Hemden unterhalten die Frankfurter Zuschauer. Die Mischung aus harten Gitarren und melodischen Geigenklängen ziehen viele Headbanger vor die Bühne und beweisen, dass man trotz des allgemeinen Abebbens in Sachen Pagan Metal noch Leute mit solcher Musik unterhalten kann.
Diesen können jedoch ebenso die bayrischen Equilibrium unter Beweis stellen. Ihr Party Viking Metal
ist besonders bei jüngeren Metallern besonders beliebt und wird nun in einer inzwischen sehr gut gefüllten stürmisch Batschkapp umjubelt. Wie auch bei den anderen Auftritten in der letzten Zeit kommen die Songs von allen drei Studioalben wunderbar an. „Der Ewige Sieg“ fügt sich wunderbar neben „Blut im Auge“  ein, während Klassiker wie „Met“ genauso wie „Unbesiegt“ zur Bewegung anregen. Auch Sänger Robse hat sich inzwischen als feste Macht am Mikro der Starnberger etabliert. Vermisst wird Ex-Sänger Helge scheinbar von keinem mehr.
Weiter im Text geht es mit Legion Of The Damned. Wer jedoch die Niederländer sehen will muss einiges an Geduld mitbringen. Das epische Intro dauert nämlich so übertrieben lange, dass man währenddessen bequem aufs Klo, zur Theke und dazu noch eine rauchen gehen kann. Da stellt sich natürlich die Frage: Lohnt sich die Warterei überhaupt? Wenn man mich fragt: Nein!
Die Band um Fronter Maurice ist zwar äußerst gut aufgelegt und heizt ihren Fans anständig ein. Aber musikalisch klingen alle Songs einfach zu gleich. „Legion Of The Damned“, „Cult Of The Dead“ oder auch „Son Of The Jackal“  verlaufen alle nach dem gleichen Schnittmuster, haben ungefähr die gleiche Geschwindigkeit und einen ähnlichen Rhythmus.  Für Anhänger, die nach genau diesen Trademarks lechzen, ist dieser Umstand natürlich der Himmel auf Erden. Für mich hingegen nur ein willkommener Grund  eine längere Raucherpause einzulegen.
Zurück in der Halle ist nun richtig voll und man muss sich regelrecht durch die Reihen zwängen um zur Toilette oder zur Theke zu gelangen. Das kann nur eines heißen. Kataklysm fangen gleich an!
Die Kanadier können inzwischen auf eine langjährige Karriere zurückblicken und dabei die Worte ihrer Kritiker gelassen hinnehmen. Wer mühelos mittlere Venues füllen kann und dass in einer Zeit, wo Death Metal immer noch ein ziemliches Schattendasein führen muss, kann damit leben dass man ihm kommerzielles Denken vorwirft. Wenn der Northern Hyperblast ruft, folgen die Fans gerne.
Als Dank bekommt man eine mit vielen Bannern und Standarten  oppulent geschmückte Bühne und eine großartige Best-Of Setlist geboten. Mit neueren und älteren Hits wie „Manipulator Of Souls“, „As I Slither“, „Crippled And Broken“ bleiben keine Wünsche offen.  „In Shadows And Dust“ ist aber wie immer das größte Highlight und lässt so manches Höschen feucht werden.
Nach einem amtlichen Zugabenblock mit „To Reign Again“ und  „Like Angels Weeping (The Dark)“ ist dann aber auch schon leider der Spaß wieder vorbei. Frontschwein Maurizio bedankt sich aber noch artig bei seinen Anhängern und hat auch selbst ein großes Lob für eine wie immer super Show verdient. Nur wenige Bands schaffen es konstant so gute Leistungen abzurufen und ihre Zuschauer immer wieder aufs Neue mitzureißen. Diese Leistung verdient Respekt und ist der perfekte Start in die zweite Hälfte der Hallensaison.

[Adrian] 












Merry Axemas 2010

Steinbruchtheater, Mühltal

Zirka
Bösedeath
Clit$plit
Milking The Goatmachine

Milking The Goatmachine

Weihnachten kotzt von Jahr zu Jahr mehr an. Eine Meinung, die jährlich mehr Anhänger findet. Die Gründe sind einfach. Lebkuchen gibt  es schon ab September, Weihnachtswerbespots ab Oktober auf Power-Rotation und "Last Christmas" ab dem 1. Dezember täglich 30-mal im Radio. Ist Weihnachten dann endlich gekommen, hängt einem das ganze Drumherum bereits zum Hals raus. Schön, dass es da Fluchtmöglichkeiten gibt. Das sechste Merry Axemas nahe Darmstadt ist eine davon. Allerdings kämpfen die Organisatoren  mit einigen Widrigkeiten.
Zwei Bands sagen ab und die ganze Running Order kommt durcheinander. Dennoch beginnt der Opener Zirka ganz regulär wenn auch eine knappe Stunde später als angekündigt. Schaut man sich diese Truppe jedoch an, wäre es wohl besser gewesen diese Chaoten zu überspringen. Sie bezeichnen ihren unlustigen Spaß Metall nämlich als 'Titten Metal'. Hallo? Pubertärer geht es wohl nicht? Textfetzen wie "Wir sind brutal" oder "Bück Dich" spotten jedem Kommentar. Jedoch sind die Outfits ganz schön. Zumindest ganz schön beschissen. Mönchskutte und Atze-Schröder-Matte. Nein Danke, da geh ich lieber gleich zu AOK!
Danach kann es eigentlich nur besser werden. Und das wird es dann auch, zumindest teilweise. Die Lokalhelden Bösedeath betreten (früherer als gedacht) mit weißen, ausdruckslosen Masken, die Bühne. Während im  Hintergrund die Stimmen von Beavis und Butt-Head zu hören sind. Das allein wertet den Auftritt schon mal auf. Musikalisch ist der Gig allerdings ein zweischneidiges Schwert. Einerseits machen die Growls  und einige Riff-Ideen eine Menge Spaß. Anderseits hört man eine  unangenehme Nähe zum Deathcore heraus. Pfui! Was durch die furchtbaren Screams vom feisten Fronter Dän noch verstärkt wird. Denn die Schreie klingen mehr nach einem kotzenden Kakadu als einem Extrem Metal  Sänger. Dennoch feiert das anwesende Publikum (vor allem die ersten  Reihen) die Kapelle gnadenlos ab. Aber das hat die erste Reihe auch  bei Zirka getan, also sollte man sich darauf nicht zuviel einbilden. 
Milking The Goatmachine
Allerdings ist ein Aufwärtstrend festzustellen und dieser wird mit Clit$plit auch fortgesetzt. Die Aschaffenburger ziehen eine anständige Grindcore Show ab und erweisen sich als passender Ersatz. Einzig die etwas aufdringlichen Hardcore-Passagen wirken sich störend aus. Niemand braucht heute noch ernsthaft dieses elende Tough-Guy-Gepose. Außerdem hat man mit Blast-Beats und keifendem Gesang genug  Werkzeuge um die Menge zu überzeugen.
Nach einer kurzen Pause, geht die Party aber erst so richtig los. Mit "Erbarmen! Zu spät! Die Hessen kommen!" bekennen sich Milking The Goatmachine zu ihrer Heimat (sie kommen ja immerhin aus Marburg) und entern die Bühne. Die vier Ziegen ziehen wie zu erwarten war die meisten Geißlein vor die Bühne und werfen mal wieder mit Aufblaswaffen um  sich, um dann die musikalische Keule auszupacken.
Es wird gemosht und gebangt, mitgegrölt und rumgehüpft. Denn es ist schwer bei Knallern wie "Milk me up before you go go" oder  "Goatthrower" ruhig stehen zu bleiben. Neue Kracher wie "Ding Dong  Motherfucker" oder "Here comes Uncle Wolf" fügen sich dabei perfekt in  das alte Set ein, das mit "Surf Goataragua" seinen Höhepunkt erlebt!  Auch wenn danach noch ein paar Granaten wie „Bingo Bongo“ folgen. Irgendwann ist dann  aber auch der beste Gig vorbei und die vier Ziegenmasken verziehen sich zurück in ihren Stall! Aber zum Glück sind die Goatgrinder ja sehr tourfreudig und spätestens auf dem Neckbreakers Ball wieder zu bestaunen. Aber von mir aus dürfen sie auch liebend gerne das Axemas 7 headlinen.

[Adrian]













