Vinyl und Tape Reviews



MELECHESH

The Epigenesis (LP)

VÖ: 2010

BLACK METAL



Das orientalische Schwadron des ‚Mesopotamian Thrashing Metal‘ MELECHESH meldete sich Ende des letzten Jahres zurück. Höchste Zeit also, das neue Meisterwerk ‚The Epigenesis‘ unter die Lupe zu nehmen und zu prüfen, ob es dem Vorgänger ‚Emissaries‘ (2006) gerecht werden kann.

Beim Betrachten des massiven Gatefold-Covers der Doppel-Lp wird zunächst deutlich, dass sich die Nahostler in Sachen stilechtem Artwork immer noch auskennen (zu sehen sind verschiedene mesopotamische Gottheiten (u.a. Marduk) als Wandrelief und okkulte Symbole aus längst vergessenen Zauberpapyri des Orients. Im Inneren des Covers findet man dann ein Bandfoto … es könnte auch Judas Priest sein, wie Ashmedi mir gegenüber lachend zugab.

Mit dem mittlerweile üblichen dichten Sound startet das Album und geht sofort in die Vollen: Thrashige Riffs basierend auf arabischen Notenskalen, rhythmische, fast zum Tanzen motivierende Trommeln und Ashmedis kreischende Stimme.
Schnell kommt man zum mittlerweile schon sehr bekannten Aushängeschild des Albums:
„Grand Gaathas of Baal Sin“! Im Video natürlich authentisch in einem Tempel eingespielt und mit hektischen Szenenwechseln versehen, letztendlich das, was man beim Hören dieses Stückes auch erwartet: rasend schnelles Riffing und Trommelfeuer, das am Ende in ein Stampfendes Stakkato-Outro zum Mitrufen veranlasst („SIN! BAAL SIN! BABA SIN! BAAL SIN! …). Aus eigener Erfahrung ist dieser Song live ein Muss.
Die nächsten Tracks, u.a. „Mystics of the Pillar“ sind wieder etwas grooviger und midtempo-lastig, die orientalischen Klänge der Gitarren von Ashmedi und Moloch geschmeidiger und eindringlicher.
Natürlich finden sich auch wieder rein instrumentale Stücke auf der Scheibe wie auch schon bei allen Vorgängern. Dort erwarten einen statt den üblichen Stromgetriebenen Klangwerkzeugen auch die mystische Tempelmusik aus Mesopotamien („When Halos of Candles Collide“, ein genialer Name meiner Meinung nach).
Die Ruhe wird mit „Defeating the Giants“ nach 5:40 Minuten wieder durchbrochen. Versehen ist der Song mit schön vollen und ausgereiften, abwechslungsreichen Riffs. Ein kurzes Stück, aber eins der Besten.
Beendet wird das Kapitel mit „A Greater Chain of Being“, ebenfalls ein rein instrumentales, sehr Trommel-lastiges Stück.

Kurzum hat der strittige Wechsel der Band zu Nuclear Blast keinen Schaden bewirkt. Wer mit „Sphynx“, „Djinn“ und „Emissaries“ schon seinen Spaß hatte, der sollte dieses Album nicht ignorieren und sich auch keinen der leider seltenen Auftritte der Band entgehen lassen.

ohne Wertung

[VVolk]




















BEHEMOTH



From The Pagan Vastlands


VÖ: 1993 


BLACK METAL






Und nur ein Jahr nach der Rückkehr des nördlichen Mondes beglückten uns Behemoth mit „From The Pagan Vastlands“, diesmal nicht mehr zu zweit aufgenommen, sondern verstärkt durch „Frost“ und der Gitarre und „Orcus“ als Sessionbassist. 
Wieder einmal macht das Tape nach Außen hin nicht viel her, eine grimmige Corpsepaintfratze in der Dunkelheit, aber wir alle wissen auf den Inhalt kommt es an. Und wieder einmal lassen sich die Polen nicht lumpen:  „From The Hornedland To Lindisfarne“ beginnt überraschend mit einem Mix aus elektrischer und akustischer Gitarre, unterstützt durch wildes Windgeheul, einem Stil der sich durch den gesamt Song ziehen wird. Ein Mid-tempo Song, der einen wichtigen Unterschied zwischen der vorherigen und dieser Demo zeigt: Hier wurden Songs von einem Synthesizer unterstützt der gelegentlich die Gitarrenmelodien verstärkt und allem einen etwas epischeren Hauch zu verleihen versucht. Viel mehr ist über diesen Track nichts zu sagen, außer vielleicht das es eine Überraschung ist das er als erstes zu hören ist und nicht das übliche Intro.