Thrash Fest 2010

Hessenhallen, Gießen

Suicidal Angels
Death Angel
Exodus
Kreator

Gießen Rock City! Vor ein paar Jahren wäre man für diesen Ausspruch noch mitleidig angeschaut oder ausgelacht worden. Inzwischen aber entwickelt sich gerade die Hessenhalle zu einem Anlaufpunkt für Metaller aus den verschiedensten Ecken Mitteleuropas! In erster Linie ist dies den vielseitigen Festivals von Burning Stage zu zuschreiben, die die Messehalle in Beschlag nehmen. Diesmal allerdings schlägt „Rock The Nation“ (Bekannt durch die Paganfest und Heidenfest Touren) seine Zelte in Mittelhessen auf. Da verwundert es allerdings schon dass sich der Veranstalter selbst den Stempel von Burning Stage aufdrücken lässt. Und das auch noch buchstäblich! Denn jeder Besucher bekommt beim Betreten der Halle einen Stempel mit dem Schriftzug vom Konkurrenten verpasst. Seltsam, aber egal. Denn ein Line-up, wie das heutige, verdient sehr viel mehr Aufmerksamkeit als organisatorische Nebensächlichkeiten. 
Suicidal Angels
Die griechischen Suicidal Angels zocken nämlich ein amtliches Thrash Brett runter und beweisen, dass auch junge Prügelknaben die Alte Schule verkörpern können. Im Stile anderer aufstrebender Novizen wie Warbringer, Municipal Waste oder Bonded By Blood zerlegen sie alles was ihnen in den Weg kommt. Der Sound ist überraschend gut (in der Hessenhalle ist das ja nicht an der Tagesordnung) und die Stimmung bewegt sich auf einem guten Niveau. Auch wenn man merkt dass die meisten Leute, nur wegen ihren 80er Jahren Helden hier sind.
Dieses  Triumvirat eröffnen die Bay-Area-Buben Death Angel und machen zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass sie inzwischen auch schon silberne Bandhochzeit feiern dürfen. Sänger Mark ist sehr agil und interagiert lebhaft mit den Fans. Schade nur, dass man recht wenig davon mitbekommt. Denn Lead-Gitarre und Gesang gehen im Soundbrei völlig unter. Da fällt es selbst einem treuen Hörer schwer, die einzelnen Songs auf Anhieb zu erkennen. Um ehrlich zu sein, bleiben mir bei dem Klangwirrwarr nur neuere Hits wie „Thrown To The Wolves“  oder „Buried Alive“ in Erinnerung. Auch wenn ich durch Marks Ansagen weiß, dass auch ältere Stück von zum Beispiel „The Ultra-Violence“ gespielt werden. Zum Glück lässt sich die Band davon aber nicht aus der Bahn werfen und feiert trotzdem eine zünftige Rockshow. Alles in allem machen Musiker und Zuschauer das Beste aus den  schlechten Grundvoraussetzungen. Death Angel ist einfach eine Macht!
Bleiben wir in Amerika und bleiben wir auch weiterhin in den Achtzigern. Denn nun ist es Zeit für Exodus. Für so manchen Anwesenden sind die Thrash-Mitbegründer die eigentlichen Headliner. Auch wenn das letzte Album „Exhibit B: The Human Condition“ eine vertrackte und ungewohnt komplexe Scheibe war, können die Helden von ihrem Legendenstatus zehren. Außerdem hat man mit Rob Dukes, einen Frontbullen, der jeden Kampfhund wie einen Hamster wirken lässt. Aggressiv bellt sich der beleibte Bartträger die Seele aus dem Leib, während sich Lee Altus und Gary Holt, wieder einmal heftige Gitarrenduelle liefern. Auch wenn nicht jeder Song zündet (besonders neuere Lieder sind in diesem Zusammenhang zu nennen), lohnt sich dieser Gig allein schon wegen „Bonded By Blood“ und „Toxic Waltz“. Da steppt nicht nur der Bär! Mähnen werden geschwungen und im Moshpit geht es heiß her. Noch irgendwelche Fragen? Die Amis spielen auch heute noch in der Champions Leauge der Thrash Giganten. Ein kleiner Wehrmutstropfen in puncto Stimmung muss dann aber doch noch angesprochen werden. Denn der Sound ist auch hier nicht wirklich berauschend.  Zum Vergleich: auf dem Summerbreeze 2008 war die Stimmung Dank gutem Sound bei vergleichbarer Leistung um einiges besser.
Kreator
Nach diesem anstrengenden Auftritt, bekommen die Besucher eine etwas längere Umbaupause gegönnt. Kreator fahren mit einer zwei-stufigen Bühne und einer opulenten Videoshow mal wieder einiges auf, so dass sich die ganze Warterei letztendlich auch lohnt. Mit „The Man Who Comes Around“ von Johnny Cash, dem kultverdächtigsten Intro des Jahres, geht’s los. Nacheinander betritt die Altenessener Metal Fraktion die Bühne und legt direkt mit einem absoluten Hammer los. „Violent Revolution“ ertönt und versetzt bereits jetzt die meisten Fans in Ekstase. Der Track wird auf der Leinwand vom dazugehörigen Videoclip bekleidet und erzeugt genau die richtige Stimmung. Seltsamerweise ist der Sound auch nun wieder besser. Zumindest macht es den Anschein. Aber ob die Jungs im Pit überhaupt auf solche Details achten, wage ich zu bezweifeln. Dort herrscht nämlich ein reges und gewalttätiges Treiben und es gibt auch gar keinen Grund so schnell mit dem feiern aufzuhören, denn mit „Hordes Of Chaos“, „Phobia“, „Terrible Certainly“ und „Enemy Of God“ zünden Mille und Co eine Granate nach der anderen. Dem Begeisterungslevel bleibt so kaum etwas anderes übrig als durchgängig auf höchstem Niveau zu verweilen. Schwachpunkte lassen sich daher beim besten Willen nicht ausmachen, abgesehen mal von Milles manchmal etwas zu pathetischen Ansagen (Johnny Hedlund lässt grüßen). Als dann zum Schluss auch noch die „Flag Of Hate“ gehisst wird erreicht die über einstündige Darbietung ihren Höhepunkt und kein Wunsch bleibt unerfüllt (obwohl ich „Impossible Brutality“ etwas im Set vermisst habe). Mille verlässt als Held des Abends die Bühne und hinterlässt eine Horde verschwitzter und erschöpfter Metaller. Allerdings muss mal wieder das Fazit gezogen werden, dass die Bands zwar alles richtig gemacht haben, aber die Soundverhältnisse in der Hessenhalle immer noch nicht die Besten sind. Schade, denn ansonsten hat  sich die hessische Stadt den Titel „Gießen Rock City“ inzwischen mehr als verdient (zumindest was Konzerte angeht, über die Szene reden wir mal lieber nicht)!

[Adrian]









Dorle-Schäfer-Halle, Limburg  

Deathtrip 4




Haertefall
My Decadence
Syranic
Bloodattack
Bloodspot
Cataract


Wie schon mehrfach erwähnt, ist Limburg nicht gerade das metallischste Pflaster. Es gibt zwar einige Konzerte aber selten sind auch mal Bands auf dem jeweiligen Billing, die man auch noch 100 Kilometer weiter  kennt. Der diesjährige Deathtrip überrascht deswegen mit einem Wacken -
erprobten Headliner, der auf den Namen Cataract hört. Aber beginnen wir chronologisch.
Bei eisigen Temperaturen legen in der kleinen Halle die ersten Akteure des Abends los.
Haertefall machen  allerdings ihrem Namen alle Ehre! Ein wirrer Mix aus NDH, Industrial Keyboards, deutschem Sprechgesang und jeder Menge Hardcore Riffs kann getrost als Härtefall bezeichnet werden. Zwar haben einige Melodien gute Ansätze, aber insgesamt entpuppt sich der Sound als überladen und zu unstrukturiert. Quittiert wird dieses Auftreten mit verhaltenen Zuschauerreaktionen.
Als nächstes entern My Decadence  aus Aachen die Bühne und klingen zu Anfang wenig außergewöhnlich. Ihre Melange aus Death- und Metalcore ist relativ standardmäßig, entpuppt sich aber im Verlauf als sehr gefällig. Die Screams und Growls sind ordentlich und die Riffs und Lieder gehen gut ins Ohr. Das finden auch die Anwesenden und es wird merklich voller vor der Bühne. Die Mixtur aus As I Lay Dying Poppigkeit und Neaera’s  Aggressivität scheint in Limburg gut anzukommen.
Und wo wir gerade bei Aggressivität sind, kommen Bloodattack gerade recht. Allein schon der Fronter der Koblenzer sieht aus wie eine Mischung aus         Roger Miret von Agnostic Front und Lutz Vegas von den V8Wankers und ist auch mindestens so agil wie diese beiden. Er springt engagiert auf der Bühne herum und interagiert viel mit den zahlreichen Hardcore-Fans vor der Bühne. Jedoch bieten die Rheinland-Pfälzer trotz groovender Gitarren und einiger netter Thrash-Anleihen nur Weniges, das auch Metaller begeistern kann, die nicht jeden Tag Hatebreed hören. Eine weitere typische Tough-Guy-Band eben, aber alles in allem nichts Besonderes.
Selbiges müsste eigentlich auch für Bloodspot gelten, sollte man meinen. Immerhin spielen sie nicht zum ersten Mal in Limburg. Dennoch entpuppen sich die gerade Lokalhelden als Headliner der meisten Besucher. Es ist rappelvoll und die Stimmung ist am überkochen. Moshpit und Wall Of Death sind selbstverständig auch vorhanden und ein Anzeichen dafür, dass das feierhungrige Jungvolk Gitarrist Howdie und Co. aus der Hand frisst. Mit Songs wie „This Demon“ oder „Consumed By Hatred“ haben sie aber auch leichtes Spiel und zeigen, dass sie inzwischen für größere Aufgaben bereit sind.
Bereit für ein oder zwei weitere Bands ist allerdings nicht mehr jeder und man das merkt man bei Syranic deutlich. Dabei trifft ihr Sound eigentlich den Geschmack des durchschnittlichen Kalkwerkbesuchers. Musikalisch kann man die Westfalen als Mischung aus melodischem Metalcore der Marke Sonic Syndicate und amerikanischen Modern Metal à la Godsmack zusammenfassen. Leider sind aber schon Viele nach Hause gegangen und verpassen so eine gute Show.
Man muss wohl festhalten, dass sechs Bands für so einen Konzertabend einfach zu viel sind.
Denn interessanterweise ist gerade bei der größten und bekanntesten Band des Abends so gut wie nichts mehr los vor der Bühne. Die Hardcore-Metaller Cataract lassen sich trotzdem die Laune nicht verderben und ziehen ihre Show unheimlich professionell durch. Auch wenn nur etwa noch maximal 40 bis 50 Menschen den Raum säumen, gibt Shouter Federico alles und versucht sein Bestes um die verbliebenen Fans zu mobilisieren. Aber eine richtige Killerstimmung kommt trotzaller Bemühungen nicht mehr auf. Die Limburger Metalheads haben keine Reserven mehr und sitzen lieber an der Bühne herum oder bedienen sich am Bierstand. Weswegen die Schweizer auch nach dem letzten regulären Song die Bühne verlassen und auch für keinen weiteren Song zurückkommen.
Ein unwürdiges Ende für einen Abend, der sich zwischenzeitlich durch eine wirklich aktive Menge ausgezeichnet hat. An den Bands und Organisatoren hat es aber in keinem Fall gelegen, dass gegen Ende die Luft irgendwie raus zu sein schien. Vielmehr muss man festhalten, dass der Atem bei den Limburgern für sechs Bands pro Abend nicht ausreicht, was wohl auch wieder einmal beweist, dass diese Stadt (wie bereits eingangs erwähnt) nicht das metallischste Pflaster ist.