Doch die Überraschung ist schnell überwunden, denn kurz darauf folgt „Thy Winter Kingdom“. Doch schon wieder ist die Überraschung groß denn was ist das? Mann kann ja tatsächlich den Bass hören! Offensichtlich haben Behemoth aus ihren alten Fehlern gelernt und ihre Aufnahmetechnik verbessert, ein eindeutiger Pluspunkt. Und einen weiteren gibt es für den Song selbst, denn dieser ist abwechslungsreich und stellenweise so wunderbar disharmonisch das ein wohliger Schauer über den Rücken krabbelt. Ein Ohrwurm, wenn auch keiner auf dessen Langlebigkeit man sich verlassen kann.


Weiter rotiert die Kassette und  „Summoning Of The Ancient Ones“ steht als nächstes auf dem Plan. Introloses geknüppel erwartet uns und eine sonderbar vertraute melodie… Atmosphärisch ja, aber doch so bekannt. Tja es ist tatsächlich das Selbe Mainriff welches wir schon aus „Summoning Of The Ancient Gods“ kennen, der Demo die ein Jahr zuvor erschien. Wer jetzt denkt Behemoth haben einfach nur einen alten Song nochmal neu und besser aufgenommen, tja, der hat Recht.  Natürlich bietet dies gewisse Vorteile, die die vorherige Demo nicht genießen konnte, vor allem da nun der Bass mitwummert, jedoch zeigt es entweder einen Mangel an Kreativität oder einen Hang zum Perfektionismus. 


„Dancing Of The Pagan Flames“ ist jedoch wieder ein neuer Track mit altbekannter Rezeptur: Man nehme wummernde Double Bassdrums, hasserfülltes Kreischen und ein eintöniges Riff um die nötige Stimmung zu erzeugen und schon hat man einen klassischen Black Metal Song. Doch ganz so einfach machen es sich Behemoth dann doch nicht. In diesem Track kommt wieder der Synthesizer zum Einsatz sowie diverse Soundeffekte.  Ansonsten verzichtet dieser Song auf große Schnörkel und bleibt seinem Prinzip treu. Vielleicht nicht Bahnbrechend aber auf jeden Fall ein würdiger Titel.


Damit endet auch schon Die A-Seite und man kann kaum erwarten die Kassette zur B-Seite umzudrehen um zu erfahren was genau einen erwartet. 
Namentlich ist es „Blackvisions Of The Almighty“, kein schlechter Track, jedoch nur durchschnittlich. Erwähnenswert ist höchstens der erneute Einsatz des Synthesizers der in vielen der anderen Titel nicht genutzt wird. 


Als vorletztes steht „Fields Of Harr - Meggido“ in der Tracklist. Man bemerkt sofort das dieser Track eindeutig tiefer ist als die übrigen und stellenweise auch etwas schneller. Rollende Double-Bass-Drum zusammen mit dem diesmal sehr deutlich zu hörendem, tragendem Bass verstärken den Eindruck umso mehr. Die Lyrics teilen sich in diesem Song in mehrere Rollen auf so wie „Narrator“, „Warrior“ und sogar die „Words of the Goatlord“ finden Gehör, so wie eine christliche Rolle deren Name sich nicht wirklich entziffern lässt und wohl mit „Coward“ tituliert ist. Eine solche Rollenverteilung fand sich bis dahin noch in keinem der Tracks und ist eine interessante Änderung, da auch kurzweilig eine andere, klare Stimme zum Einsatz kommt. 
Genauso überraschend ist das plötzliche Gitarrensolo im zweiten Drittel des Songs das vielleicht nicht gerade den Standard neu definiert, man Behemoth aber nach bisherigem Stande kaum zugetraut hätte. Es fügt sich wunderbar in den Track ein und wird im Anschluss vom Synthesizer  unterstützt und verlängert. Gerade in diesem Song verleiht der Synthesizer eine wirklich angenehm schaurige Atmosphäre. Lange Parts dieses Tracks bleiben ohne Gesang, jedoch sind diese so ansprechend dass man sich ihn auch kaum zurückwünscht. Ein über die Ebenen fegender Wind beendet den Song schlussendlich und man kann sich nicht helfen ihm ein wenig nachzutrauern. 


Nun bleibt kaum etwas übrig als sich selbst zu fragen was nach diesem starken Titel noch kommen kann, denn nun ist man doch am letzten Song des Tapes angelangt. Also wartet man gespannt und nach einigen Sekunden kommt auch schon das erkennen: Es ist eine Coverversion von Mayhems Klassiker „Deathcrush“ und auch wenn es den Sound des Originals nicht ganz einzufangen weiß, ist es doch kein schlechtes Cover. Schnell, laut und Aggressiv und alles in allem eben Deathcrush! 
Doch alles hat mal ein Ende…
Leises Knacken und das Rauschen des Tapedecks verkünden dabei dass von „From The Pagan Vastlands“.


Alles in allem haben Behemoth  sich eindeutig verbessert, sowohl in ihrer Spielweise als auch in ihren Aufnahmen.
Alle Instrumente sind gut hörbar (auch wenn das Schlagzeug teilweise etwas ZU hörbar ist) und angenehm abgemischt. Neue Ideen und Elemente wurden genutzt und ein Mangel an Kreativität ist nicht mehr wirklich vorzuwerfen. Die Lyrics sind klassisch und nicht überraschend, sind allerdings abgedruckt im Tape, angefüllt mit Rechtschreibfehlern. 
Man kann also im Endeffekt sagen dass dies ein Tape ist dessen Kauf sich absolut lohnt. Wer also auf kratzigen Flair und okkulte Musik steht, für den ist „From The Pagan Vastlands“ eine echte Empfehlung
Wie die Hülle des Tapes selbst so schön sagt: „Black Metal is not a Trend, it´s a Cult!“


8 von 10 Punkten


[Sunny]


























BEHEMOTH


The Return Of The Northern Moon & From The Pagan Vastlands


VÖ: 1992 


BLACK METAL




Behemoth bedürfen wohl kaum noch einer Vorstellung. Denn wer eine der erfolgreichsten und bekanntesten Bands im Black und Death -Metal-Genre nicht kennt, sollte sein Grundlagenwissen wohl noch einmal auffrischen. Allerdings gab es immer die Zeit vor dieser Zeit. Eine Zeit, in der Black Metal noch ein Untergrundphänomen war. Als Okkultismus noch nicht als Klischee abgetan wurde. Und zu dieser Zeit begannen Behemoth ihren Marsch nach oben: Mit „The Return Of The Northern Moon“. Diese Demo ist recht simpel gehalten, 8 Tracks auf 2 Seiten der Kassette, kleines Booklet mit Tracklist und Artists. Auf dem Cover der obligatorische Feuerspucker mit Corpsepaint. 
Von außen also nichts besonderes, aber was für eine Erfahrung erwartet den Zuhörer sobald man den Plastikquader in sein Tapedeck klemmt!
„… Of my Worship“ summt sich als leises Intro in den Gehörgang, das sich wirklich nur als okkult bezeichnen lässt. Gerade hier lohnt sich der Kassettenkauf, der uns mit dem altvertrauten und stimmungsfördernden Kratzen begrüßt, solange bis die eigentlich Musik beginnt und dieses in den Hintergrund rückt. Tiefer, tragender Orchestralbass und leichte Kirchengesänge senden einen wohligen Schauer den Nacken hinab und stimmen auf das Kommende ein, als der Song verebbt um dem Einleitungsriff von „Summoning the ancient Gods“ Platz zumachen. Dieses fließt eine Weile vor sich hin und erzeugt zusammen mit dem Schlagzeug einen tranceähnlichen Zustand so dass man sich nach einigen Sekunden dabei erwischt  im Takt unbewusst mit zubewegen. Doch spätestens wenn das Schlagzeug lauter wird ist es aus mit der Harmonie!
Zusammen mit dem kratzigen Gesang von Nergal ergibt der Song einen Sound der seinesgleichen sucht.  Das geringe Tempo zusammen mit dem schleifenden Gitarrenriff ergibt einen klassischen Black Metal Klang wie man ihn nur noch selten hört. Atmosphärisch und böse, so wie man es gerne hat! Schließlich beendet leises Wolfsgeheul den Song und leitet über zu „The Arrival“.
Dieser Track ist tief, bedrohlich und teilweise ein wilder Mix aus Thrash Metal und klassischem Black Metal. das Schlagzeug wummert im Stil von Sodom während Behemoth ihre gewohnt düsteren Riffs samt kratzigem Kehlgesang durchziehen. Kein großer Sprung zum Song davor und grade hier wird deutlich das die Musiker noch nicht den Zenit ihrer Spielkunst erreicht haben, da die Instrumente doch recht simpel Niveau gespielt werden.
Mit „Dark Triumph“ begeben wir uns zurück in das Gebiet der langsamen Intro-Riffs zu denen sich nach einigen Sekunden das Schlagzeug gesellt. Dieser Song stellt sein Gitarrenspiel absolut in den Vordergrund und das zu recht;  Ein boshaftes, wenn auch wie immer recht simples Riff welches einen enormen Druck entwickelt sobald das Double-Bass- Drumming hinzukommt. Es endet wie es begann und nur ein hohes Gitarrenfiepsen und die vertrauten Kassettenkratzgeräusche bleiben uns von Seite A.