[Adrian]











Jam Club, Koblenz

Live Ceremony of Death

Obscure Infinity
Bodyfarm
Funeral Whore
Diabolical Imperium

Auch wenn es vielleicht so aussehen mag, als ob Todtgeburt immer mehr zur offiziellen Pressestelle von Obscure Infinity werden mag, hat dieses weitere Live Review seine Daseinsberechtigung.Denn es erwies sich wieder einmal als sehr gute Entscheidung ein Konzert der Westerwälder Death Metaller zu besuchen. 
Warum das so ist, stellten eben diese als Opener auch direkt unter Beweis. Mit den starken Songs vom aktuellen Album „Dawn Of Winter“ und treuen Unterstützern, die sogar extra aus Italien für dieses Konzert angereist sind, stehen die Vorzeichen auf Sieg. Auch die Show der Todesblei-Formation ist heute sogar noch stärker als sonst. Im Stile von Debauchery sauen sich Sänger Jules und viele Fans aus der ersten Reihe mit Blut ein und für den Refrain von „Everlasting Fire“ wird zur Unterstützung der Eraserhead-Grunzer Steve rekrutiert. Selten ist bei der ersten Band eines Konzerts so viel los vor Bühne wie bei Obscure Infinity. Da bilden die beiden abgefeierten Death-Coversongs „Zombie Ritual“ und „Evil Dead“ die süße Kirche auf der Todesblei Sahnehaube und ich frage mich ernsthaft wieso die Westerwälder bei ihren Gigs sooft die Rolle des Openers einnehmen müssen.
So ist der Acker dann auch bestellt und die Niederländer Bodyfarm brauchen eigentlich nur noch die Ernte einzufahren. Jedoch ist vor der Bühne nun viel weniger los als noch eine Band vorher. Einzig die mitgereisten Kollegen von Funeral Whore sorgen für Stimmung in der ersten Reihe. Wirklich Schade, denn mit Todesblei-Granaten wie „Final Redemption“ oder „Slaves Of War“ von der neuen EP haben sie starkes Material im Gepäck. Trotzdem begeistert viele das Obituary-Cover „The Redneck Stomp“ am meisten.
Auch bei der folgenden Band steht der Auftritt  unter dem Motto: „Dutch metal rules tonight!“
Nach Bodyfarm entert nun die zweite holländische Todesbleikapelle die Bühne. Die Rede ist von Funeral Whore aus Beverwijk, die neben den kahl geschorenen Köpfen, die an diesem Abend das eindeutige Merkmal für die niederländische Fraktion zu sein scheint, auch eine der wenigen Frauen im Death Metal mit an Bord haben. Serviert wird, wie sollte es zu diesem Anlass auch anders sein, Old School Death Metal mit Einflüssen der Marken Grave, Benediction und Unleashed.
Dies wird auch mit dem ersten Song Namens „the Bitch died“ unmissverständlich klar gemacht. Mit viel Druck und einem Spieltempo, das von schnellen harten Passagen zwischenzeitlich zu groovigeren Parts wechselt, machen den Song zu einem gelungenen Einstieg in Ihre Darbietung. Mit dem dritten Song der Liste „Camp Blood“ Packen Funeral Whore ein astreines Swedish Death Metal Brett aus. Wer auf fette Riffs steht und die ganzen Frickeleien à la Deathcore  schon lange nicht mehr ertragen kann wird hier nicht enttäuscht. Zuletzt soll noch der Song „Eternal Genocide“ erwähnt werden, der doch an einigen Stellen an Unleashed erinnert und einem den Gedanken aufdrängt, ob da wohl „Triumpf of Genocide“ als Inspiration gedient hat?
Als krönender Abschluss des Abends, lassen Diabolical Imperium Ihre Songs auf die noch verbliebene Meute los. Bereits während dem Aufbau des Drumkits und einem kleinen Soundchceck, wird der nun deutlich leerer gewordene Veranstaltungsraum von einem seltsamen Geruch erfüllt. Der erste Gedanke der einem in den Sinn kommen mag ist wohl:“ Wer hat die Hippies raus gelassen?!“, doch weit gefehlt, dass ganze hat eher etwas von Kirchenmief. Nach einigen Minuten der Verwunderung, ist die Ursache gefunden. Da verbrennen die doch tatsächlich Weihrauch!! Ob man so was brauch um in Stimmung zu kommen sei mal dahingestellt. Zurück zum Thema: Diabolical Imperium bewegen sich im Bereich des Death und Thrash Metals. Wer die Band nicht kennt, dem sei gesagt, dass der aktuelle Drummer von Ketzer, hier ebenfalls sein Unwesen treibt. Die Songs sind allesamt mit ordentlichem Tempo versehen und zeigen durchaus das spielerische Können der Band. Jedoch lassen sich die ersten Songs nur sehr schwer differenzieren und wirken etwas breiig. Hervorheben sollte man dennoch einige der Songs. Allen voran, dass fünfte Lied, welches Diabolical Imperium zum Besten geben. „Eternal Atmosphere“, lässt bereits vermuten, dass nun ein kleiner Farbwechsel ansteht. Die wohl durchaus gewollte Atmosphäre wird durch das gemäßigte Tempo und melodische Gitarrenklänge unterstützt, doch bevor es langweilig werden sollte, wird auch wieder die Streitaxt ausgepackt und man treibt stampfend vorwärts. So wie Bodyfarm und Obscure Infinity bereits zuvor, lassen es sich auch Diabolic Imperium nicht nehmen, ein Cover zu spielen. So wird mit viel Eifer „Maze of Torment“ von Morbid Angel gezockt, was von den Verbliebenen vor der Bühne gut aufgenommen wird. Die letzen beiden Songs des Imperiums sind zugleich die Kracher des ganzen Auftritts. „Death Metal Attack“ und „Seal of Blasphemy“ hauen noch mal mächtig rein und laden zwangsläufig zum Kopfnicken ein. Speziell „Seal of Blasphemie“ brettert gut nach vorne und zeigt, dass Diabolical Imperium ebenso ins Line-up für diesen Abend passen, wie die vorherigen Bands.
Allerdings kann man nicht abstreiten, dass nach Stimmung und Begeisterungsfaktor die anwesenden Bands in umgekehrter Reihenfolge hätten auftreten sollen.

[Adrian, Lukas]










Nachtleben, Frankfurt

Reaping Death Tour 2010

Watain
Deströyer 666
Otargos

Dienstagabend. Frankfurt,  Konstablerwache. Es ist ein kühler und dunkler Oktoberabend und das Wetter ist von leichten Schauern geprägt. Dennoch bildet sich vor der Tür des Frankfurter Nachtlebens eine beachtliche Schlange bestehend aus schwarzgekleideten Stiefelträgern, die sich mit Watain und Deströyer 666 zwei der momentan beliebtesten Black Metal Acts der Stunde anschauen wollen.
Zuvor feuern aber erst die französischen Düsterheimer von Otargos einige Salve ihres Schwarzmetalls ab. Alles in allem ein guter Auftritt für einen Opener, aber wirklich bahnbrechend Neues wird hierbei nicht präsentiert, weswegen man diesen Auftritt besser für eine kurze Toiletten- bzw. Raucherpause nutzen sollte.
Denn nach einer recht kurzen Umbaupause betritt das australische Wolfsrudel Deströyer 666 die Bühne. Das Quartett sah man zuvor im modern dekorierten Foyer des Nachtlebens behutsam die Instrumente auspacken, wo sie die Blicke einiger recht verwunderten Frankfurter Alltags-Menschen auf sich zogen (wie eigentlich jeder von uns). Brachial (und Dank des kleinen Bühnenraumes besonders lautstark) beginnt das Inferno mit gewohnt kreischenden Gitarren. Schon bald startet ein Feuerwerk aus einigen der größten Werke. Das mit hymnischen Clean-Gesang im Refrain unterlegte ‚The Calling’ ruft dabei die erste große Jubelwelle hervor. Es folgt das epische Intro zu ‚I am the Wargod’, welches durch darauf folgendes Trommelgewitter und dynamischem Riffing keinen mehr still stehen lässt. Kurz darauf ragen die Fäuste in die Luft und jeder Deströyer-Kenner grölt „Fire! Black Fire!“ zu (wie kann es auch anders sein)  ‚Black City, Black Fire’. Aus ‚Unchain the Wolves’ geben die Aussies noch ‚Satan’s Hammer’ zu Gute und stimmen danach zum großen Finale an: Clean-Gitarren, ein langes Intro und jeder weiß, dass nun das Goldstück der ‚Terror Abraxas’ EP folgt: ‚Trialed By Fire’! Kritisch betrachtet mangelte es an der typischen Melodik, die von der Lautstärke und der Kellerbar-Atmosphäre geschluckt wurde. Die Gitarrensoli konnte man nur als Erfahrener Hörer erkennen. Auch Hymnen wie ‚Unchain the Wolves’ und ‚Lone Wolf Winter’ blieben aufgrund der bescheidenen Spielzeit aus und von der aktuellen Scheibe „Defiance“ bekam man leider gar nichts zu hören.  Allerdings waren die hallend raue Stimme von ‚Bestial Warlust’-Veteran „KK Warslut“ und die klaren Hintergrund-Vocals perfekt aufeinander abgestimmt und die ungewohnte Akustik, die sich von den Studioaufnahmen doch stark unterschied, war sogar eine willkommene Abwechslung. Außerdem blieb ein Moshpit aufgrund des Platzmangels leider aus.
Unpassenderweise folgte dieser allerdings bei den Headlinern Watain, was selbst gediegene Fans dazu veranlasste, kopfschüttelnd die erste Reihe zu verlassen. Aber auch von weiter hinten bekommt noch eine Menge von den satanischen Schweden mit. Aus den angesprochenen Platzproblemen fällt die Show diesmal selbstredend etwas spartanischer aus als noch beim Summer-Breeze. Kein Feuer und wenig Dekoration. Dies ist allerdings nicht weiter schlimm, denn die Mannen aus Uppsala können locker ihre Musik für sich sprechen lassen. Sänger Erik Danielsson ist gut bei Stimme und haut mit ‚Sworn To The Dark‘ oder ‚Malfeitor‘, die Songs heraus die, die Zuschauer hören wollen. Als besonderes Bonbon gegen Ende zollt das skandinavische Dreigestirn dann auch Landsmann Quorthon mit dem Bathory-Kracher ‚Sacrifice‘ Tribut, bevor es sich mit ‚On Horns Impaled‘ verabschiedet, ohne wiederzukommen. Denn Zugaben gibt’s leider keine. So gehen viele Fans etwas unzufrieden Richtung Ausgang und fühlen sich mit einer Spielzeit von knapp 45 Minuten etwas über den Tisch gezogen. Zu Recht! Denn bei einem Abendkassen Preis von 20 Euro kann mehr erwarten als knappbemessene Auftrittslängen und ein Zuschauerraum, der an die Zustände in einer Legebatterie erinnert. Beim nächsten Mal sollte bei einem Besuch von Watain mindestens die Batschkapp gebucht werden, liebe Herren Veranstalter.

[Adrian, VVulf]










Celtic Rock Open Air




Burg Greifenstein, Greifenstein



Vogelfrey
Ignis Fatuu
Rawkfist
Cumulo Nimbus
Wolfchant
Haggard




Normalerweise höre ich sehr gerne mittelalterliche Musik, was man auch meinem Review über die Freienfelser Ritterspiele erkennen kann. Allerdings kann man das was man in Greifenstein über weite Teile geboten bekommt selbst mit der größten Begeisterung für historische Märkte nicht gutheißen.
Der Ärger beginnt bereits am Einlass. Ein „Wegezoll“ von 24 Euro (im Vorverkauf immer noch 19 Euro) grenzt mehr an Wegelagerei. Denn das Line-Up kann kaum diesen Preis rechtfertigen.
Maximal Haggard und Wolfchant sind dem Durchschnitts-Folk-Metaller ein Begriff und dafür über 20 Euro bezahlen? Immerhin bekommt man heutzutage an fast jeder Ecke ein ganzes Pagan Festival mit bekannteren Bands für diesen Preis.
Immerhin bleibt zu hoffen, dass vielleicht dafür die „kleineren“ Bands positiv überraschen.
Um eines vorneweg zu nehmen: Dies sollte nicht passieren.
Den Anfang machen aber erst einmal die Mittelalterrocker Vogelfrey und nerven nach kurzer Zeit bereits den Großteil der Marktbesucher. Die ständigen Aufforderungen des Frontmanns mit zu klatschen, mit zu johlen oder näher zu kommen finden nur wenige Anhänger. Stattdessen muss man sich mit aller Kraft selbst zurückhalten, um nicht dem Sänger irgendetwas an den Kopf zu schmeißen. Es gibt viele mittelmäßige Folk Metal Bands, die im Fahrtwasser von In Extremo und co schwimmen, aber Vogelfrey sind wohl die Könige der Identitätslosigkeit. Jedoch muss bei aller Kritik zugegeben werden, dass zumindest die Instrumentalfraktion einen anständigen und fehlerfreien Job abgeliefert. Schade, dass sie mit solch einem durchschnittlichen Vokalisten geschlagen sind.
Nach diesem Langweiler brauche ich ein wenig Abwechslung. Also, schlendere ich über den „Markt“ (sofern man eine Handvoll Buden als einen solchen bezeichnen will) und trinke erst einmal ein Pils. Vom Biergarten aus höre ich Ignis Fatuu und sehe diesmal keinen Grund mich Richtung Bühne zu bewegen. Individualität war wohl ausverkauft, denn es „beglückt“ ein weiterer Mittelalter Rock Act von der Stange das Volk. Da bleib ich doch lieber noch ein Weilchen sitzen und widme mich auch weiterhin meinem (mittelmäßig schmeckenden) Bier.
Erst zur nächsten Band bewege ich mich wieder nach vorne und bin gespannt was man uns anstatt von Svartby, die aufgrund von Visa Problemen absagen mussten, präsentiert.
Rawkfist nennt sich die bayrische Ersatzgruppe und erinnert sehr stark an Leaves Eyes. Die blonde Frontfrau Sabine kleidet, bewegt und singt wie die norwegische Nervensäge Liv Kristine.
Dass das Festival bisher zum heulen ist, findet wohl auch der Himmel und öffnet seine Pforten. Das macht den Gothic Metal von Rawkfist aber auch nicht besser oder schlechter. Immerhin sind sie bisher die beste Band des Open Airs (auch ein trauriger Fakt).
Aber selbst das schlechte Wetter hält den einen oder anderen Zuschauer nicht davon ab (seine vom Alkohol beflügelte) Tanzwut auszuleben. Allerdings scheint die Band nicht nur Liv Kristine Fans zu begeistern auch Black Metaller und Punks werden bei (mehr oder weniger) rhythmischem Gehampel erwischt.
Die Wetterlage verbessert sich jedoch auch nicht zum Beginn von Cumulo Nimbus. Wäre ja auch ironisch, wenn bei einer Band deren Name „Gewitterwolke“ bedeutet, der Himmel aufreißen würde und die Sonne herauskäme.
Aber man verpasst auch nicht wirklich viel wenn man die Renaissance Metaller auslässt. Denn erneut wird die Bühne von einem Imitator in Beschlag genommen. Diesmal steigt der Fremdschämfaktor sogar besonders hoch, da der Sänger sich wohl am Kleiderschrankinhalt von Mozart bedient hat (nicht dem Komponisten sondern dem Frontmann von Umbra et Imago).
Musikalisch wird ein Cocktail aus NDH, Gothic, Mittelalter und Rock serviert, der nicht wirklich weltbewegend ist. Alles hat man irgendwie und irgendwo schon mal gehört und würden nicht direkt im Anschluss Wolfchant spielen, hätte ich bereits jetzt die Heimreise angetreten.
Doch die blutverschmierten Bayern schaffen es mich (genauso wie einen harten Kern von Pagan Fans) vor die Bühne zu ziehen und feuern dafür ein Set ab, das sich aus den Songs ihrer drei bisherigen Alben rekrutiert.
Der eine oder andere Zuschauer wundert sich allerdings dass sich Wolfchant heute ungewöhnlich feierbereit und spaßig darstellen. Songs wie „A Pagan Storm“ oder das Grave Digger Cover „Rebellion“ werden zu Party Hymnen und besonders diese Cover Version bereitet auch Zuschauern, die bisher wenig Kontakt mit Wolfchant hatten sichtlich Freude.
Es ist davon auszugehen, dass sich der Wolfschor auf sein Publikum gut vorbereitet hat und wohl schon geahnt hat, dass man hier und heute eher vor einem bierseligen Mainstream-Mittelalter-Publikum als vor einem Haufen trver Black und Viking Metaller steht.
Demnach haben sie alles richtig gemacht und werden deswegen am Ende des Gigs auch zu Recht gefeiert und vehement, um eine Zugabe erbeten, die leider aber ausfallen muss, da Haggard geschätzte bzw. gefühlte 2 Stunden brauchen, um aufzubauen. Jedoch ist sich unsere kleine Delegation einig, dass man auf die Symphoniker getrost verzichten kann und es nun Zeit ist den Heimweg anzutreten.
Schlechtes Wetter, schlechtes Bier und nur eine wirklich sehenswerte Band! Da hätte man retrospektiv sein Geld wirklich besser anlegen können. Zumindest bin ich nun um die Erfahrung reicher, dass eine gute Band noch lange kein gutes Festival bzw. Konzert garantiert. Ich hoffe, dass auch die Organisatoren inzwischen auch zu dieser Einsicht gekommen sind.



[Adrian] 












Rockbar Florinsmarkt, Koblenz

Trench Hell
Ketzer
Obscure Infinity


Es sind Ferien (für Schüler und Studenten). Die Fußball-Weltmeisterschaft ist auch vorbei. Und Eine Hitzewelle hält Deutschland schon seit einiger Zeit im Griff. Was soll bei diesem Wetter machen? Vielleicht sich beim Faulenzen im Park einen Sonnenbrand zulegen oder auf dem Weg in den Sommerurlaub in einem der vielen Staus stehen? Oder sich im beschaulichen Koblenz ein Konzert des Old-School Hattricks Obscure Infinity, Ketzer und Trench Hell anschauen. Einige Metalfans haben sich für Letzteres entschieden und so kommt es, dass sich bereits vor Beginn sowohl in als auch vor der Rockbar am Florinsmarkt viele Zuschauer eingefunden haben. Den Anfang machen an diesem Abend die Old-School Death Metaler Obscure Infinity.
Wie auch bei ihrem letzten Gig in Koblenz ist die Stimmung sehr gut und auch Zuschauer, die bisher noch nicht so viel Kontakt mit der Band hatten, finden Gefallen an dem Dargebotenen. Die Setlist rekrutiert sich aus Songs von der letzten Demo (das entsprechende Review findet sich in unserem Blog) und aus Liedern vom kommenden Studioalbum "Dawn Of Winter". Als besonderes Highlight spielen sie mit „Evil Dead“ auch ein Cover von den legendären Death, was natürlich Wasser auf den Mühlen der anwesenden Old-School Fans ist.
Allerdings besitzen auch die eigenen Stücke mehr als genug Potenzial, um gebührend abgefeiert zu werden. Da macht es auch nichts aus, dass der Sound in der Kneipe suboptimal und die Lokation eigentlich zu klein für einen solchen Gig ist. Das ambitionierte Gitarrenspiel (das noch höher zu bewerten ist, wenn man bedenkt dass auch der Monitor Sound unterirdisch gewesen sein soll) und ein aktiver Frontmann sorgen dennoch dafür, dass der Auftritt den geneigten Zuschauern viel Spaß bereitet hat.
Das Feld für Ketzer ist bereitet und man ist gespannt, ob die jungen Schwarzdrescher den Erwartungen gerecht werden können, die bei einem gemeinsamen Auftritt von Nachtmystium Frontmann Blake Judd geschürt wurden. Immerhin seien die deutschen Black Thrasher, die beste Vorband die man jemals gehabt habe und wir deutschen Thrash Fans könnten froh sein solche Gruppen zu haben, in Amerika gebe es nur solchen Mist wie Municipal Waste.
Mit soviel Vorschusslorbeeren in der Hinterhand legen die Jungspunde auch dementsprechend hungrig und spielfreudig los, aber dass sich die Rockbar heute nicht in einen kochenden Pit verwandelt, ist wohl zum einem dem heißen Wetter wie auch dem mäßigen Sound geschuldet. Denn in dem Brei aus Instrumenten und Vocals fällt es selbst jemandem, der die Songs vom aktuellen Ketzer Album kennt, schwer herauszuhören welches Stück gerade gespielt wird.
Wohl auch aus diesem Grund flüchtet der eine oder andere Besucher bereits vor dem letzten Akkord ins Freie , um sich etwas zu erholen.
Denn im Anschluss kommen Trench Hell aus Australien und stellen für viele eine echte musikalische Überraschung dar, denn so wie die meisten anderen Zuschauer hatte ich im Vorfeld noch nichts von dieser Band gehört und dachte lange dass Trench Hell lediglich der Name der Veranstaltung sei. Tatsächlich bieten die Aussies aber auch optisch einiges, denn ihr Frontmann könnte mit seinem Look aus Sonnenbrille, Glatze und Nieten glatt als Rob Halford Imitator durchgehen. Stimmlich und instrumental allerdings hat Trench Hell nur wenig mit Judas Priest gemein. Reinrassiger Thrash Metal der alten Schule regiert die Show und lädt zum rhythmischen Kopfnicken ein.
Mehr ist allerdings auch jetzt nicht möglich, denn die Koblenzer Kneipe ist immer noch ziemlich voll und dementsprechend stickig und warm. Schließlich ist man dann auch froh als die Gitarren und Verstärker wieder eingepackt werden und man sich entweder ein kühles Bier genehmigen oder den Heimweg machen kann.
Als Fazit bleibt noch festzuhalten, dass alle Bands eine starke Leistung abgeliefert haben, was man von der Tontechnik nicht behaupten kann. Selbst im schnöden Koblenz gibt es einfach bessere Venues als die (Un)Rockbar!