Beide Seiten lassen sich eigentlich schon fast als eigenständige Demos betrachten.
Das wird umso deutlicher wenn die B-Seite ein eigenes Intro bekommt (aus welchen Gründen auch immer).
Jedenfalls ist „Monumentum“ der Instrumentalauftakt für die nächsten der drei Songs.  Eine orchestrale, wie gewohnt düstere und monotone Melodie und an sich eine ganz nette Sache, aber ein zweites Intro bei gerade einmal acht Tracks wirkt einfach einfallslos.
„Rise The Black Storm Of Evil“, dagegen beinhaltet kein Orchester mehr, dafür aber eine angenehm sündenhafte Melodie, unterstützt durch das vertraut langsame Drumming. Ein Song um mit geschlossenen Augen mit zu wippen und seinen Gedanken nachzuhängen. Ab etwa der Mitte des Songs ändert sich das Tempo, das Riff jedoch kaum.  Die Variationslosigkeit lastet etwas auf dem Song, was allerdings nicht per se etwas schlechtes sein muss. Sie verdeutlicht teilweise viel mehr die Gewalt die hinter dem Track steckt.  Die Gitarre ist wie gewohnt tief und die Vocals krächzen irgendwo zwischen Abbath und Possessed. Gen Ende folgt das erwartete Song-Outro-Rauschen. Insgesamt eine lasterhafte Entspannungspause von sieben Minuten.
 Eindeutig kein Zeichen von Kreativität aber eine gute Nummer ist das darauf folgende Hellhammer Cover „Aggressor“. (Vergleichsweise) Schnell, gottlos, gut, einfach alles was man braucht.
Kirchenglocken und Streichorchester bilden den Outrotrack, Windgeheul dessen Hintergrund. Langsam und leise endet „The Return Of The Northern Moon“ und hinterlässt nur Stille. Und natürlich die Geräusche des Tapedecks.

Die Demo leidet an ihrer Weigerung unterschiedliche Stücke zu spielen. Die Songs haben ein gutes Konzept und sind für sich mehr als überdurchschnittlich, doch in Reihe etwas monoton. Außerdem zeigt sich gerade auf der B-Seite der Kreativitätsmangel. Von vier Songs sind zwei In- bzw. Outro, einer ein Cover, also de facto ein einzelner eigener Song.
Ferner ist nur bei den seltensten Gelegenheiten der Bass wirklich zu hören und ohne das im Booklet stünde er sei eingespielt, könnte so mancher fast darauf kommen dass gar kein Bass aufgenommen worden sei.  Auch hat man das Gefühl über allen Songs hinge ein Gitarren Phasereffekt, da das Tape an mancher Stelle wirklich stark eiert und die Aufnahme alt ist (Pluspunkt für die CD-Hörer – Anmerkung der Redaktion: Nicht wirklich, die Qualität ist auch auf Silberlingen ähnlich bescheiden).
Ist das also eine schlechte Demo? Teufel nein!
Die wummernde, dumpfe Bass-Drum, die lasterhaften Gitarrenriffs und die hasserfüllte Stimme machen diese Demo einfach zu einem Klassiker des Black Metal! Es ist so düster und okkult wie man es sich nur wünschen kann und von kleineren Fehlern abgesehen, einfach ein wirklich gutes Tape.