[Adrian] 










Schlachthof, Wiesbaden

Stone Sour
No Americana

Es ist ein schöner und warmer Junitag in Wiesbaden. Die Sonne scheint heute besonders lang und viele Menschen sitzen in den Biergärten um sich die Vorrundenspiele der Fußballweltmeisterschaft anzuschauen.
Ein gewisser Teil an Musikfans zieht es jedoch vor sich im dunklen Konzertsaal des Schlachthofs einzufinden. Warum?

Die Antwort ist einfach. Die momentane Europatour von Corey Taylor und seinen Kollegen von Stone Sour zieht viele Fans (die zum Teil Strecken von mehr als 400 Kilometer auf sich genommen haben) in die hessische Landeshauptstadt. 
Bevor  aber die in erster Linie kurzhaarigen Mainstreamfans die amerikanischen Stars bewundern dürfen, entern als erstes die selbstbetitelten Nicht-Amerikaner von No Americana die Bühne und langweilen ab dem ersten Takt  mit einem müden Mix aus Pop-Punk, Indie und Emo.
Dass sich der Raum vor der Bühne trotzdem nicht gerade leer präsentiert, hängt wohl eher mit der Tatsache zusammen, dass sich der eine oder andere bereits jetzt einen guten Platz für den Headliner sichern möchte. Denn ist schwer zu glauben, dass sich so viele ernsthaft mit diesem pubertären Punkrock auseinandersetzen wollen.
Ich für meinen Teil nutze den 30-minütigen-Gig des „Special Guest“ (wie die Vorband auf der Eintrittskarte tituliert wird), um vor dem Schlachthof wie so viele andere ein Bier zu trinken, eine Zigarette zu genießen und ein wenig mit Ex-Eisregen Geigerin Theresa zu plaudern, die in ihrer Rolle als Roadrunner Records Mitarbeiterin die Interviews für Stone Sour koordiniert.
Nach einer weiteren halben Stunde Umbaupause, betreten dann Stone Sour unter tosendem Jubel endlich die Bühne. Publikumsfavorit ist natürlich der Slipknot-Fronter Corey Taylor, der sichtlich gut gelaunt und heiter aufgelegt ist. Er kommuniziert und interagiert sehr viel mit dem Publikum. Was von so manchem Fan sogar kritisch gesehen wird.
„Die Hälfte des Auftritts besteht ja nur aus Gequatsche!“, lässt mich mein Nebenan wissen und ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. Allerdings wäre im umgekehrten Fall wohl auch gemeckert worden. Hier passt wieder das alte Sprichwort: „Wie man’s macht, man macht’s verkehrt!“
Aber abgesehen von solchen kleinen Kritikpunkten überzeugen die Modern Metaller aus den Staaten auf ganzer Linie. Sowohl schnelle Lieder wie „Reborn“ oder „Get Inside“ als auch ruhige Songs wie „Through Glass“ zünden beim Publikum und werden sowohl leidenschaftlich mitgesungen als auch begeistert abgefeiert.
Ein Konzert von dem man sich wünscht, dass es nie enden möge. Doch ironischerweise kommt das Ende schneller als gedacht. Bereits nach 60 Minuten verlässt die Band das erste Mal die Bühne und kommt natürlich umgehend unter Zugabe-Rufen wieder zurück.
„Noch zwei Songs!“, gibt Taylor zu Protokoll und muss dabei gegen den massiven Widerstand der Fan-Meute ankämpfen, denn die haben sich scheinbar auf mehr als nur zwei weitere Tracks gefreut.
Zu ändern ist daran aber trotzdem aller Unzufriedenheit  nichts.
„Hell & Consequences“ und „30 – 30 – 150“ bleiben die letzten beiden Songs des Abends und werden vielleicht gerade deswegen nochmal richtig zu abgehen genutzt.
Es ist gerade 22:15 als die Roadies beginnen die Bühne abzubauen und die Pausenmusik ertönt und so ganz überraschend ist die relativ kurze Spielzeit von knapp 70 Minuten dann auch wieder nicht.
Denn inzwischen kennt man das Spiel ja von anderen amerikanischen Bands.
Scheinbar gibt es in den USA Gesetze die eine längere Spielzeit verbieten und darüber hinaus Merchandiser dazu verpflichten ihre Preise auf Apotheken Niveau zu heben, denn 30 Euro für ein T-Shirt und 10 Euro für ein einfaches Schweißband  grenzen in meinen Augen an Straßenraub.
Aber selbst diese  schlechten Angewohnheiten aus Übersee können den Gesamteindruck dann doch nicht ruinieren.
Stone Sour haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie auch nach so vielen Gigs und Touren immer noch Spaß daran haben auf der Bühne zu stehen und mit ihren Fans zu feiern.
Ein wichtiger Aspekt der heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich ist.

[Adrian]











An der Burgruine, Weinbach

18. Freienfelser Ritterspiele

Des Teufels Lockvögel
Poeta Magica
Duivelspack
u. a.

Seien wir mal ehrlich: im Kreis Limburg-Weilburg geht nicht viel ab wenn es um Metal-Konzerte geht. Abgesehen von den Death- und Hardcoreszene  werden selten anständige Konzerte mit überregional-bekannten Bands organisiert. Da ist man als Metalhead umso glücklicher wenn wenigstens etwas Artverwandtes in die Nähe kommt und mit artverwandt meine ich in diesem Fall mittelalterliche Musik.
So pilgert man auch dieses Jahr  an einem oder mehreren Tagen nach Freienfels bei Weilburg, um sich dem interessanten Marktgeschehen hinzugeben, ein paar Methörner zu entleeren oder dem in der Walpurgisnacht stattfindenden Konzerten beizuwohnen.
Als ich vor der Bühne ankam, spielte bereits die erste Band namens Duivelspack. Drei Männer (scheinbar in den 30ern) mit kurzen Haaren und Akustikinstrumenten bewaffnet bevölkerten die Bühne und boten mehr oder weniger humorvolle Mittelaltermusik dar.
Das Wort „weniger“ bezieht sich hier sowohl auf „humorvoll“ als auch auf „Mittelalter“, denn wenn der Hauptbestandteil der Vorstellung eine recht moderne Akustikgitarre ist, wird das auch nicht von der lautesten Laute der Welt herausgerissen.
Herausfordernd wurde dann auch noch in einer ihrer Lyriken besungen, dass jeder Depp heutzutage meine, er könne Dudelsack spielen. Nun ja, so kann man auch das Fehlen eben dieses inzwischen recht beliebten Instruments im eigenen Ensemble begründen.
Aber als hätte man den Fremdschämfaktor nicht schon genug in den Bereich der Stratosphäre getrieben, maßen sich die drei Spielmänner, die humoristisch wohl von 7-Tage-7-Köpfe erzogen wurden , nun auch noch an Seitenhiebe gegen Saltatio Mortis zu verteilen, welche im Gegensatz zu diesen drein wenigstens in der Lage sind Stimmung zu machen.
Jedoch war der Duivel nach gefühlten 3 Stunden ausgetrieben und Poeta Magica bauten auf.
Diese Kapelle versteht es dem Volk ein wahrhaftes Spektakel zu bieten. Viele verschiedene Instrumente wurden dazu aufgefahren. Von der Sackpfeife bis zur Zither war alles vertreten, was benötigt wird um die europäische Folklore von Spanien bis zum Nordkap repräsentieren.
Es wurde merklich voller und die angeheizte Stimmung verleitete einige Bürger und Frauenzimmer zum Tanz. Des Weiteren bot der Wechsel aus kräftigem Männergesang und lieblichen Frauen Vocals angenehme Abwechslung und rundete den insgesamt sehr guten Gig ab.
Im Anschluss daran landeten Des Teufels Lockvögel in Freienfels und trotz des suboptimalen Wetters, das von einigen Schauern gezeichnet war, fanden sich nun die meisten Zuschauer ein um den Spielleuten zu lauschen.
Die beiden Bayern und ihre Bajuwarin hatten das Publikum von Anfang an im Griff. Ihre angegothten Stücke fanden breite Zustimmung und wurden mit reger Teilnahme an Mitklatsch- und Mitsingpassagen belohnt. 
Als besonderes Highlight darf das Gestöhne der holden Vokalistin La Fey auf der Bühne bei „Tempus Est Iocundum“ erwähnt werden. Diese Pornofilm-Synchronisation dürfte wohl auch dazu beigetragen haben, dass das Lied, nach Angaben von Frontmann Marcus van Langen,  trotz des lateinischen Textes für Kinder Ohren nicht geeignet sei.
Aber auch jugendfreie Songs wie „die schwarze Kunst“ oder das Ougenweide-Cover hielten den Stimmungspegel und machten es notwendig, dass man zwei Zugaben geben musste (wovon die Zweite dem verdutzen Gesicht des Merchandisers nach ungeplant war).
Nach der Nachspielzeit, ertönte dann aber doch der endgültige Schlusspfiff auf Haupt- und Nebenbühne (deren Geschehen aufgrund zeitlicher Überschneidungen hier nicht komplett bewertet werden kann) und die meisten Besucher machten sich in ihren eisernen Kutschen auf den Heimweg.
Alles in allem war es ein guter Konzertabend dieses Jahr in Freienfels. Auch wenn nicht jede Kapelle ein Feuerwerk der Begeisterung entfachte, rechtfertigte die schöne Kulisse und die nette Atmosphäre auf dem Markt und vor der Bühne die Fahrt in die Weilburger Provinz.