7 von 10 punkten



[Sunny]































Nocturnal Depression

Four seasons to a depression

VÖ : 2006

DEPRESSIVE BLACK METAL





Wer Nocturnal Depression hört und ein Quantum an gesundem Menschenverstand besitzt, wird schon erahnen können dass man hier weder mit kreischenden Gitarrensoli, noch wummerndem Death Metal rechnen muss. Erwartungsgemäß düster und deprimierend schleicht sich der in simples schwarz mit kaum identifizierbarem Cover bestückte Tonträger in die Köpfe der Zuhörer. Wer durch die Tatsache das dass Tape mit nur 4 Tracks bestückt ist auf eine geringe Laufzeit schließt mag eine Überraschung erleben; denn mit neuneinhalb Minuten durchschnittlich für jeden Song erreicht das Album doch noch eine angemessene Größe.
Die geringe Songanzahl ist dabei natürlich kein Zufall wie der Titel „Four seasons to a depression“  schon erahnen lässt. Im in der Kassettenhülle steckenden Booklet ist eine Tracklist enthalten die das nur noch klarer Ausführt: Spring, Summer, Autumn und Winter ergeben zusammen Nocturnal Depressions vierte Demo, ein Werk von monumentaler Monotonität und Melancholie. 
Wie monoton und melancholisch zeigt sich sofort nach dem man die Kassette in sein altes Tapedeck gesteckt und die Playtaste betätigt hat:

„Spring“  beginnt ohne viel Intro-Aufwand oder Einstimmung. Oder Text. Oder überhaupt etwas anderem als einem kleinen simplen Gitarrenriff und langsamen Drums die uns durch den ganzen Song variationsfrei begleiten. Die ersten krächzenden Laute sind erst nach einigen Minuten zu vernehmen und unterstützen die aufgebaute Traumstimmung. Denn wenn man eines über „Four seasons to a Depression“ sagen kann dann ist es das, dass es zum Träumen anregt. Schon nach einer Minute mit „Spring“ kann man förmlich dabei zusehen wie die eigenen Gedanken auf Wanderschaft gehen um nie zurückzukehren.  Die zehn Minuten die dieser Track für sich beansprucht fliegen fast vorbei und man wundert sich plötzlich wohin die Zeit verschwunden ist die man gerade noch verlebt hat.

Mit „Summer“ machen die Franzosen keinen großen Sprung in eine andere Richtung. Wieder ein auf einem Riff basierender Song mit diesmal noch langsameren Drums. Nach einiger Zeit spielt eine zweite Gitarre ein über allem schwebendes Leadriff welches aber auch nur sporadisch auftritt. Der Gesang kratzt wie immer vereinzelt im Hintergrund und lässt Raum für gedankliche Abschweifungen. Immerhin variiert zum späteren Zeitpunkt das Schlagzeug Tempo und auch die Gitarren ändern sich leicht. Allerdings hat man nicht das Gefühl das dieser Song in sich selbst eine Assoziation mit „Sommer“ hervorrufen könnte.
Dieser Track schleppt sich mehr dahin als der vorherige, da das Mainriff weniger ansprechend und nach mittlerweile fast 20 Minuten Laufzeit aus der Simplizität einfach die Spannung verflogen ist. Ein immer noch sehr ansprechendes Lied, allerdings nur im richtigen Geisteszustand.

Auch „Autumn“ beginnt mit einem seichten Gitarrenriff, diesmal clean gespielt. Im Gegensatz zu Summer kann man sich selbst hinter seinen Mittlerweile zweifellos geschlossenen Augen fast schon an einem Trostlosen Herbsttag durch Wälder gehen sehen.  „Autumn“ ist ganz klar der Song der seinem Namen am gerechtesten wird. Nach einiger Zeit füllt eine zweite Gitarre die Lücken im ersten Riff und beides zusammen erzeugt so eine wahrhaft melancholische Stimmung wie aus dem schwarzweißen Bilderbuch.  Bald darauf gesellt sich das Schlagzeug mit einigen zaghaften Beckenschlägen dazu um schließlich immer mehr Einfluss auf den Song zu nehmen und ihm ab der Hälfte zusammen mit krächzenden Vocals in eine mehr treibende Stimmung zu versetzten. Man kann die kaum noch unterdrückte Wut und Trauer die aus dem Song ab diesem Punkt sprechen beinahe körperlich mitfühlen.  Der Song verliert nach einiger zeit wieder eine seiner Gitarren und auch das Schlagzeug kommt irgendwann seinem unausweichlichen Ende zu. Schlussendlich stirbt der dritte Track mit dem Geflüster des Gesangs und dem ausklingenden Bass.