[Adrian]








Steinbruchtheater, Mühltal bei Darmstadt

A
Declaration of Hate Tour 2010

Dark Funeral
Zonaria
Nefarium
Carach Angren

Es ist eine schwarze Woche für Hessen. Zumindest musikalisch gesehen. Erst tragen Dark Funeral und Zonaria ihre Erklärung des Hasses nach Darmstadt und bereits wenige Tage später thronen die Könige des Black Metal (unter anderem Immortal) in den Hessenhallen zu Gießen. Aber bleiben wir in Darmstadt.

Denn egal wie viel Monochrome-Schminke, die Musiker auflegen, oder wie sehr sie ihre Kehlen beim Kreischen vergewaltigen, die ungeteilte Aufmerksamkeit von jedem Zuschauer haben sie heute nicht, denn im Kneipenbereich des Steinbruchs wird das Champions Leauge Viertelfinale zwischen Bayern München und Manchester United übertragen. Weswegen man zwischendurch immer wieder, in den Zuschauerreihen, Dialoge wie „Oh, Bayern liegt schon zwei null hinten!“ mitbekommt.
Fußball und Black Metal passt das zusammen? Nun, immerhin haben ManU einen roten Teufel im Vereinswappen und der Trainer vom FCB ist zumindest phonetisch ein Namensvetter von dem alten Gorgoroth-Goldkehlchen Gaahl.
 Aber noch bevor der Ball in Manchester rollte, legten bereits Carach Angren aus dem niederländischen Limburg los.
Leider zu früh für mich, denn als ich das Venue erreichte, hörte ich von draußen gerade noch den letzten Song. Echt schade, denn was ich da vernahm klang sogar noch besser als auf Platte.
Eine angenehme Mischung aus Black Metal und symphonischen Elementen, ohne dabei überaus kitschig oder poppig zu klingen. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Jungs uns noch häufiger in Deutschland beglücken, denn sie bringen viel Potenzial mit.
Ob auch Nefarium aus Bella Italia Potenzial haben, zeigte sich kurzdrauf, denn die waren nämlich als nächstes dran und überraschten vor allem optisch. Denn ihr Sänger Carnifex (mit Glatze, endlosem Ziegenbart und dachsartigem Corpsepaint) bewies mit seiner weinroten Robe Stilsicherheit, auch wenn ich die ganze Zeit an die Eisblut Textzeile „Mir gefiel dein Sommerkleid“ denken musste.
Musikalisch bekam man gute, handgemachte Schwarzmetallkost. Sicherlich keine Musik mit der man den Preis für die meisten Innovationen gewinnen könnte aber alles in allem war das Dargebotene grundsolide. Abgerundet wurde der Auftritt dann auch noch von einer engagierten Bühnenshow, die zu Gefallen wusste. Leider war bei den Südländern nicht wirklich viel vor der Bühne los, auch wenn es gegen Ende mehr wurde, blieben es insgesamt vielleicht etwa 70 bis 80 Gestalten, die sich den Gig anschauten.
Etwas voller (aber immer noch weit entfernt von ausverkauft) wurde es dann bei den Schweden Zonaria.
Besonderes Highlight hier: der Ventilator auf dem Boden der Bühne, damit die Haare des Sängers schön wehen können.
Das mag jetzt der eine oder andere Black-Metal-Purist „untrue“  finden, aber wen kümmert’s?
Solche Düsterheimer wären bei Zonaria eh falsch, denn sie spielen einen ganz eigenen Stil, der irgendwo zwischen Melodic Death und Symphonic Black liegt.
Songtechnisch wurden einige Hits wie „Descending Into Chaos“ oder „At War With The Inferior“ abgefeuert, allerdings und das überraschte sehr: kein „Image Of Myself“!
Was war denn da los? Ein Song, den fast jeder kennt, weil er auf beinah jeder (!) Veröffentlichung von Zonaria zu finden ist, ist nicht im Liveset. Das wäre ja fast so als spielten Týr kein „Hail To The Hammer“.  Und das obwohl man eine Zugabe geben durfte, aber die nutzte man lieber für einen neuen, unveröffentlichten Song (der nicht wirklich schlecht war aber auch kein Welthit werden wird). Zu entscheiden ob das so ein geschickter Schachzug gewesen ist, blieb jedem selbst überlassen, aber nichtsdestotrotz war der Auftritt von  Simon Berglund und Co. alles andere als schlecht. Sound top, Show klasse und Stimmung super!
So, kleine Verschnaufpause, auch für die Fußballfans. Halbzeit. Bayern liegt 1:3 hinten und während die anderen Umbaupausen in Ferrari-Boxenstopp-Tempo abliefen (man konnte mit Mühe und Not aufs Klo gehen und sich was zu Trinken zu holen ohne dass es schon weiterging), hatte man jetzt etwas Zeit bis Magus Caligula samt Anhang die Bühne enterte.
Wie immer präsentierte sich Dark Funeral in ihren feschen Asterix-erobert-Rom-Gedächtnis Rüstungen und feuerten direkt von Anfang an mit allen was der schwedische Black Metal zu bieten hat, das heißt in diesem Fall: klirrende Gitarren, aggressives Gekeife und ab und zu auch mal ein Growl dabei.
Hier stimmte übrigens auch die Songauswahl! Neben neuen Tracks wie „Stigmata“ vom aktuellen Album waren auch ältere Schlager wie „Vobiscum Satanas“ oder „666 Voices Inside“.
Es herrschte viel Bewegung auf der Bühne, so sehr, dass man sehen konnte wie den fünf Skandinaviern, der Schweiß das Panda-Bären- Gesicht herunter lief.
Einzig der Sechssaiter Lord Ahriman wirkte etwas steif auf der Bühne. Wobei „etwas steif“ noch eher nett formuliert ist. Man könnte auch sagen: es sah so aus als steckte ihm ein umgedrehtes Kreuz bis zu den Mandeln im Hintern. Was jedoch auch nicht erklären würde warum man als ein Gründungsmitglied der Band noch nach 17 Jahren (!) wie ein Besessener auf sein Griffbrett starren muss?
Aber diese Kritik geht vielleicht auch etwas zu weit, denn im Großen und Ganzen war der Auftritt sehr gut. Immerhin wurde es einigermaßen voll (so voll wie es unter der Woche wohl werden kann) und die Fans schienen zufrieden, auch wenn beim Verschwinden der Band niemand Zugabe gerufen hat (inzwischen kennt wohl jeder das Spiel).
Denn natürlich kam man wieder um zwei weitere Songs zu spielen, darunter auch „My Funeral“, was man vom aktuellen Video der Band kennen kann.
Dann war aber auch wirklich Schluss und man konnte bereits um 23:00 Uhr (angenehm für Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs) zufrieden die Heimreise antreten, und das sogar wenn man Bayern-Fan war, denn die schafften es tatsächlich noch den Anschlusstreffer zu erzielen und ebneten  sich  dadurch aufgrund der besseren Auswärts-Tor-Bilanz doch noch den Weg ins Halbfinale.
Und damit gebe ich ab an die angeschlossenen Funkhäuser.

[Adrian]











Hessenhallen, Gießen

Winterfire Festival 2010

Die Apokalyptischen Reiter
Alestorm
Napalm Death
Skyforger
Varg
Imperium Dekadenz
Dawn of Disease
Noctalis