Umso härter trifft der Schlag den unvorbereiteten Hörer, den ihm „Winter“ versetzt! Denn im Gegensatz zu den langsamen traurigen prügelt dieser Track aus der Stille direkt mit lauten, verzerrten Gitarren und relativ schnellen Drums sofort los. Überraschend Hart und Aggressiv schreien sowohl Gitarren als auch Sänger aus der Anlage, ohne Rücksicht auf die vorherige Trauerstimmung. „Winter“ beschreibt mit seinem Sound recht anschaulich die Härte des Winters und zeigt  eine Seite von Nocturnal Depression die wir so auf dieser Demo noch nicht gehört haben. Kalt wäre eines der Worte mit denen sich dieser Track leicht beschreiben ließe, vor dem geistigen Auge erscheinen Bilder von erbarmungslosen Schneestürmen die zu dieser Melodie über Öde Eiswüsten fegen. Gen Ende wird der Song wieder etwas langsamer, aber nicht zu sehr, gerade so als ob man noch das Heulen des schneidenden Windes im Hintergrund hören könnte, aber es nie wirklich vernimmt.
Trauernd endet „Winter“ und so mancher wird vielleicht das Gefühl verspüren sein Tape zurück zu spulen und dem Winter sofort wieder den kaum mehr fröhlichen Frühling folgen zu lassen.

Alles in allem ist „Four seasons to a Depression“ eine Demo die sich ihre Zeit nimmt. Nichts um mal leicht die Stille zu überbrücken sondern mehr um in Erinnerungen und Phantasien zu schwelgen. Eine Absolute Stimmungsmusik der pure Frohgemüter wohl nichts abgewinnen können

7 von 10 Punkten

[Sunny]































NAZXUL

Totem (Tape)

VÖ: 1995 


BLACK METAL



„One of the most underrated Black Metal Bands ever! “, das hört man nur allzu oft wenn man sich im Netz über Nazxul informieren will. „Totem“ sei dabei das Prunkstück ihrer Karriere und gleichzeitig deren Erstling. Und gefackelt wird hier nicht lange. Das Album beginnt sich gleich mit dem Titeltrack „Totem“ durch das Tapedeck zu fräsen, dämonisch gutturaler Gesang kriecht ganz genreuntypisch tief ins Ohr des geneigten Zuhörers und hinterlässt ein Gefühl als ob die Substanz der Seele selbst in Mitleidenschaft gezogen wird. Dabei klingt alles wie aramäisch rückwärts, obwohl die aus Sydney stammende Band in ihrer Heimatsprache gurgelt. „Dämonisch“ ist bei diesem Album das beschreibende Stichwort.
Fast jeder Track klingt düster und irgendwie unheimlich, es werden Ritualgesänge genutzt und die Tempowechsel sorgen dafür das man sich so fühlt als ob sich die Band in einen Rausch versetzen würde, der immer weiter ansteigt um am Ende in Flammen aufzugehen. Doch „Totem“ ist keine variationsfreie Zone. 
Die Songs bewahren sich zwar relativ konstant ihren okkulten Flair und die nötige Aggressivität. Dann geht es jedoch auf einmal schneller und tiefer zur Sache. Man wird dabei sehr an frühe Death Metal Bands erinnert. „Distance Begins“ wird auch jedes Death Metal Fan-Herz höher schlagen lassen, genau wie „Endless Reign of Power“ ebenso gut von einem der 90er-Jahre Todesbleischwadrone stammen könnte. Vor allem der gutturale Gesang erzeugt starke Assoziationen mit Bands dieser Sparte. Doch stilistisch bleiben Nazxul im Großen und Ganzen dem hasserfüllten und okkulten Black Metal treu.
Umso überraschender ist es das der ehemalige Drummer Steve Hughes, jetzt ein bekannter Komödiant ist und im Nifelheim Shirt das Publikum zum Lachen bringt. Vielleicht ist die Black Metal Szene doch nicht so ein humorloser Haufen wie ihr immer nachgesagt wird.