Die Hessenhallen in Gießen werden in den letzten Jahren immer mehr zu einer Metal-Hochburg.
Neben Veranstaltungen wie dem Thrash Inferno und dem Kings of Black Metal erfreut sich auch das Winterfire Festival wachsender Beliebtheit.
Wieso allerdings ein Thors Hammer das Logo des Konzertes ziert entzieht sich meinem Verständnis. Während man 2009 auf dem Winterfire noch Menhir, Iuramentum, Moonsorrow, Ensiferum und (mit viel gutem Willen) vielleicht noch Unleashed der Pagan / Viking Bewegung zurechnen konnte, sah es nach dem Absagen von Equilibrium (die im Moment ohne Sänger und Gitarristen sind) sehr viel düsterer aus. So hielten bloß Varg, Skyforger und Noctalis noch die heidnische Flagge hoch.
Letztere waren in letzter Sekunde für Equilibrium eingesprungen und hatten die Ehre den Tag zu eröffnen.
Noctalis verpasste ich allerdings leider aufgrund von Anfahrtsproblemen, konnte aber die letzten Töne der Band vor der Halle wahrnehmen. Laut Aussagen von anderen Besuchern war aber die melodische Mischung aus Black und Folk Metal weder spektakulär noch interessant.
Anschließend wurde es mit  Dawn of Disease aus Osnabrück etwas interessanter. Einfacher schnörkeloser Death Metal, der brutalen Schule, der einige Zuschauer vor die Bühne lockte und auch einige gute Reaktionen erntete.
Danach wurde es mit Imperium Dekadenz (eine Black Metal Band, die auch passender Weise aus dem Schwarzwald stammt) erstmals recht voll vor der Bühne. Zu Recht! Mit einem neuen Album im Magazin feuerten die Imperialisten heftiger als auf dem letztjährigen Wolfszeit.
Zu ihren klischeefreien und düsteren Klängen ließen sich viele Zuschauer dazu hinreißen, die Matte kreisen zu lassen. Ein paar Vollpfosten fühlten sich sogar zum moshen genötigt, was aber erst bei den folgenden Bands zum ernsthaften Problem werden sollte.
" And now, let's go to Skyforger!", rief mir Christopher Bowes, der Kapitän von dem schottischen Piratenschiff Alestorm, entgegen als ich mir als Letzter ein Autogramm der Freibeuter besorgt hatte.
Ich folgte natürlich seinem „Befehl“ und schaute mir die lettische Pagan-Kapelle gemütlich von weiter hinten an (inzwischen hatte der Mosh-Virus das gesamte vordere Drittel infiziert).
Aber auch von dort aus konnten die etwas in die Jahre gekommenen Künstler aus Lettland überzeugen. Mit Flöte, Dudelsack und E-Gitarre nahmen Skyforger Gießen ein und hinterließen nach Knallern wie "Migla Migla Rasa Rasa " nur noch Schutt und Asche.
Anschließend trat die derzeit meist diskutierteste Band auf die Bühne. Varg sorgten bereits im Vorfeld für Schlagzeilen da ihr Sänger Freki angeblich Verbindungen zur NSBM-Szenen gehabt haben soll. Das rief natürlich (wie schon so oft) die politischen Geisterfahrer von der Antifa auf den Plan. Jedoch verhielten sie sich genauso wie es Freki im Song " Alter Feind" besingt: "Alter Feind, Antifa Von dir liest man viel, doch nie bist du da." Persönlich ist mir kein linker Aktivist begegnet, aber Aktionen wie Mittelfinger-Zeigen während des Varg Gigs oder Besucher im Wolfszeit-Hoodie anspucken geht vermutlich auf das Konto solcher Wirrköpfe.
Egal, der Auftritt von Varg wusste jedenfalls musikalisch zu überzeugen auch wenn neue Songs wie
"Blutaar" oder " Viel Feind, viel Ehr" alte Klassiker wie "Heldentod" (schade!) und das nur angespielte "Donareiche" aus der Set-List verdrängten. Warum man am Ende nur das Intro von Donareiche spielen konnte ist dem gnadenlosen Zeitmanagement von Burning Stage zu schulden. Warum man Bands lieber abwürgt, bei Songs, die jeder hören will, anstatt 3 bis 4 Minuten mehr pro Gig zu opfern, wird mir immer schleierhaft bleiben. Mit dem Ende des Varg-Auftritts war auch das heidnische Treiben für diesen Abend zu Ende und es traten etwas kommerzieller Bands ins Rampenlicht. Damit begann sich auch das Publikum zu wandeln. Pagan und Black Metaller traten zum Teil den Rückzug an (was man auch dem nervenden und moshenden Jungvolk zuschreiben kann) und auf einmal sah man auch Emos und Hardcore-Fans. Bevor diese aber komplett auf ihre Kosten kommen sollten enterten Alestorm die Bühne. Gut gelaunt und vollbärtig heizte der Chef-Pirat Bowes die Meute an. Die Stimmung war klasse und Lieder wie "Captain's Morgan Revenge" oder "Keelhauled" animierten zum mitsingen. Auch wenn der Mix aus Running Wild Lyrics und Seemans-Folklore aus der Keytar auf Dauer etwas langweilig wurde und sich abnutzte. Trotzallem waren am Ende Band und Publikum zufrieden, die Schotten hatten ihre Mission also erfüllt.
Nun, der totale Umbruch! Keine Folklore, keine lange Epik und keine Mythologie. Einfach nur auf die Fresse mit Napalm Death. Die Keimzelle des Grindcore betrat mit einem feisten Grinsen im Gesicht die Bühne und Sänger Barney Greenway steckte die moshende Meute mit seinen kranken Zuckungen an.
Weswegen sich auch so manche Ansage etwas verzögerte (der lebende Subwoofer schnappte nach Luft wenn so mancher Song ihm alles abverlangte). Die Ansagen schlugen übrigens etwa 75% der Songs in Sache Länge. Hier wurde buchstäblich über Gott und die Welt philosophiert. Da jedoch Barney kein möchte-gern Weltverbesserer ist und einige intelligente Dinge von sich gibt, hört man ihm gerne zu. Außerdem war die Songauswahl eine gelungene Mischung aus Klassikern wie „Scum“, „You Suffer“ oder „It’s  a M.A.N.S. World“ und neueren Songs wie beispielsweise „When all is said and done“.
Alles in allem ein Fest für Grind-Nostalgiker und einfach nur Krach für die Pagan-Fans vom Nachmittag.
Den Auftritt der Apokalyptischen Reiter ersparte ich mir dann selbst und machte mich wie so viele andere auf den Weg nach Hause. So hörte ich dann später auch, dass sich die Reihen bei den Reitern ziemlich gelichtet hätten. Jedoch schien dieser Umstand die Band weniger zu stören und man stürzte sich sogar mit zwei Schlauchbooten bewaffnet in die Menge. Nach Meinung der Anwesenden wurde zwar nichts überragend Neues geboten aber Spaß hatten die meisten Zuschauer wohl trotzdem. Und so ging auch die 2010er Auflage des Winterfire zu Ende und zurückbleibt die Erkenntnis, dass  sich (trotz eines guten Konzerttages) gewisse Dinge ändern müssen. Zum einen muss Burning Stage weiter an der Verbesserung des Sounds bei so mancher Band arbeiten, was vor allem bei Skyforger (Flöte kaum hörbar) und Imperium Dekadenz (Gitarre zu leise) zum Vorschein kam. Zum anderen sollte man das Winterfire endlich zu dem machen was es sein soll: ein Folk/Pagan – Festival!
Wenn man schon versucht den aktuellen Hype für sich zu nutzen, dann sollte man wenigstens auch versuchen kein Potpourri zu servieren! Zwei bis drei Bands von insgesamt acht, die wirklich das Thema des Festivals treffen, ist einfach zu wenig!
Außerdem würde ein einheitliches Line-up verhindern, dass sich unterschiedliche Fangruppen gegenseitig aneinander geraten. Es gibt also genug Gründe 2011 ein Winterfire zu präsentieren, dass seinen Namen auch zurecht trägt! 

[Adrian, Andreas]










Steinbruchtheater, Mühltal bei Darmstadt

Gore Grind Over Europe Tour 2010


Rompeprop
 Mucupurulent
 Cliteater
 Rectal Smegma
 Bösedeath
Clitsplit

Ein Grindcore-Konzert. Was soll man davon erwarten?
Zum einen denke ich da heftige Pits und  Emos, die nur dort hinkommen 
weil diese Musikrichtung auch das Wort Core beinhaltet.
Und was bekam man geboten?

Pits gab es natürlich, aber diesmal in einem Maße dass man in der ersten Reihe stehen konnte ohne von Moshern belästigt zu werden (vorbildlich!) und zum anderen nicht einen (sichtbaren) Emo (noch  vorbildlicher!!). Vielleicht lag es an der Bandauswahl (in erster Linie Porn- und 
Goregrind) oder auch daran dass der Mühltaler Steinbruch das Konzert  für Sonntag angesetzt hatte. Jedenfalls standen die Chancen für einen gemütlichen Abend sehr gut! Allerdings kam ich erst zum Auftritt von Bösedeath dazu und verpasste leider so den Auftritt von Clit$plit.
Die Darmstädter von Bösedeath machten aber diesen Umstand schnell vergessen und hauten einen brutalen Deathgrinder nach dem anderen raus! Als Lokalmatadore erhielten sie dafür auch den verdienten Respekt vom Publikum. Die innige Beziehung zwischen Band und Fans ging sogar soweit, dass man das Mikro ins Publikum reichte und gleich mal halbe Songs von Fans singen ließ. Dass nenn ich mal Interaktion! Im Anschluss daran folgte Mucupurulent.. ..ein Hybrid aus Goregrind und Brutal Death Metal (mit leichter Immolation-Schlagseite).
Heftig wie eine Dampfwalze überrollten sie mit ihrem Groove die Menge und erfreuten sich besonders bei den Death Metallern im Saal großer Beliebtheit. Danach bekam man endlich mal Zeit zum Rauchen und Bier Trinken. Denn  Rectal Smega aus den Niederlanden konnte man sich wirklich schenken. Eine nervtötende Stimme, die zu allem Überfluß auch noch durch einen 
schrecklichen Pitch-shifter gejagt wurde, malträtierte die Ohren der  Anwesenden. Auch Instrumental bot ihr tröger Porngrind nichts was zu  mehr als Anstandsapplaus ermuntern könnte, auch wenn ein paar (scheinbar mitgebrachte) Fans vor der Bühne ausflippten. Abgerundet wurde dieser Epic Fail vom Sänger, der sich allein durch  sein weißes Käppchen von Meister Proper unterschied. Als Entschädigung für diesen lahmen Gig betraten nun Cliteater die 
Stage und nahmen den Steinbruch im Sturm ein. Schon bei einem sehr frühen Song wie "Milf Hunter" beschloss man die Party auf die Bühne zu verlegen und das halbe Publikum zu sich zu 
lotsen. Es wurde gestage-dived, gepogt, gebangt und gefeiert. Irgendwo  dazwischen in dem Getümmel befand sich die Band und heizte die Stimmung an. "So müssen Metal-Konzerte in den frühen 80ern gewesen sein!", dachte ich mir und konnte kaum glauben, dass nach gefühlten 20 Minuten das ganze Spektakel wieder vorbei war. Aber laut Aussage anderer Besucher 
hatte der Gig wohl schon seine angepeilten 45 Minuten gehabt. Aber Cliteater gebührt nicht nur der Preis für die beste Band des  Abends sondern auch für den besten Spruch. "You want a Wall Of Death?" -"Yeah!!" -"No!", antwortete Sänger  Luuk Van Lier und zeigte damit dass seine Band solche Metalcore-Spielereien nicht nötig hat. 
Jede Band nach Cliteater konnte nur verlieren. Die Aufgabe war somit schwer, aber Rompeprop  stellte sich der Herausforderung. Etwas weniger maskiert als bei anderen Auftritten (zumindest Bassist Bonebag Rob präsentierte sich im einem schicken Skelett-Kostüm) , aber dennoch bestens gelaunt, traten die Holländer auf. Gassenhauer wie „Vaginal Luftwaffe“ und „Embryoyo“ überzeugten dann auch auf ganzer Linie, dennoch machte sich der Eindruck breit, dass die Messlatte in Sachen Fannähe von Cliteater einfach zu hochgesetzt wurde. Denn es war in keinster Weise so, dass Fronter Dirty Dr. Dente ein schlechter Entertainer war, aber gegen Luuk kam er heute nicht an und wie heißt es so schön in solch einem Fall? Wenn du sie nicht besiegen kannst, verbünde dich mit ihnen. Also wurde die Front-Klitoris auf die Bühne gerufen um mit den Landesgenossen zusammen einen alten Song  aus deren Zeit zu spielen als man (angeblich) noch Steppenwolf hieß. Auch wenn Dr. Dente es nicht glauben wollte, so war mir und vielen anderen Anwesenden der Song „Porn to be wild“ dennoch ein Begriff. Und hob sich angenehm von dem Rest des Sets ab, da Luuk gänzlich auf einen Pitch-shifter verzichtete. Natürlich sind die verzerrten Vocals ein wichtiger Teil von Rompeprop, aber wenn jedes Wort und Brüllen künstlich herunter gedreht wird und dass über einen ganzen Gig hinweg, beginnt man sich nach einer  gewissen Zeit zu langweilen.
Dennoch war es der zweitbeste Auftritt des Abends, womit Gold- und Silbermedaille nach Holland gehen und sich alle Anwesenden über einen Konzertabend freuen konnten, bei dem ich ausnahmsweise mal keine Punkte in der B-Wertung abziehen muss (guter Sound, gutes Publikum und motivierte Bands!). Beide Daumen hoch.

[Adrian]












Jam Club, Koblenz

Unholy Death Metal Trinity

Obscure Infinity
Sanctifying Ritual
Profanal



"Unholy Death Metal Trinity". Bei so einem Namen läuft einem alten Todesmetaller das Wasser im Munde zusammen.
In einer core-verseuchten Stadt wie Koblenz ist solch ein Event schon als kleines Wunder zu betrachten.
Darüber hinaus ist der (direkt neben dem evangelischen Gemeindezentrum stehende) Jam Club mehr als gut besucht.


Davon profitieren auch die etwa 50 Minuten zu spät auftretenden Westerwälder Todesbleier Obscure Infinity, denn anstatt vor den 20 Nasen, die pünktlich um Acht den Raum bevölkerten, war es nun fast so voll, wie manche Besucher blau waren! Mit Todeshymnen von ihrer "Into The Depths Of Infinity"-EP und ganz neuem Material zog man die Fans schnell auf seine Seite! Die erste Reihe wippte zu jedem Song geschlossen mit der Mähne (meine Wenigkeit eingeschlossen) und ließ sich auch (mehr oder minder) bereitwillig mit Blut (kein künstliches!) in bester GWAR-Manier einsauen. Alles in allem ein schöner Gig, der auch trotz kleinerer Soundprobleme (ist halt Old-School, gelle), Spaß machte und das Gefühl aufkommen ließ, dass man von dieser Band noch hören wird. Nachdem Gig schnell zum Merch-Stand, den Bandmitgliedern zum Gig gratuliert und für'n Zehner ein opulent bedrucktes T-Shirt gekauft.
Danach band Nummer Zwei: Sanctifying Ritual. Der Tod aus Thüringen, der auch wirklich Death Metal macht, könnte man zusammenfassend sagen. Leicht irritierend war nur das Outfit des Sängers. "Eine Sturmmaske? Entweder war der mal Grindcore-Sänger oder ist einfach nur hässlich?" Solche Gedanken schossen mir dabei durch den Kopf.
Aber musikalisch gab es (zu meinem Leidwesen) keinen Grind, sondern, drei mal darf geraten werden, richtig: noch mehr Death Metal. Auch wieder schön old-schoolig, aber leider hat der letzte Funke gefehlt, um den Auftritt interessant zu machen. Vielleicht weil man hier das Gefühl hatte, das mit wenig Individualität versucht wird, im Windschatten von Bands wie Nihilist, Nirvana2002 oder Carnage zu schwimmen. Zumindest ging es mir so, viele Fans sahen das anders und hielt auch hier die Flagge des Death Metal hoch! Fazit: Mir war's zu eintönig, aber die Leute hatten Spaß, also Daumen hoch!
Zur letzten Band kam ich etwas später dazu. Warum?  Na ja, weil der nächste Kippenautomat gefühlte 2 Kilometer weiter in (!) der Polizeistation lag und man erst die netten (nicht ironisch gemeint) Ordnungshüter um Einlass erfragen musste. Wieder zurück hatten Profanal aus Bella Italia schon angefangen und siehe da: das böse Gegrowle kommt ja von einer Dame! Dagegen wirkt selbst Angela Gossow wie eine Opernsängerin. Der eigentlich sehr gute Auftritt von Profanal wurde dann allerdings von einigen Hornochsen überschattet, die es für lustig hielten einen Moshpit (indem sowieso nur 25 m³ großen Raum) einzuleiten und jeden damit auf'n Sack zu gehen.
Meine Meinung: Wer moshen will soll zu Caliban oder As I lay Dying gehen, ein echter Death Metaller zieht es vor die Rübe zu schütteln! Dann war auch schon alles vorbei und zurück blieb der Eindruck, dass es ein toller Abend hätte werden können wenn Sound (der durchgängig schlecht war) und Publikum gestimmt hätten, so blieb es aber nur bei einem netten Abend. Mehr leider nicht. Trotzdem ein großes Lob an alle Bands, den an euch hat es dort nicht gehangen. 

[Adrian]












Circus Maximus, Koblenz
 Emergenza (Bandcontest)

Enemy.Mine
Engelsleid
Read my Lips
Hirnsturm
Schadows of Fate
Driven


Bandwettbewerbe sind immer so eine Sache und ich weiß nie so ganz was ich davon halten soll.
Wie misst man musikalische Qualität? Mit einer Jury? Mit Labelmitarbeitern? Oder doch über das Publikum, das per Handzeichen nach jeder Band sein Gefallen ausdrückt?
Der weltweite Bandwettbewerbveranstalter entschied sich für letztere Variante und zeigte unfreiwillig auf was hier die Probleme sin
d:


1. Die ersten auftretenden Bands spielen recht früh und haben ein halbleeres Haus, das über ihr Schicksal entscheidet.

2. Im Verlauf des Abends steigt die Stimmung und der Alkoholpegel.
Auch schlechte Bands hören sich so direkt viel besser an.

3. Spielt sich der ganze Contest in einem Szenetreff ab, haben andere Genres direkt schlechte Karten

Die erste Band des Abends Enemy.Mine hatte zwar den Vorteil von Punkt 3 aber leider den, alles überstrahlenden, Nachteil von Punkt 1 und 2.
Ihre zeitgenössische Mischung aus Deathcore und Brutal Death Metal wusste zwar den ersten paar Besuchern zu Gefallen, aber was nutzt es wenn sonst niemand da ist, um für einen abzustimmen?

Gleich alle Drei Punkte gegen sich hatte die Westerwälder Band Engelsleid.
Zwar mühten sich die Vier Musiker nach allen Regeln der Kunst ab und spielten von allen Bands den individuellsten Stil, aber trotzdem fielen die Reaktion verhalten aus.
Auch wenn bei ihrem Song "Maschine" ein kleiner Mosh-Pit entstand, hatte man das Gefühl dass sich die Jungs einige hundert Meter bei den Traditionalisten vom Hellbangers Club besser hätten schlagen können.
Die folgende Band wäre von den Hellbangers hingegen wohl geschlachtet worden.
Denn nun folgte mit Hirnsturm aus Neuwied ein Angriff im Stile von Such a Surge, also Crossover / Rap Metal wie man ihn von Body Count und Dog Eat Dog kennt mit deutscher Lyrik versetzt.
Klingt schlimm, ist aber so! Da konnte auch gute Gitarrenarbeit nichts mehr tun, das ganze war einfach eine akustische Beleidigung für zivilisierte Ohren und ein Aufreißen alter Nu Metal Wunden aus der eigenen Teenager-Zeit.
In der Folge erwartete das Publikum ein radikaler Stilbruch von Metal und Rock ging es nun knallhart zu Rock-Pop mit Frauengesang.
Read my Lips  hatten zwar alle Instrumente auf der Bühne, die auch von Metallern vergewaltigt werden, aber „verwöhnten“ ihr Publikum stattdessen mit Bubble-Gum-Musik á la Ashlee Simpson oder Avril Lavigne.
Danach folgte der heimliche Headliner und Lokalmatador Shadows of Fate aus Koblenz.
Um auf die drei Punkte vom Anfang zurück zu kommen, hier stimmte einfach alles: Zeitpunkt, Stimmung, Musikrichtung und lokaler Bezug!
Da musste es wirklich nicht verwundern, dass eine archetypische Metalcore-Band vor einer Meute aus Corelern und Emos auf ganzer Linie abräumt.
Cricle- und, Moshpits überall und eine volle Hütte. Da interessierte es keiner dass die Songs selbst wie aus dem Backkatalog von "As I Bring me the heaven shall caliban" klangen oder die Band sich erst vor einigen Wochen gegründet hatte. Hier brannte die Luft auch so und da die Band handwerklich keine groben Schnitzer beging (zumindest fielen mir keine auf), war ihr Sieg am Ende schon während des Gigs eine klare Sache.
Aber dennoch schaffte es auch die Diezer Kalkwerk-Band Driven den Stimmungspegel nicht ins bodenlose fallen zu lassen. Mit Alternative Metal und Grunge Elementen zog man dass immer noch unter Strom stehende Publikum auf seine Seite und holte die Ernte ein, die die Vorgängerband gesät hatte.
Alles in allem war das Ergebnis, was am Ende von der vollschlanken Moderatorin des Contest verkündet wurde, dann auch wenig überraschend: Die letzten drei Bands sind weiter und kommen ins Halbfinale des Wettbewerbs und treten in der Frankfurter Batschkapp gegen andere Kapellen an.
Abgesehen von dem leicht unfairen Abstimmungsmodus und dem unpassenden Venue, war es doch ein gelungener Konzertabend mit viel Abwechselung und einigen Bands, von denen man auch noch in Zukunft hören wird.
Allerdings sollte sich Emergenza mal Gedanken über seine Preise machen. Denn 8 Euro im Vorverkauf und 10 Euro an der Abendkasse, ganz zu schweigen von den 75 Euro Startgebühr pro Band, hinterlassen einen faden Beigeschmack bei Fans und Musikern.

[Adrian]