7 von 10 Punkten

[Sunny]






















BESATT

Triumph of Antichrist (Tape)

VÖ: 2007

SATANIC BLACK METAL





Black Metal aus Polen? „Schon tausendmal gehört“, werden viele denken und gleich wieder abschalten. Doch diese verpassen einiges. Natürlich kann man in der Szene keinen mehr mit dem satanischen Gehabe imponieren. Auch die im Booklet enthaltenen Lyrics und das Bandfoto zeugen nicht grade von großen Innovationen geschweige denn bahnbrechenden Neuerungen, aber die zehn auf der Kassette enthaltenen Tracks haben durchaus Potential. Zugegeben, das Intro des 2007 erschienen Albums beginnt seicht. Eine ruhige Hintergrundmelodie und das obligatorische okkulte Gesäusel auf Latein. Nichts besonderes, aber nur der Auftakt für das kommende. Denn mit dem zweiten Song „Witch Night“ schlägt die Black Metal Keule gewaltig zu! 
Treibende Riffs und vor allem das (teilweise) grandiose Schlagzeug geben diesem Song ordentlich Druck, der leider im weiteren Verlauf etwas verloren geht um schlussendlich langsam zu verenden. Das darauffolgende Stück „Decalougue will perish“ schlägt hier einen neuen Ton an. Die sehr thrashige Einleitung lässt kommt überraschend und ist eine wunderbare Neuerung. Die Riffs ziehen sich angenehm schnell durch den Rest des Songs, vor allem gegen Ende wird das Tempo noch einmal angezogen und die letzten Bünde der Gitarre ordentlich beansprucht. Dabei kratzt der Gesang kreischend vor sich hin und verleiht dem ganzen die nötige Portion Brutalität. Und so geht es weiter, denn durch das ganze Album zieht sich das Thema der akzentuierten Thrash Riffs mit einem gehörigen Schuss schwarzmetallischer Aggressivität und Melancholie. Raum für Kompromisse existiert nicht, alle Songs sind darauf gepolt das Tier im Menschen herauszubringen und ihn seinen Hass in das Wolkenverhangene Angesicht der Nacht schreien zu lassen.
Und auch wenn das nichts Neues ist, ist es manchmal einfach alles was man braucht.

7 von 10 Punkten

[Sunny]
















OBSCURE INFINITY & PROFANAL

United In Death (7‘‘-Split)

VÖ: sehr bald

OLD-SCHOOL DEATH METAL









In Zeiten von iTunes und Jamba ist es wirklich schön zu sehen, dass es noch Bands gibt, die das Präfix „Old-School“ ernst nehmen. Vinyl hat einfach zuviel musikalische Geschichte geschrieben, um so schnell ausgemustert zu werden. Da ist es besonders angenehm wenn man diese schwarze Scheibe auch noch mit so guter Musik füllt wie es Profanal und Obscure Infinity tun. Mit „Sign Of The Nightsky“ (von Obscure Infinity) und „Torment of Saturn“ (beigesteuert durch Profanal) bekommt der interessierte Plattenkäufer zwei knallharte Todesblei-Granaten, die es in sich haben. Zum einen befindet sich auf der Scheibe mit „Sign of The Nightsky“ ein Track mit sehr starken, schwedischen Einflüssen und einem Gitarrensolo, das ich so virtuos im Death Metal seit Heartwork von Carcass nicht mehr gehört habe.
Dem gegenüber steht zum anderen eine rasant-gespielte, pechschwarze Abrissbirne, die weniger filigran daher kommt. Profanals „Torment Of Saturn“ erinnert an südamerikanische Extrem Metal Großtaten und Frühwerke der Death Metal Ursuppe Floridas. Frontfrau Rosy growlt tief und apokalyptisch, so dass selbst der Grunz-Großmeister Kam Lee dagegen harmlos wirkt.
United in Death bietet zehn Minuten deutsch-italienischen Death Metal, der die europäische Todesblei Szene hoffentlich ein wenig aufrütteln wird. Nötig hätte sie es allemal.

8 von 10 Punkten

[Adrian]